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Anna Ternheim in der Batschkapp

29 April 2009

Auf sie war ich sehr gespant. Beim letzten Besuch der Batschkapp sah ich die Vorankündigung und habe mir spontan vorgenommen die Frau live anzuhören.

Mittlerweile kenne ich den Weg zur Batschkapp auch mit dem Schlittchen gut genug und doch habe ich mich gestern doch wieder verschätzt. 30 Minuten vor Einlass schon da zu sein ist definitiv zu früh für diesen speziellen Veranstaltungsort. Dementsprechend konnte ich einen guten Platz, relativ weit vorne und rechts außen, ‘unter ‘ den Boxen ergatten. Zudem auch ein nettes Plätzchen ohne Gefahr, von den sonst vorbeilaufenden Bierbecherträgern angerempelt zu werden, die dann vielleicht aus spontaner Sympathie heraus ihr Gesöff auf oder unter mir verteilen könnten. Bisher ist es nicht passiert, aber es kostet Mühe auf meine Umgebung entsprechend aufzupassen. Leider war die Bühne sehr schlecht ausgeleuchtet um überhaupt einigermaßen Photos machen zu können. Dafür hat laut.de besser Bilder aus anderen Konzerten online.

Der Open-Act war “The Tiny”, ein echt skurriles Duo. Ein Vortrag so teilnahmslos wie auch kurzweilig. Eine Frau mit sehr prägnanter Stimme am Keyboard, ein schlacksiger Kerl am Kontrabass, Streichsäge (kein Scheiß) und Xylophon. 4 schnell vorgetragene und komische, weil hoch-depressive Lieder, keine Vorstellung oder sonstige Worte. Eine kurze Hand heben zur Begrüßung und der spätere Spruch: “If you would give us your money later, we will give you CDs”. Ich fand den Auftritt verwirrend, sehr sogar.

the tiny

Anna kam dann nach einer kurzen Umbaupause gegen 22.00 Uhr mit Ihrer Band, die (oh Schreck) auch die Beiden vom Open-Act als Mitglieder hatte. Das nennt man wohl Zweitverwertung. Egal, es gab überwiegend tolle Musik und auch etwas Stimmung im Saal. Ihre Richtung sind die eher ruhigen, traurigen und ‘vorsichtigen’ Stücke,  obwohl sie auch flott spielen kann. Insofern habe ich nicht erwartet, dass es hoch hergehen wird. Live Musik ist einfach klasse, wenn Sie gekonnt vorgetragen wird und das kann sie allemal.

Anna Ternheim Konzertanfnag in der Batschkapp

Anna selbst kommt sehr zurückhaltend, schon fast schüchtern rüber. Sie hob ebenfalls nur kurz die Hand zur Begrüßung, kaum Stage-Talk, nur hin und wieder sehr kurze Hinweise zu den Liedern. Der ganze Auftritt wirkte sehr kühl und distanziert, sie und die Band vollständig auf die Musik konzentriert. Sie lebt ihre Lieder mitunter sichtbar auf die Bühne aus, oder sie kann gut schauspielern. Nach einer Stunde sollte schon Schluss sein, dann erst taute sie etwas auf, lachte herzlich ins Publikum hinein und wurde auch in Ihrer Körpersprache lockerer. Wir klatschten sie noch 3 Mal heraus und ja, sie wurde wirklich jedes Mal lockerer. Sehr schön war in der 2. Zugabe, dass sie sich mit der Keyboardspielerin an den vorderen Rand der Bühne stellte, weitab jedes Mikrophones oder Verstärkers und nur mit Gitarre ein Lied ‘aus-der-Hand’ vortrug. Unplugged – ein sehr feines und gefühlvoll vorgetragenes Stück. Das alleine war es schon wert dort gewesen zu sein, auf diese Art Musik zu präsentieren stehe ich total.

Die Bühnenaufteilung fand ich etwas merkwürdig, links waren die Harmonien in Person der Background-Sängerin, des (nun) Cello-Streichsägen-Xylophon-Spielers, im Center vorne Anna, Center hinten das Keyboard und Xylophon, rechts dann Drums und der eBass-Kontrabass. Die Beiden rechts haben es sich teilweise richtig gut gegeben, so dass der Rest der Bühne etwas unterging. Das tat der Musik jedoch nur marginal einen Abbruch.

