Navi oder kein Navi

28 June 2008

(sinngemäße Wiedergabe eines kürzlich geführten Telefonats)

Er ist ein weitläufig Bekannter mit hin und wieder massiven Mitteilungsbedürfnis, besonders wenn er sein veralteter Rechner mal wieder nicht so will wie er und erwartet von mir hofft geholfen zu bekommen. Dank Remote-Tools wie Real-VNC kann ich sein Windows 2000 auch unter Linux von zu Hause aus bearbeiten. Es gab Bedarf eines Kurzbesuchs meinerseits, weil zusätzlicher RAM eingebaut werden sollte. Nur gibt es den nicht mehr im Handel und ich habe noch einen passenden 128MB Riegel auf dem Speicher. Also weg mit dem Ding.

Sein technisches Verständnis ist mit der Bedienung einer Mikrowelle eigentlich schon ausgeschöpft, er ist dabei ein sehr netter Kerl und kann richtig gut backen.

Er: Komm doch bitte vorbei wegen dem Arbeitsspeicher. Dann könntest Du den auch gleich einbauen. Ich kann das doch nicht. Und ich zeige Dir meine neue Wohnung. Frischer Kuchen ist auch da.

(er weiß womit er mich locken kann)

Ich: Dem kann ich ja wohl kaum widerstehen. Gib mir doch bitte Deine neue Adresse.

(er übermittelt die Daten)

Er: Kennst Du das?

Ich: Nö, aber das bekomme ich schon hin. Bin ja nicht blind.

Er: Was höre ich, hast Du Dir auch so ein Discounter-Navi angeschafft?

Ich: Nie im leben hänge ich mir so ein Ding an die Scheibe. Ist zwar bequem, doch kostet das deutlich mehr als …

Er: Wie willst Du denn das sonst finden?

Ich: Wie ich immer. Ich schaue in meinen Stadtplan.

Er: Stadtplan?

Ich: Stadtplan!

Er: Du meinst aus Papier oder hast Du das den mobTux mit UMTS ausgerüstet?

Ich: Ganz altmodisch aus Papier. Das geht immer noch prima.

Er: Kannst Du das denn?

Ich: Was gibt es da zu können? Ich kann lesen und habe Orientierungssinn. Damit habe ich noch alles gefunden was ich suchte.

Er: Echt jetzt?

Ich: Ja sicher.

Er: Ich könnte das nicht mehr, ohne mein Navi im Auto.

Ich: Warum?

Er: Ich kann keine Karten lesen und steh irgendwie auf die Navi-Stimme.

Ich: ‘…keine Karten lesen’… sieht mir eher nach DevotFetisch aus.

Er: (lacht) Quatsch.

Ich: Wie hast Du das vorher gemacht?

Er: Bus gefahren.

Ich: *öhm* Also ich bin gegen 19.00 Uhr da.

Er: Na, ich denke mal es wird später.

Ich: Nein, wird es nicht.

Er: Leih Dir lieber ein Navi.

Ich: Kommt nicht in Frage.

*klick*

Er hat mich trotz seiner Defizite technologisch überholt, auch weil ich mal wieder den Dickkopf entscheiden lasse. Ich will so ein Ding einfach nicht haben, das mag auch daran liegen das ich mir außer von der Göttergattin nicht gerne sagen lassen, wo es lang geht. ;)

[Bild © unbekannt]

Ich amüsiere mich bis dato immer über alle, die im Kleinwagen sitzend die Scheiben voller technologischem Extra-Zubehör vom Discounter zugepflastert haben. Auf der Pendlerautobahn ist es ganz schlimm. Warum Pendler wie auch ich jeden Tag die gleiche Strecke fahren und dennoch immer das Navi an der Windschutzscheibe pappt und auch noch läuft, mag ich nicht verstehen. Auf der anderen Seite hat man dafür bezahlt also soll es auch laufen. Oder man kontrolliert so, dass die Straße sich nicht verschoben hat, das Navi also noch aktuell ist. Technik schön und gut, aber nicht für alles und überall. Da bin und bleibe ich bockig.

10 Kommentare | Rubrik(en): geschehen, gesehen


Hätte ich

26 June 2008

gestern nicht die herzlichste K. aller Zeiten nach Hause gefahren, wäre ich nie in die zweifelhafte Verlegenheit gekommen einen dieser legendären Auto-Korsos mitzumachen. _Endlich_ mal dürfte ich dieses für mich als außenstehenden Fussballmuffel gänzlich hirnlose anmutende Verhalten einmal live, in Farbe und direkt aus der Nähe ansehen. Ich zumindest war aufgeregt, froh, über alle Maßen glücklich und wir beide konnten vermutlich auf der Stelle unsere Mageninhalte zum besten geben, wäre da nicht die Kinderstube im Wege.

