SocialMediaFremdschämen

So ganz davon ausnehmen kann man sich ja nicht mehr, wenn man auch ein gewisses OnlineLeben hat. Kann ja auch ganz nett sein, sich auf Instagram, Twitter, SnapChat, Facebook usw. zu bewegen.

Wir sind derzeit auf Rhodos und gönnen uns Auszeit, lassen uns bekochen und beputzen, kümmern uns letztlich nur darum, dass uns die Sonne nicht die Haut verbrennt. Seit einigen Tagen haben wir noch das Stalking entdeckt. Im Besonderen beobachten wir (also eigentlich nur ich) 2 recht attraktive Damen (Mitte 20) aus Köln die hier seit Ankunft vor 4 Tagen kontinuierlich das geballte Social Media-Programm fahren. 

Es beginnt mit dem Frühstück, bei dem die Nahrung auf den selbst zusammengestellten Teller zuerst sorgsam und fotogen arrangiert wird, dann aus verschiedenen winkeln geknipst, die Shots gegenseitig abgeklärt und dann erst nach Facebook und Instagram geladen werden. Dabei werden der Frühstücksspeck vor dem Shot auch mal gerne auf den Nachbarteller ausgelagert. Begleitet wird dieser Vorgang von einigen Selfies, von den schon vollständig(!) geschminkten Gesichtern mit obligatorischem DuckFace. Manchmal werden die Teller auch nach dem Essen noch abgelichtet (mit DuckFace der Freundin) und mit scheinbar reichlich Text versehen erneut irgendwohin hoch geladen.

Dann gehen die Beiden an den Pool, immer sorgsam drauf bedacht das richtige Licht zu haben und zu behalten. Es gibt so einige Stellen die eine gute Mischung aus Licht und Schatten über den Tag hinaus behalten. Dann verlieren wir uns etwas, weil wir ans Meer gehen und dort bleiben. Hin und wieder sehe ich sie tagsüber (AllInkl ftw) an der PoolBar, also eine zumindest weil die Andere mit gezückter Kamera natürlich den lässigen Bestellvorgang eines z.B. TequilaSunrise im Pool dokumentieren muss. Dabei wird natürlich das Handy der Freundin verwendet (ja, ich kann die schon unterscheiden). Auch hier findet die  Abstimmung sowie die Inaugenscheinnahme des Shots statt, bis der Vorgang der Bestellung in den Vorgang des Verzehrs überführt werden kann. Die PoolBar wird verlassen, den Drink in der Hand bewegt sich die Frau in den Poolbereich mit dem besten Licht und verzehrt genussvoll den Drink am Rand (oder auch mitten drin) begleitet von lasziven Gesichts-und Körperbewegungen, die natürlich alle dokumentiert werden. Wenn das vorbei ist, findet ein Wechsel statt, die AussenFreundin geht ins Wasser und die Wasserfreundin übernimmt den AußenPart. Das nun Folgende ist uns ja nun schon bekannt, eingespielt und funktioniert wirklich beeindruckend reibungslos. Wenn die Shots im Kasten sind verziehen die Beiden sich auf die Liegen (Schatten) und beginnen mit der Publizierung zu den verschiedenen Kanälen. Dabei unterstützt man sich gegenseitig in schon bekannter Weise. Das passiert wohl mehrfach am Tag, denn die Cocktailliste ist lang. Dazwischen immer wieder Selfies mit Duckface, Selfies mit Freundin im Hindergrund und beidseitigem Duckface, Selfies auf Liege, Selfies beim Wassergang und und und.

Das Abendessen verläuft ähnlich wie das Frühstück, jedoch mit erhöhter SelfieFrequenz um dem tagüber erworbenen Bräunungsgrad ausreichend Repekt zu zollen.

Anfänglich habe ich mich noch amüsiert, die Tochter hat sich zeitweise dem Stalking angeschlossen, doch mittlerweile empfinde ich eher Mitleid und Fremdschäme mit den Beiden. Es ist augenscheinlich viel wichtiger permanent Content im SocialMedia zu produzieren, als sich an diesem wunderschönen Ort zu entspannen. Wenn ich meine SocialMedia Nutzung deren gegenüberstelle, bin ich froh drum kein solcher SocialMedia-Sklave zu sein.