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[sorry für die miese Qualität]

Mein Fazit des Konzerts ist durchweg positiv. Sie hat das gemacht, was ich erwartet habe: tolle und anspruchsvolle Musik. Die kleinen Ausflüge ins Progressive hätten nicht sein müssen, aber gut. Nach meiner Auffassung könnte sie etwas auf das Publikum zugehen, dann würde auch leichter ein kleiner Funke überspringen und sie selbst könnte sich beim Auftritt entspannen, oder so wie es war ist ihre Art. Sie ist dennoch der Typ Mensch, den man vom ansehen, aufgrund des Lächelns und der allgemeinen Präsenz gerne kennen lernen möchte. Bereut habe ich es demnach nicht, aber ein zweites Konzert ist kein Muss für mich.

Ihre neue Platte habe ich noch nicht, da muss ich erst hinein hören. Die beiden Anderen (1/2) sind im Stil des Konzerts und bestimmt keine Alltagskost, dennoch hörenswert. Mehr zu Anna Ternheim auf laut.de .

5 Kommentare | Rubrik(en): gehört, gespannt | Tags: , ,


Offline Ordner

27 April 2009

Die waren schon unter W2K und XP sehr praktisch, weil man Dateien und Ordner auf die man sonst nur im Netzwerk einen Zugriff hatte, mittels eines Klicks so schalten konnte, dass der eigene Rechner eben diese Ordner und Dateien lokal kopierte. Startet man seinen Rechner ohne Verbindung zum lokalen Netzwerk, werden die zuvor markierten Dateien und Ordner in der gewohnten Struktur dennoch angezeigt und sind somit weiterhin nutzbar. Nimmt man nun Änderungen an den Dateien vor, werden diese beim nächsten Connected ins Netzwerk automatisch per Sync abgeglichen. Das also sind Offlinedateien.

Es wäre nicht Microsoft, wenn das eigentlich gut funktionierende und erprobte System unter VISTA nun nicht mehr so gut funktionieren würde. Warum? Schon einmal versucht unter VISTA nur einen Unterordner seiner Offlineordner nicht mehr “Offline verfügbar” zu schalten? Na? Aufpassen: es geht nicht. Das tolle neue VISTA-Syncenter mit seinen tollen neuen nutzlosen transparenten Fensterrahmen ist Fake. Verwalten kann man da nichts, man darf nur anschauen was vorher schon passierte, eine Art Logbuch. Eine “Neue Syncpartnerschaft” kann man angeblich einrichten, doch klickt man in freudiger Erwartung, sieht man ein leeres grünes Interface, sonst ist da nichts.

Man muss also doch wieder auf das lokale Netzlaufwerk und mittels rechter Maustaste die ungewollten Dateien und Ordner von der Offlinefunktion ausnehmen. Aaaaaaber, um nachträglich einen Unterordner nicht mehr Offline zu schalten, darf der darüber befindliche Hauptordner nicht ebenfalls als nicht mehr Offline markiert sein. Das heißt also, wenn man ein Netzverzeichnis mit zum Beispiel 200 Unterordnern hat (ja es sind wirklich so viele) und nur 10 davon nicht mehr Offline auf seinem Rechner haben möchte, muss man 190 mal “Offline verfügbar” anklicken und dies auch bestätigen. Unter XP konnte man einfach den Hauptordner “Offline verfügbar” anklicken und die 10 Unterordner wieder abklicken. Anders unter VISTA, hier wäre es auch zu einfach, daher erlaubt es VISTA auch nicht, das ist den Machern dieses Stück gequirlten Softwarescheiße wohl zu logisch. Merkt man, dass ich sauer bin? Rückwirkend geht das “Offline verfügbar” abschalten von Unterordnern also nicht. Man kann die nicht einzeln abklicken, immer muss der Hauptordner abgeklickt werden und dann muss nur die Unterordner “Offline verfügbar” machen. Ganz besonders lustig fand ich, als eben einer der Hauptordner eine Sekunde lang nicht mehr auf “Offline verfügbar” stand. Da sah ich, dass unmittelbar und ohne vorher ein “OK” abverlangt zu bekommen die ganzen lokalen Offline-Dateien gelöscht wurden. Üblicherweise kann VISTA schon mal 10 Sekunden lang einen läppischen Link von 512byte vom Desktop entfernen, hier kann es plötzlich Giga-Bytes an Daten binnen Bruchteilen einer Minute vernichten. Der Vorgang des Löschens ist natürlich auch nicht aufzuhalten. Natürlich kam auch keine dieser bescheuerten “Wollen Sie” und noch mehr nervtötenden “Wollen Sie wirklich” Rückfragen. Schwups und weg ist das ganze Zeugs. Bombastisch. Zum Brüllen komisch. Wenn die gelöschten Offlinedateien etliche GB groß waren und man eigentlich keine Zeit hat, die benötigten 190 Ordner anzuklicken ist es nicht mehr komisch. Man macht es dennoch, man hat ja keine andere Wahl. Ich war innerlich am vulkanisieren. Ich brauch diese scheiß Dateien aber jetzt und nicht erst in den in etwa angezeigten 14h und 25Minuten.