Wir wurden indes nicht gefragt sondern einfach eingeladen eingekeilt. Eingeschlossen, nicht rückwärts und nur sehr spärlich vorwärts. *argh* Wir standen mitten auf der Mainzer Rheinallee die vor Autos, Fahnen und Glückseligkeit nur so strotzte. Die möglichen alternativen Schleichwege abseits der Freude waren alle blockiert. Wir mussten also da durch, leider. No Chance sich anderweitig durchzumogeln. Die Staatsmacht wollte den Strom der Freude kanalisieren. An sich sehr vernünftig, doch warum kanalisierte man nicht anders? Es war mal wieder wie immer, ich war zur falschen Zeit am falschen Ort. Wirklich K., Du konntest rein nichts dafür, ich bin das Problem. Wie immer.

Während sich K. angesichts der Bewegungslosigkeit zusehends in Schuldgefühlen suhlte, wurden sehr gerne Fahnen in einer weihenden Bewegung über das kleine Schwarze gezogen. (ich leih mir das Wort) Bizarrerweise hörten wir dabei Schubert, bzw. Yo-Yo-Ma – eine echt skurrile Mischung alles zu sehen und dies dabei zu hören. Fassungslos fasziniert schauten wir um uns und sahen einen bedauernswerten Flaschenträger fröhlich Feiernden nach dem anderen. Schaute man rechts zum Nachbar, sah man auch nur glasigen Augen umgeben. “Don’t drink and drive” galt nicht mehr, jetzt war Freude – feiern -Stimmung angesagt. Ballermann machte geschlossen einen Ausflug. Und wir mitten drin. Hossa, welch ein Spaß.

Wir stellten jeder für sich still die Frage, was wohl daran toll sein könnte sich derart losgelöst zu geben? Mit kam der Begriff “fremdschämen” ins Gedächtnis und setzte sich dort ungebeten fest. Mal abgesehen davon, dass es jeden gesunden Menschenverstand in Zweifel ziehen muss(!), stellt man sich derart enthemmt auf eine Strasse und johlt fortwährend, dass _man_ zum Finale fährt.  Ja, mein Gott wir wissen es jetzt. Und wir wissen auch das wir in Deutschland sind. Setz Dir Deine Kanne wieder an den Hals, dann bist wenigstens Du still.

Wir waren müde und wollten nur heim, mehr nicht. Wir mussten warten und durften nicht fahren. Yo-Yo Ma spielte virtuos sein Cello. Wir konnten beide lachen – irgendwie  – und doch wieder nicht. Zu müde, also ergaben wir uns in unser Schicksal. *klick* Zur Sicherheit wurde die Tür verriegelte, falls einer glaubte es feire sich auf ihrem oder meinem Schoss noch ein Stückchen besser als auf der Strasse.

Ich indes hatte Sorge, dass diese bierselige Fahnenweihen mich meine Antenne oder einen Spiegel kosten könnten, oder sich einer in seine Fahne eingewickelt mit Jauchzen vors kleine Schwarze wirft, weil von da unten ist es nochmal so gut zu feiern. Nichts passierte *puh* bis Breit-Golf hinter uns im Glücksrausch Suff nicht mehr wusste, welches Pedal zu seinen Füssen zu was eigentlich genau diente. Er bumste das kleine Schwarze sachte an und begrinste mich dann bierig dümmlich in meinen Rückspiegel.

Ich war nicht sauer, stieg dennoch aus weil bumsen => grinsen => sonst nichts? Dir helf ich. Hand heben und sorry => das wäre OK gewesen.  Also bat ich ihn höflich, (sinngemäß) sich entweder mit seiner Karre an den Seitenrand zu stellen, oder wenn er nicht mehr fahren kann die Kiste von jemanden anderen fahren zu lassen. Seine Augen kugelten, ich war wohl nicht deutlich genug. Wenn er blöder Dummlappen noch einmal nicht aufpasst, lernt sein Schlüssel fliegen. Dabei schaute ich kurz auf den durchaus in meiner Wurfweite liegenden Rhein. Das Augenkugeln fror ein und er konnte mich somit fixieren. Ich sehe, er hat in etwa auf Anhieb verstanden was ich meine. Ich sah wie sich der Biernebel kurz lichtete und er ein “Sorry” schwabbelte. Ich war doch sauer – auf den Golf, aber nur kurz.

