Das Erste seit Jahren
Früher in den Kasernen waren Bücher mit das Einzige was mich am durchdrehen gehindert haben. Sich mit thumben Tagesabläufen bis zum Dienstschluss zu schleppen, um dann endlich die 3.Kiste Bier dieser Woche in Angriff zu nehmen war mir trotz der Jugend dann doch zu wenig. Mir halfen also Bücher den Geist und Kopf über Wasser zu halten. Ich las alles was mir in die Finger kam und leisten konnte.
Mit den vielfältigen Anforderungen der Zeit nachdem ich dem verdummenden Kasernenleben schlussendlich den Rücken kehrte, ging mir diese Lust am Lesen und die Freude an Büchern leider abhanden. Meine Sammlung enthielt dennoch hunderte Bücher, die später einer hässlichen Trennung zum Opfer fielen. Ihr den nötigen Respekt vor meinem Eigentum zu vermitteln, zu erklären was diese Bücher für mich bedeuteten war mir damals nicht mehr möglich. Wut aufgrund eigenem Unvermögen (aka. beim Fremdgehen ertappt und erfolglos versucht den schwarzen Peter zu leugnen) sind schlechte Motivatoren / vorbei – egal.
Heute habe ich nur noch sehr wenige Bücher, auch weil ich keinen richtigen Platz mehr dafür habe und weil ich als Autopendler doch die praktischeren Hörbücher zur Unterhaltung genieße. Die nötige Joblektüre gibt es als PDF oder im Web. Die immer wieder aufkeimende Lust auf echtes Papier in die Hand zu nehmen, scheitert leider eins ums andere Mal an meiner permanenten inneren Unruhe, sowie auch an den Möglichkeiten sich dafür zurückzuziehen, für eine gewisse Zeit des Lesens nur für sich zu sein. Das braucht es um den Inhalt dessen wirklich aufzunehmen, was von einem anderen Menschen ersonnen, dann auf Papier gedruckt wurde nur um mir zu gefallen. Bücher sind toll, jedes Buch ist toll, wenn man sich drauf einlässt.
Das letzte nicht IT-Buch was ich mir gekauft habe war Klang der Zeit. Im festen Willen dieses Werk während eines Urlaubs auf Krk zu lesen gekauft und aufgrund der unbarmherzigen Hitze, die jede Tätigkeit im Keim erstickt wenn man sie nicht gewöhnt, ist es letztlich doch nur 2.500 km quer durch Europa gefahren worden. Ungelesen. Seither klagt es mich jeden Tag an, warum ich es nicht anfasse. Ich mag nicht.
Heute Morgen also, nachdem das Laptop auf die Beinen stand, höre ich beim Feeds lesen zu, wie bei Wiederholung einer freitaglichen Talkshow der Roger Willemsen aus seinem neuen Buch erzählt – der Knacks. Ich mag diesen Mann. Auch wenn er immer sehr arrogant rüber kommt, ist er für mich doch ein feiner und eloquenter Mensch, dem ich sehr gerne zuhöre. Ein Mann, der mich nur durch seine ‘Anwesenheit’ und Art sich zum präsentieren immer wieder beeindruckt.
Er beschreibt mit sehr feinen Worten, was genau zu dem Buch geführt hat, was er damit ausdrücken möchte. Fragen dazu beantwortet er so klar und überzeugend, dass seine Begeisterung für sein Werk sicht- und hörbar werden. Hier ist keine Marketingabteilung im Hintergrund. Er hat das Buch geschrieben weil er es kann/will und ganz sicher nicht, weil der Verlag auf einen Vertrag pocht. Ich glaube ihm. Mein übervoller Feedreader degradiert zur Nebensache, ich höre und sehe ihm zu – fasziniert.
Ja, dies wird das Buch sein, welches ich mich wieder zurück zum bedruckten Papier bringen soll. Es muss / ich will es – Endlich.
[online seit: 15-Nov-08 (12:50 Uhr) | bisher 6 Kommentare | Trackback]







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