Ok – ja, ich habe geklickt und ja ich bin auch dran schuld wissentlich geklickt zu haben. Dafür hat dieses Wunderwerk aber wirklich tolle transparente Fensterrahmen. #puke

Die Moral: Never touch a running System und schon gar nicht wenn Du keine Zeit hast.

4 Kommentare | Rubrik(en): geflucht, gewundert


verschüttet

26 April 2009

vor kurzem
Die Gattin ruft im Büro an, was an sich schon eher selten passiert und wenn doch ‘brennt’ es meist. Es klingelt also, ich sehe die Nummer, wappne mich und setze mich doch entspannt hin. Sie, besser die Elektriker im Haus, bräuchten dringend Hilfe bei der Reparatur eines Warmwasserspeichers. *puh*

Rückblick
Lange Jahre arbeitete ich in einem Wiesbadener Handwerksbetrieb als Disponent und stellv. Kundendienstleiter. Wir besorgten die Gewerke Gas-Wasser-Heizung, sowie den Kundendienst für Stiebel Eltron Warmwasser- und Heizungsgeräte. In den 15 Jahren die ich dort war sammelte ich reichlich Wissen über die vielen unterschiedlichen Geräte, Einsatzmöglichkeiten,Technik, Ersatzteile, Kosten, Reparaturmöglichkeiten usw. Ich lernte mit Kunden umzugehen, zu verkaufen, zu beraten und und und.

Das Unternehmen gab es schon sehr lange, ein richtiger Traditionsbetrieb im wörtlichen Sinne. Der Chef und Eigentümer war ein Mensch, der mir auch heute noch sehr am Herzen liegt. Er hat mir damals seine Hand hingehalten die ich brauchte, um wieder aufstehen zu können. Ein Mann so schrullig und so liebenswert. Auch wenn er uns alle immer wieder und sicher auch gerne mit seinen Schrulligkeiten in den Wahnsinn trieb, er blieb stets ein feiner, aufrichtiger und toller Mensch. Er brachte mir viel vom dem bei, wovon ich auch heute noch zehre, was auch heute noch Bestand hat und wichtig für mich ist. Dort traf ich im übrigen auch die Gattin und heiratete sie fast vom Fleck weg. Er fand es toll.

Leider starb er viel zu früh. Alle die wir damals im Büro waren als seine Tochter anrief standen für Minuten stumm ums Telefon herum. Keiner sagte etwas, keiner konnte etwas sagen, keiner machte etwas. Sie erzählte über Lautsprecher, dass er morgens auf seiner Terrasse sitzend einschlief. Das Letzte was er wohl sah, muss der Sonnenaufgang über Wiesbaden gewesen sein. Wir weinten alle erst auf seiner Beerdigung. Der erst kurz zuvor eingestellte neue Betriebsleiter konnte wollte mit mir nicht und so trennten sich unsere Wege auf sehr rüde Weise. Der letzte Tag dort war mit einer der schlimmsten Tage, die ich erleben musste. Aber immerhin hatte ich die Gattin bei mir. Der eindeutig bessere Tausch.

zurück
Die Elektriker kam also nicht mit der Reparatur des Speichers zurecht. Zu meinem Erstaunen und Überraschung sagte die Gattin nur das Model, sowie das Baujahr und plötzlich war alles wieder da. Nach ein paar Fragen und Beschreibungen war der Fehler fix lokalisiert. Ich gab ihr die zu bestellenden Ersatzteilnummern, die ca.Preise, ein paar zusätzliche Einbauhinweise. Als wenn die letzten 10 Jahre in einer diesbezüglich ‘gewerkfremden’ Umgebung nicht gewesen wären. Wo kam das Wissen so plötzlich wieder her? Ein einziger Anruf und alles ist wieder präsent. Das müsste ich doch schon längst alles vergessen haben. Wie ein Korken der unter Wasser festgehalten und plötzlich los gelassen wurde.

Mit dem Korken kommen aber auch die alten lieb gewonnene Erinnerungen um heftigen Diskusionen, problematische Aufträge, gemeinsame Schinderei, schwierige Zeiten, lustige Feste, und auch sehr viel Skurriles wieder zurück an die Oberfläche. Ihn werde ich sicher nie vergessen. Sein Garb habe ich dennoch nicht mehr besucht, ich weiß ja wo er ist.

3 Kommentare | Rubrik(en): geknickt, gelernt, geschehen, getrauert


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