Aber wer bin ich denn darüber zu richten, ich verblogge das doch gerade selbst.
(Balkonansicht)

Außerdem geh ich jetzt ins Meer zum schwimmen. \o/

amerikanisches Mallorca-Syndrom in Deutschland

Wir sitzen in der Sonne in einer Art kleinen Biergarten mitten in wiesbaden, geniessen die sicherlich kurze Wärme und warten auf unsere bestelltes Essen. Amerikanische Menschen und deren deutsche Begleiter kommen vorbei, wobei die Begleiter wortreich erklären wo man gerade ist und was man hier so macht. Sie sind alle etwas linkisch und unsicher unterwegs, also beide Parteien, vielleicht Urlaubsbekanntschaften auf Gegenbesuch.

Sie stehen alle vor der Tageskarte (Tafel mit Kreide) und übersetzten die Mahlzeiten, es ist eine deutsche Karte mit einfachem aber sehr gutem deutschen Gerichten. Die Amis springen partout nicht drauf an, auch als die Bedienung mit unseren Teller an der Gruppe vorbei läuft, sehe ich nur gerunzelte Stirne. In der Nachbarschaft entdecken sie eine Burger-Bude und sind nicht mehr zu halten. Nun ja, was einigen Deutschen die Schinkenstrasse auf Mallorca ist, ist einigen Amerikanern wohl der Burger. Bloß nichts neues versuchen, könnte ja gut sein. (Es gab übrigens bei uns Rosenkohl mit Rouladen und Petersilienkartoffeln. GEIL!)

An der Ampel

Hinter mir an der roten Ampel steht ein Wagen mit 2 Insassen, er fährt und sie sitzt daneben. Sie gestikuliert wild vor sich hin, redet in einer Tour, dazwischen ein böser Blick in seine Richtung. Er schaut stoisch nach vorne, kein Ausdruck seines Gesichts deutet auf seine Stimmung hin. Unsere Augen treffen sich in meinem Rückspiegel, sie macht weiter, er schaut. Das sieht nach richtig Stress für ihn aus, er erwidert überhaupt nichts, sie hat die Oberhand. Er sagt mir mit seinen Augen, dass er gerne bei mir sitzen würde, ich würde ihn gerne antworten, da wird die Ampel grün. Mein Spiegel schickt ein ’nicht unterkriegen lassen‘ nach hinten, er nimmt es weiterhin teilnahmslos zur Kenntnis.

Tageslog

  • Heute in der Fußgängerzone gewandelt und gefühlte 10 Minuten kein einziges deutsches Wort gehört.
  • Ein Junkie, der um13.00 Uhr völlig stoned an der Ecke kauerte und die Hand aufhielt, in Richtung der Wand.
  • E-Plus dankt für die Verlängerung und schenkt mir 5 Euro im Monat. Geht doch.
  • Einen tollen molligen weichen und sehr langen Schal gefunden. Ist in langweiliger Farbe, aber er wärmt.
  • Boss Orange.
  • Ein Streitgespräche zwischen Teenies, während sie beide weiter gingen und wie besessen auf dem eigenen Handy herum tippten.
  • Kleines Kind beim Einstecken von Schokolade erwischt. Die Mutter trugs mit Fassung.
  • Die neue Küche ist für Ende Januar bestellt, hoffentlich trügt uns unser Gefühl nicht. Wir sind knapp unterhalb des Budgets geblieben, leider ist es nicht etwas bunt wie von mir gehofft, die Gattin blieb stur.
  • Bin das Ziel erfolgreicher Überzeugungsarbeit geworden, die Reifen der beiden Wagen sind beim Reifen-August eingelagert, nix mehr mit selbst schleppen und wechseln.
  • Die ehemaligen Lieblingsuhren werden verkauft. Eine hat schon die Zusage für ein neues zu Hause.
  • Mit wurde heute doch tatsächlich für 15 Sekunden der Mund (nicht wegen der Küche) verboten. Ich fand das gar nicht witzig.
  • Starbucksbecher können auch umfallen. Dann könnte man mindestens drinnen Bescheid geben, anstatt einfach aufzustehen und alles liegen zu lassen.
  • 12 von 12 … ja also …
  • Mit E10 flutscht das Schlittchen irgendwie besser, oder ist das ein Placebo-Effekt?
  • Späte Pizza in Mainz, die Gattin hatte Mut und bestellte anders als üblich (Tagliatelle a la Panna), ich brauchte wieder eine Pizza Mafia mit frischem Pfeffer.
  • In den frühen Abendstunden auf dem kaum bevölkerten Marktplatz in Mainz zu stehen hat was von Heimweh. irgendwann ……