rührig

Heute ist definitiv der letzte Tag, er hatte es angekündigt und seit 3 Wochen hängt auch ein Zettel an der Tür. Unser Bäcker schließt endgültig seine Pforten. Das ist noch ein richtiger Bäcker mit Backstube und ohne Aufbackofen. Im Publikum sind viele alte Leutchen aus der Nachbarschaft, Ortsansässige und schrullige Originale. Die Sachen aus seiner Backstube waren nicht immer in exakt derselben Form und Qualität des Vortages, aber immer gut und immer von Hand gemacht.

Ich habe mich also von der Herzfrischen (ein, zwei) verabschiedet, sie geht ab heute in Rente, gemischte Gefühle in ihrem Gesicht, keine richtige Vorfreude. Der Chef kommt aus der Backstube, wischt sich eilig die mehligen Hände an einem an der Schürze baumelnden blaugrau karierten Handtuch ab, geht um seine alte verbrauchte Theke herum, bedankt sich ungelenk für die Treue, entschuldigt sich fast, das er nach 65 Jahren in der Backstube nicht mehr kann. Wir kennen uns 20 Jahre, haben außer den Tagesgruß kaum ein längerfristiges Wort miteinander gewechselt. Ein Schwätzchen am Samstag hie rund da und doch sind wir irgendwie miteinander vertraut geworden. Die beste Tochter von allen durfte damals ausnahmsweise auf die Handtaschenablage der fast neuen Theke klettern, um das dargebotene Bonbon der Herzfrischen zu erreichen, weil ich die Hände voll hatte. ….. Wir verabschieden uns, wünschen uns gegenseitig alles Gute. Er weiß, dass ihm das „Nichts-mehr-tun-müssen“ nicht gut wirklich tun wird, aber es hilft nicht. Irgendwann ist es vorbei. Heute ist sein irgendwann.