herrlich versagt

Ich muss da mal eben noch etwas erzählen. Eigentlich war ich ja recht froh zu der neuen VISA-Karte ohne Funkfunktion noch eine PrePaid Kreditkarte der wircardbank für den gefahrlosen Online-Einkauf zu haben. Doch irgendwie …na… lesen Sie mal:

Beim ersten Ausfüllen der Anmeldung der PrePaid Karte ist mir (besser dem Safari) ein peinlicher Fauxpas unterlaufen. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen ist es meiner Aufmerksamkeit entgangen, dass die Formularvervollständigung in Safari im Feld Nachnamen, sowohl meinen Vor- als auch den Nachnamen eingetragen hat. So hiess ich am Ende in deren Unterlagen und auch auf der virtuellen prepaid-Karte Vorname Vorname Nachname. Tja nun. 😮

Ich füllte das Kontaktformular auf der Website der wirecardbank aus und bat um Korrektur. Nach nur 4 Tagen Wartezeit und 2-maligen nachtelefonieren war das kein Problem mehr, denn ich könne eine Kopie meines Personalausweises schicken, dann würde das korrigiert werden. Mit der Post? Ne, sage ich, das kommt per E-Mail, sie solle bitte dran bleiben. 20 Sekunden später war die Mail weg und sie bestätigte mir den Eingang sofort und mündlich. Na dann. Nach ein paar Tagen wäre der Fehler dann weg, alles kein Problem.

Nach 2 Tagen schaute ich mal nach und der Fehler war tatsächlich weg, dafür hatte der verantwortliche Aushilfs-Nachtschicht-Volontär geschickterweise einen neuen Fehler eingebaut, vermutlich um den Kundenkontakt zu festigen. Fortan hies ich ersterbuchtabeVorname Vorname Nachname. Kann ja mal passieren, dachte ich und bemühte erneut das Kontaktformular. Man bestätigte per Autoresponder den Eingang meiner Anfrage und 3 Tage später gleich noch einmal, mit der gleichen Mail.

Ich rief dann doch an, weil irgendwie war mir das etwas zu schnell. Es wäre ja kein Problem, versicherte man mir, ich solle doch eine Kopie des Personalausweises schicken und dann würde das korrigiert werden. Das die Kopie bereits im Hause war, überforderte die Dame an der Hotline, so ich denn die vorherige Geschichte nochmal wiedergab, damit sie in der Tickethistorie selbst nicht nachschauen müsse. Als Kunde ist man ja gerne bereit den Job des Kundendienstes zu übernehmen. Sie verstand und akzeptierte die vorhandene Kopie, den Vorgang selbst würde sie in die Fachabteilung weiterleiten, damit die das korrigieren können.

Was dann passierte, will ich mal als Aufzählung wiedergeben, die Chronologie stimmt einigermaßen, ich wollte jedoch keine Wissenschaft draus machen, sonst überlaste ich mich:

  • Nach 3 Tagen Wartezeit ohne Rückmeldung erinnerte ich schriftlich an das weiterhin geöffnete Ticket.
  • 2 Tag später kam die Antwort, das man es bedaure und man die Priorität in der Fachabteilung erhöhen würde.
  • Nach 10 Tagen Wartezeit ohne Rückmeldung erinnerte ich mal wieder schriftlich an das weiterhin geöffnete Ticket.
  • Am gleichen Tag kam die Antwort, das man es sehr bedaure und man deswegen die Priorität in der Fachabteilung noch einmal erhöhen würde.
  • Nach 13 Tagen Wartezeit ohne Rückmeldung erinnerte ich erneut schriftlich an das weiterhin geöffnete Ticket. Und bat um meine mir turnusmäßig zustehende Erhöhung der Priorität.
  • Am nächsten Tag versichere man mir, dass mein Ticket mit der bereits höchsten Priorität versehen wäre. Man würde es sehr bedauern bla bla bla
  • Nach 8 Tagen rief ich mich mal wieder mit meiner Mail in Erinnerung.
  • Am gleichen Tag … Sie ahnen es, Bedauern, unerledigt, alles wie gehabt.
  • 18 Tage später brauchte ich mal wieder eine neue Ladung geballte wircardbank-Kompetenz.
  • Man bestätigte mir kurz danach, das der Fehler weiterhin vorhanden wäre (ach was!) und Fachabteilung, Bedauern, virtuelles Schluchzen usw. bla bla
  • Irgendwann habe ich dann auch mal genug und bat letztlich um Auflösung der Kontos.

Mit so einem Unternehmen wie der wirecardbank will ich dann doch lieber nichts zu tun haben. Wenn die simple Korrektur eines Namen schon jenseits der Kapazitätsgrenze deren Fachabteilung liegt, will ich gar nicht wissen was im Falle eines wirklichen Bankgeschäfts mit der wirecardbank passieren wird. Schwarze Löcher, Implodieren eines Stadtteils oder gar Vulkanausbrüche?

