Fremd

Den Führerschein machte ich mit 18, kurz danach ein Auto und seit diesem Tag hatten meine Wagen alle ein Kennzeichen, das mit “MZ” (Mainz) beginnt. Das musste so sein, das gehörte so. Immer schon. Seit heute ist diese <30 jährige Tradition durchbrochen, denn der Corsa hat nun ein “WI” (Wiesbaden) vorne dran. Der Wagen fühlt sich seit dem auch überhaupt nicht wie meiner an. Wenn ich mein Auto mal in einem fremden Parkhaus abstelle und später wieder finden soll, werde ich das nicht, ganz sicher. Ich weiß es. Bestimmt.

da macht es pling

Scheinbar schlafe ich endgültig nicht mehr so tief und fest wie früher noch, denn sonst hätte mich ein sattes *pling* mitten in der Nacht vor kurzem nicht aus dem Schlaf schrecken lassen. “Scheiss Party-People” dachte ich noch und dreht mich wieder um, oder so. Erst am nächsten Morgen sah ich was mich tatsächlich geweckt hatte:

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Und ja, das ist eine Staubschicht unter den verbliebenen Saiten. Schauen Sie bitte nicht hin und gehen weiter. Danke.

vorzeitiges Stechen

Nach reichlich Kilometern gestern auf den Autobahnen in der hiesigen Umgebung, betrat ich gegen 17.30 Uhr ein Cafe in Frankenthal, um mir zum Abschluss der Tour einen großen Kaffee auf die Heimfahrt mitzunehmen. Die Bestellung wurde abgeschmettert, weil man gleich Feierabend machen würde. Oh, sagte ich das wusste ich nicht und wollte schon unverdrossen den Laden verlassen, als ich das Öffnungsschild sah und dort stand als offizieller Ladenschluss 18.00 Uhr. Na dachte ich mir, dann bekomme ich doch noch meinen Kaffee.

So trat ich zurück an die Theke und bestellt noch einmal mit der Bemerkung, das bis 18.00 Uhr noch genug Zeit sei. Die Dame hinter dem Tresen wurde recht biestig, sie hätte mir doch eben schon gesagt es sei gleich Schluss. Die Konfrontation mit dem verzeichneten Ladenschluss auf dem Schild parierte sie mit der Bemerkung, dass sie keinen Kaffee mehr machen könne, die Maschine sei ja schon zerlegt und wird gerade gereinigt. Dabei grinst sie mich in unverfrorener Weise an. Wenn ich verloren habe, habe ich verloren und doch gärt es in mir. Den Laden werden ich nicht mehr betreten, wenn ich nochmal nach Frankenthal kommen sollte.

So Menschen stehen auch schon 5 Minuten vor Dienstschluss mit nutzungsbereiter Stechkarte an der Stechuhr, nur keine Sekunde verschwenden. Gelebtes Beamtentum ist nicht mehr Ding, einmal mehr ist das bestätigt.

neues Wort des Tages

schinkig

Zu gebrauchen wenn eine noch verpackte Einheit Kochschinken wegen des etwas in der Vergangenheit liegenden Ablaufdatums einen gewissen Anlass zum Zweifeln gibt und der Partner bittet, doch mal eben an der dann geöffneten Packung zu schnuppern, um den Duft des Produktes zu ermitteln. Auf die Frage “Und, wie riecht er?” wäre die Korrekte Antwort “schinkig”, im Falle das Produkt noch genießbar ist, “unschinkig” wenn nicht.

was man halt so macht

Innerhalb weniger Wochen sind während dieses Sommers am Opel alle Luftdüsen ausgefallen. Wobei, was heisst ausgefallen? Der Luftstrom konnte nicht mehr ausgerichtet, kontrolliert oder einzeln abschaltet werden. Die Lüftung funktioniert dabei schon, vielmehr sind die Regulierklappen am Armaturenbrett nicht mehr funktional. Der Dreh-Knopf unten greif nicht mehr, die Fächer im Hintergrund sind auf einer willkürlichen Position festgeklemmt.

Duese

Während des Sommers störte mich das weniger, da ich wegen der weiterhin nicht reparierten Klimaanlage sowieso öfter das Fenster geöffnet hatte. Doch jetzt im Winter, wo die warme Luft schon besser ausgerichtet sein muss, stört es schon. Natürlich könnte man auch mit einem Stöckchen die Klappen ausrichten, aber da sträubt sich dann doch meine Fähigkeit zum Gleichmut. Was also tun?

Die bequeme Variante: austauschen lassen.
Keine Option, das muss auch anders gehen. Ganz so unbegabt mit den Händen bin ich dann doch nicht.

Die mittel-bequeme Variante: ausbauen und selbst austauschen.
Nach 10 Minuten und portionierter gutmütiger Gewalt ist der äußere Ring entfernt und darunter kommt ein verklemmter Einsatz zum Vorschein, der die Klappen und die Regulierung in einem quadratischen Kasten fixiert. Den Kasten aus seiner Halterung zu lösen ist kniffliger als erwartet, weil man an den blödsinnigsten Stellen kleine federnde Wiederhaken eingebaut hat, damit diese Baugruppe auch ordentlich im Armaturenbrett hält. Scheinbar beschäftigen sich die Opel-Ingenieure wirklich nur mit dem Zusammenbau und vergessen die Option der möglichen Zerlegung völlig. – Die Baugruppe ist haptisch betrachtet billigstes China-Plastik, weich und biegsam und ich verstehe nicht, wie dieser Schund überhaupt die ersten 3 Jahre schon durchhalten konnte. Der Kracher kommt, als ich in einem Ersatzteilkatalog feststelle, dass jeder dieser Einsätze in neu doch tatsächlich 24,95€ kosten soll. Und ich brauche 4 davon. NEVER!

Die unbequeme Variante: selbst reparieren.
Die Fummelei um die Baugruppe zu erlegen ist eine Herausforderung, gerade für Menschen mit nicht winzig kleinen Händen. Zwangsläufig wird aus gutmütigen Krafteinsatz dann eher rohe Gewalt, denn der billige Plastik ist erstaunlich widerspenstig. Dann zerfällt das Ding urplötzlich in zig Einzelteile und man hat Mühe alles wieder beisammen zu halten, denn billiger Plastik scheint einen Fluchtreflex zu entwickeln, sobald dieser aus seinen Halterungen befreit wird. Nach 30 Minuten und 5 Anläufen war es wieder zusammengebaut und fertig zur Montage. Die anderen 3 gingen dann wieder schneller, weil Übung. Eine Hilfe war auch das Youtube-Video (click) eines englischen Opel Fahrers (dort heisst die Ingenieurkunst allerdings Vauxhall – nicht das etwas ändern würde, ich mein ja auch nur).

Ergebnis: 2 kleine Schnittwunden am Zeigefinger und Daumen (Schnittwunden haben bei mir schon fast Tradition), ca. 100 Euro gespart, einige Kratzer am Armaturenbrett (weil die Außenringe verflixt schwer zu lösen sind, wenn so gar keine Ahnung davon hat, wie genau die festgemacht wurden und man das o.g. Video zu spät findet) und einen guten Teil des nachmittäglichen Sonntags damit verbracht, dem verbrecherischen Opel-Ingenieur schlimmste vorstellbare Krankheiten an den Hals zu wünschen.

Wer jetzt im meinem Opel auch nur versucht die Lüftungsdüsen anzufassen, bekommt von mir sofort auf die Finger. Klar?