K. ertrank weiter im schlechten Gewissen. Ich sah es, wollte lachen, lies es aber, da musste sie nun durch. Mir machte es nichts aus, wirklich. Es nervte, aber es geht vorbei. Derweil gaben wir dem Vordermann gut hörbar zu verstehen, dass sein enervierend grelles Warnblinklicht nun nicht mehr von Nöten ist und er solle bitte die Fackel ausmachen. Meine Augen sagen stumm hinterher: Sonst mach ich das. Er machte es selbst. Sehr nett. Danke.

Nach 30 Minuten spülte uns der Corso dann doch weiter und wir konnten jeder für sich in die heimischen Betten streben. Wären zufällig Bekannte aus anderen Ländern bei mir gewesen, hätte ich mir auf der Strasse ein Loch gebuddelt und mich vor Scham selbst versenkt wollen. Ischschwöhr!

[Bild © unbekannt]

Fazit des Abends:

  • S. ist angesäuselt wirklich knuffig. :)
  • D. raucht heimlich, damit sie sich nicht erwischt
  • J. I. D. können nicht singen
  • K. ist die herzlichste K. ever
  • T. möchte man nicht missen
  • S. you’re my pal
  • /me mag definitiv keine Auto-Korsos, weder live, noch in Farbe noch direkt oder gar aus der Nähe.
  • die Gattin kann auch ohne mich einschlafen :oops:

6 Kommentare | Rubrik(en): geärgert, geflucht, geschehen


Nachbarsdünkel

23 June 2008

Wir wohnen in einer schönen Gegend am Rande Wiesbadens zur Miete. Die Wohnung hatte sich uns von ~17 Jahren aufgetan, weil wir (als Firma) damals für die Eigentümerin im Hause arbeiteten. Mit mittlerweile etlichen speziellen Umbauten (komische Ecken, schiefen Wände usw.) versehen ist die kleine Wohnung zwar immer noch nicht sehr geräumig, aber schnucklig und urgemütlich.

Als wir damals einzogen war der ganze Hügel überwiegend in 1-2 Familienhäusern von alten Menschen bewohnt. Alte Menschen mit vielen Katzen und und noch mehr Hunden. Man bekam schnell Kontakt, sei es nun über die vorwitzige beste mini-Tochter von allen, über unsere damaligen Hund oder auch so. Es war schlichtweg toll hier.

In den letzten Jahren jedoch wandelte sich der Hügel drastisch. Die alten netten Leute sterben langsam weg und die Erben versilbern das Erbe an Bauträger oder Spekulanten. Es ist wirklich traurig mit anzusehen, wie diese wunderschöne alte Häuser abgerissen und gegen übergroße kantige Eigentumwohnungsansammlungen ersetzt werden. Keines dieser Würfelbunker passt für mich ins Straßenbild des gesamten Viertels/Hügels, keines dieser schrecklichen Bauten strahlt auch nur ansatzweise die Gemütlichkeit aus, die den alten Häuser anhaftete. Die Neuen sind nur teuer, groß, protzig, teuer, hässlich und teuer. Wer immer die Baugenehmigungen dafür erteilt, macht einen richtig schlechten miesen Job.

Nebenbei erwähnt darf sich das Landeshauptdorf was die Grundstückspreise angeht, ohne weiteres bei den Spitzenreitern wähnen. Eine aktuelle Liste habe ich leider nicht gefunden, 7.000 -10.000 Euro/m² sollen durchaus normal sein, auch und ganz besonders für Eigentumswohnungen. In Wiesbaden zu wohnen ist auch zu Miete recht teuer, wie auch der Mietspiegel von 08-2007 zeigt:

[quelle: spiegel.de]

Ich schweife mal wieder ab….. also in der Nachbarschaft tut sich permanent etwas neues. Man gewöhnt sich dran, dennoch vermisse ich die Ruhe, die Beschaulichkeit und die Freundlichkeit die die alten Leute verbreitet haben. Alleine schon die Geschichten die man (zeitweise auch mehrfach) erzählt bekommen hat…….