Binnen eines Tages bedauerte man auch auf Seiten der wirecardbank die Kündigung und ich könne meine 10 Euro Aktivierungsüberweisung wieder zurückbuchen, danach wäre das Konto gelöscht. Es waren jedoch nur noch 9€, weil seinerzeit 1€ Gebühr bei der Aktivierung abgezogen wurde, aber das ist ok. Die Rücküberweisung würde mir jedoch von der Website verweigert, weil der Betrag zu gering sei. Ich solle doch erst wieder etwas überweisen, damit man mein Geld wieder herausrücken könne. Klar, oder? Wie hoch der Betrag denn sein müsse wurde jedoch verschwiegen, vermutlich aus Datenschutzgründen. Weil es ist ja eine Bank.

Sie ahnen es, ich schrieb wieder über das Kontaktformular und bat um manuelle Überweisung durch die eigentlich völlig überlastete Fachabteilung, weil ich mein Geld selbst nicht zurück bekam. Am gleichen Tag wurde mir ein Auszug der FAQ geschickt der eindeutig darlegte, das ich blöd-dummer Arsch sehr wohl überweisen könne. Ich konterte mit vorsorglich angefertigten Screenshots der Website der wirecardbank, in der mir die Überweisung entgegen der FAQ verweigert wurde. Ha! eat this bitch!

Nun wurde der Beamtenmodus in der hemmungslos überlasteten Fachabteilung aktiviert, indem man sehr gerne die Überweisung veranlassen könne, wenn man 2,5€ Gebühr dafür einstreichen dürfe. Resigniert bat ich die 2,5€ in meinem Namen zu verschwenden, denn ob ich die 2,5€ nun in eine dünnverschissene Babywindel stecke oder der wirecardbank schenke, schien mir ob des tatsächlichen Nutzens des Geldes zu dem Zeitpunkt nicht eindeutig. Und ich hatte keine dünnverschissene Windel zu Hand.

Mittlerweile ist mein Geld wieder da und ich bin raus aus der Nummer. Hoffe ich mal.

 

Und falls ein Social-Media-Monitor der wirecardbank das hier liest: Sie haben echte Probleme in Ihrem Unternehmen, sie sollten weniger im Internet surfen und sich lieber um die Abläufe und die Ausbildung des Personals kümmern. Oder sind Sie gar die Fachabteilung? 😀 Sorry, das musste jetzt sein. Echt jetzt. Ich will nicht angeben, doch von Kundendienst und deren Leitung und/oder Aufbau verstehe ich was, ich mache das professionell, also für echtes Geld und zum Lebensunterhalt und so, schon seit 25 Jahren. Wenn Sie meine Hilfe möchten, sorry – Überlastung. Sie verstehen das sicher.

11 Gedanken zu „herrlich versagt

  1. OMG. Vorgänge aus der Hölle. Das kenne ich von vielen Dienstleistern in allen Bereichen, aber gerade im Bankbereich sollte das nicht vorkommen dürfen. Überall nur noch Leute, die ihren Job nicht ausüben können oder wollen.

  2. @WdW
    In Zeiten, in denen man mit Gewalt versucht Verantwortung und Selbstständigkeit in einen planbaren und ISO zertifizierbaren Prozess abzubilden, am besten noch teilautomatisiert, ist es kein Wunder, dass die Mitarbeiter sich „anpassen“.

  3. @Silencer
    Merci. 😆 // Ein quasi Aluminium-Hut für die ganzen Kartenfunkerei. Ich weiß gerade nicht, ob ich deswegen lachen oder doch besser weinen soll.

  4. Man kann ja echt fast froh sein, wenn man solch geballter Inkompetenz an Stellen Gewahr wird, wo es um keine größeren Beträge geht… :knirsch:

  5. @Katja
    eben, das war meine größte Sorge, was passiert mit denen, wenn ich mal Beträge über das Konto bewegen würde. Sind ja keine Weihnachts Kekse aus 2012.

  6. OT: Die Börse funktioniert (ich kenne Leute, die sowas testen). Seitdem wickle ich mir auch wieder Alufolie um den Kopf, aber das nur am Rande…

  7. Vielen Dank Rüdiger für diesen wunderbaren Beitrag!
    Btw: mal ehrlich… du hast jetzt nicht wirklich etwas fundamental andere bei einer Bank erwartet oder ?

  8. @ismotis
    Doch, ich wähnte mich eigentlich bei einer professionellen (Online)Bank. Viellicht sind sie es ja auch. 😉

  9. …danke für diese Geschichte aus dem realen Leben! Ich habe herzlich gelacht! 😀 wenn es nicht so traurig wäre :knirsch:

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