Warenbandziege

Das Warenband ist völlig leer, weil die Kasse gerade erst öffnet.Aus der Nachbarschlange stürzt eine um ihr Leben kämpfende Frau mit kurzen roten Haaren, verbissenem Mund und richtig Stress in den Augen auf das Band zu. Mein Einkaufswagen und ich bewegen uns nach Ende des Beladens gemütlich ebenso auf das leere Band zu. Sie muss unbedingt zuerst am Band stehen, andernfalls ist ihr Tag wohl gelaufen. Soll sie ruhig und so beladen wir das Band quasi gemeinsam. Zur Sicherheit lege ich den Trenner schon aufs Band und beginne den Wagen zu leeren. Ich bin fertig, die Ziege schaut mich vorwurfsvoll an, denn ihre Warenschlange ist schon am Trenner angekommen, es liegt aber noch Zeugs in ihrem Wagen. „Hätten sie nicht warten können? Meinen Quark und Jogurt mag ich nicht vorne hinstellen“. *ähm* Verdutzt wie ich bin, schaue ich das Förderband entlang und sehe,dass sie ihre zwei Meter sehr weitläufig befüllt hat. „Räumen sie halt das Zeugs vorne etwas zusammen, da ist genug Platz. Sie brauchen nicht pro Artikel 30 cm Platz drum herum.“ „Ich will aber nicht,“ giftet sie mich richtig böse an. „Die Plastikbecher müssen zuletzt, die gehen sonst kaputt. Also bitte.“ Sie macht Anstalten mein Zeugs weiter nach hinten zu schieben, was aufgrund er Schichtung zum Fallen diverser Gegenstände auf meiner Seite des Bandes führen würde. Mein Zeugs belegt 1/3 des Bandes, den Rest hat sie in Beschlag, unsere Warenmenge ist vergleichbar. Ich mache einen Schritt und sie traut sich nicht mehr, schnaubt stattdessen wie ein Walross. Die Kassiererin sitzt derweil und beginnt die Waren der Ziege über den Scanner zu ziehen. Weil die mir noch gegenüber steht und der Wagen auch befüllt ist, türmt sie nun die Waren am Ende der Kasse auf. Als der Platz eng wird, sagt sie zur Ziege, sie möge doch bitte nach vorne kommen. „Ich kann aber nicht, weil der hier mich nicht alles aufs Band legen lässt“, es folgt der triumphierende Blick einer im Geiste bedauernswerten Person. Die Kassiererin peilt übers Band, sieht das Missverhältnis und schüttelt genervt den Kopf. Sie steht auf, kommt auf die Kundenseite und schiebt das Zeugs der Ziege mit zwei schnellen Griffen zusammen. „So, jetzt haben sie Platz.“ Die Gesichtsfarbe der Ziege wechselt nach mehr rosé, der Mund öffnet sich vor Entrüstung. Ich kann mein vorlautes Mundwerk nicht zum Schweigen verdonnern und sage „Na geht doch. Und nun bitte hurtig, ich mag nicht länger warten. Danke.“ Sie hat keine Zeit mehr, denn die Kassiererin macht zügig ihren Job. „Kommen sie jetzt bitte“ sagt diese im bestimmenden Ton. Die Ziege packt mit Wutfalten auf der Stirn den Rest ihres Wagens aufs Band. Dabei nuschelt sie sicherlich keine Freundlichkeiten ins Doppelkinn, zumindest wenn ich ihre Blicke richtig deute. Die Kassiererin ist schnell und wickelt alles zügig ab, sie zwingt die Ziege quasi aus der Kassenzone. Die Ziege ist immer noch hoch erregt und wartet an den Packtischen. Als ich mit meinem Wagen vorbei gehe will sie mir ein Gespräch aufzwingen, was jedoch daran scheitert, dass ich nicht stehen bleibe und ihr deutlich vernehmbares „Arschloch“ mit einem gut sichtbaren Mittelfinger über dem Kopf haltend befürworte.Sachen gibt’s.

OT: Im Luft- und Sonnenband zu liegen und am Nokia diesen Beitrag zu verfassen ist klasse.