Mit den teuren Klötzen zieht gleichzeitig jede Menge Geld in die Nachbarschaft. Damit habe ich kein Problem. Es stehen Unmengen nagelneuer Geldkarossen trotz Garage auf der Strasse herum und versperren die Parkplätze. Wirklich _witzig_ wird es, wenn unsereins vom Einkaufen kommt und wegen dieser Luxusbüchsen seinen Wocheneinkauf über unnötig weite Strecken schleppen muss, während weiter weg Luxusjonny lässig mit Kippe herumsteht und ob meines unüberhörbaren Fluchens (wofür zum Teufel haben die eigentlich Tiefgaragen?) seine Jacketkronen lüftet. Auch damit habe ich kein Problem. Na ja, mit den Parkplatzbesetzungen eigentlich schon, zum Ausgleich kann das kleine Schwarze auch schon mal ungünstig im Wege stehen. Dann bin ich Arschloch.

Doch zum Punkt, man grüßte sich hier noch bis vor 5 Jahren. Man nickte sich beim sehen zu, brachte sich gegenseitig vom Bäcker etwas mit oder gab sich sonst irgendwie freundlich zu verstehen, dass man sein Gegenüber nachbarschaftlich wahrnahm. Wie gesagt, richtig toll.

Und? Man sieht sich oder geht aneinander vorbei, ich grüße einmal erfolglos, man sieht sich später noch einmal und ich grüße zum zweiten Mal wieder erfolglos, beim dritten erfolglosen Grußversuch denk ich mir f*** y** Du Hohlroller. Ich muss nicht, ich kann und doch…. es wird jetzt nicht mehr nachbarschaftlich gegrüßt, der scheinbar nicht auf ‘Augenhöhe’ wohnt. Es piekst mich so ignoriert zu werden, ich glaube auch zu erkennen, wenn mich jemand absichtlich übersieht oder nicht. Schüchternheit sieht für mich dann doch anders aus.

Ich bin da anders gestrickt. Höflichkeit ist eine Zier die jedem Menschen gut zu Gesicht steht. Ich erwidere einen mir dargebrachten Tagesgruß, egal von wem und wann. Wenn nicht gerade das iPödchen im Ohr ist, Bohrmaschinen rattern oder LKWs an einem vorbei rumpeln sollte jeder ein Hallo, Guten Tag oder Hi immer hören können. Zumindest kann man sich über Straßengrenzen hinweg von Balkon zu Balkon sehr gut unterhalten, doch das ist etwas anderes. Denn Gegenüber ist gerade eingezogen und demonstriert durch sündhaft teures Blech vor der Tür was Sache ist. Ich bin nicht neidisch (glaube ich zumindest) und gönne jedem seinen Erfolg und Reichtum, wie immer dieser auf legalem Wege erreicht wurde. Ich mag es nur nicht, scheinbar aufs Eigentum reduziert als umgangsfähig zu gelten oder nicht.

Im Übrigen grüße ich weiterhin wenn auch mit weniger Enthusiasmus, ich kann nicht anders als meine Mutter mich dazu erzogen hat. ;)

2 Kommentare | Rubrik(en): geärgert, gefragt, geschehen


noch’n stock

23 June 2008

Auch die alltagswahnsinnige ri wirft ein Holz nach mir, wenngleich es es sich scheinbar um das Gleiche wie hier handelt. Egal, auch die doppelte Menge an schönen, glücklich machenden Dingen bekomme ich gut gebacken:
(bloße Auflistung ohne Gewichtung)

  1. die Seele baumeln lassen
  2. ins prasselnde Feuer schauen
  3. Sonne auf der Haut
  4. kalte Cola Light und
  5. Milka Noisette
  6. ein Plan/Vorhaben der funktioniert
  7. ehrliches Lob
  8. die Wärme meiner Lieben
  9. tosendes Wetter an der äußersten Landspitze in Döse (nähe Cuxhaven)
  10. das Lachen meiner Lieben
  11. Meerwasser
  12. Ruhe wenn ich sie brauche
  13. erreichte Ziele
  14. graue Leberwurst mit Senf auf einem herzhaften Bauernbrot
  15. Hilfe geben und nehmen
  16. ehrliche Höflichkeit
  17. herumblödeln
  18. eiskaltes Tuborg
  19. beim “sich versöhnen” helfen
  20. Gewissheit haben es dennoch richtig zu machen

Ich werfe das Stöckchen nicht weiter, es mag sich mitnehmen wer es mag.

@ri
Merci fürs an mich denken

2 Kommentare | Rubrik(en): gelesen | Tags:


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