Installationsmehrkampf 1/2

In jedem kleinen oder mittelgroßen Server-Raum den ich kenne, gibt es mindestens einen Server, der läuft so vor sich hin. Um den kümmert sich eigentlich kein Admin so richtig, weil da irgendein unwichtiger Scheiss drauf läuft, schon immer. Abschalten und migrieren kann man die Kiste nicht, weil der Service kaum oder nur noch wenig frequentiert wird, eine Lizenz nicht transferierter ist, oder man keinen Installer für der Scheiss sehr hat und und und. Man bekommt meist auch kein Budget, weil keine Not und überhaupt braucht es doch keiner. Bis auf einen oder zwei Kollegen, von denen man weiß und die fast schon darum betteln die Kiste bitte am Leben zu lassen, sobald man diese User darüber informiert, dass die Büchse nun endgültig offline geht. Man lässt sie laufen, bis sie ausgeht und dann ist halt Schluss. Wenn Sie jetzt nicht verstehen was ich meine, fragen Sie bitte einen Admin in Ihrer Umgebung, er erklärt es Ihnen sicher.

Das also zur Vorgeschichte. Der Installationsmehrkampf geht so:

An dem Server muss man irgendwann doch etwas machen, zum Beispiel weil ein User eine ururalt-Datei nur noch einmal öffnen will/muss. Es handelt sich um eine Maßnahmen innerhalb der umgehend todbringenden Priorität 1++**. Man kann aus Gründen keine aktuelle Maschine nehmen und so erinnert man sich an den einsam vor sich hinlaufen Server (W2k). Der Admin wägt ab, Viewer suchen vs. neue Version (ist meist sowieso nicht mehr kompatibel) und entscheidet sich für die vom User dargebotene Installationsdatei auf seiner Original-CD.

Legt man diese ins Laufwerk will sie jedoch kurz darauf ein Service-Pack (SP) des Betriebssystems vorfinden. Dabei fällt einem dann ein: ja stimmt, auf dem Ding läuft ja nur SP2 (Insel-System, kommt nicht nach draußen, nur LAN – macht also nichts). Man findet das SP3 und auch gleich noch das SP4, lädt es von einem anderen Rechner herunter, der vorhandene Internet Explorer 4 wird erst gar nicht auf das heutige Internet loslassen und schiebt die SPs auf ein globales-Netzlaufwerk (Share). Am W2k will man auf das Share zugreifen, das geht aber nicht. Neu verbinden geht auch nicht, es erscheinen sehr merkwürdige Meldungen die man vielleicht noch wegen des Wortlauts amüsiert einem Kollegen zeigt, aber verbinden will sich der Bock partout nicht. Den Kampf will man nicht auch noch eingehen, denn wozu gibt es USB.

Man nimmt einen heutzutage durchaus üblichen Stick mit 64GB aus der Lade und schiebt die SPs vom anderen Rechner drauf. Der Server erschrickt sich jedoch vor den mobilen 64GB dermaßen und friert erst einmal ein. Der Schuldige ist der USB-Treiber, der im System-Manager nach dem Not-Neustart anklagend sein gelbes Ausrufezeichen zeigt. Also wieder zurück an anderen Rechner und den zuletzt kompatiblen Treiber des Board-Herstellers gesucht, flugs heruntergeladen, ein andere USB-Stick <2GB ist auch gefunden und rein damit. Oh, der Installer verweigert den USB-Treiber, weil der nach einem aktuellen Installer schaut, der (natürlich) nicht drauf ist. Der kommt ja mit dem SP3. Klar oder? Können Sie bis hierhin folgen? Ja? Gut. Wir sind noch nicht fertig.

Wieder zurück an den anderen Rechner um den nun zuletzt kompatiblen Installer zu finden. Den dann gemeinsam mit dem USB-Treiber auf CD gebrannt und zurück an die Büchse. Die CD lädt und lädt und lädt, bis der Server zugibt die CD dann doch nicht lesen wollen, weil er nicht kann. Die entnommene CD ist blitzsauber, dennoch wird sie mehrfach über das Hosenbein gezogen und wieder eingelegt. Das Spiel wiederholt sich, so lange bis man eine neue CD gebrannt hat. Hat man viel Pech, vergisst man die ‘defekte’ CD aus dem Laufwerk des Servers zu holen und freut sich gemeinsam mit der frisch gebrannten neuen CD beim zurückkommen, weil die Kaputte nun plötzlich doch läuft. Hätte man ja … aber ach, alles prima. 

(Teil 2 folgt)

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