Oh Boy

Er sitzt in der Umkleide, hat Kopfhörer auf und versucht Siri verbal dazu zu bringen, die ‚richtige‘ Musik abzuspielen. Siri bemüht sich redlich, aber immer wieder muss er es aufs neue versuchen. Das Schauspiel war schon zu gleichen Teilen peinlich wie lustig zu betrachten. Bis einer genug hatte und leicht genervt raunzt, er solle doch jetzt das Ding endlich in die Hand nehmen. Der Angesprochene schau gedankenverloren auf und stellt augenscheinlich jetzt erst fest, dass Andere seine Gespräche mit Siri mitgehört haben.

Marktanteil

Bei meinem heutigen Spaziergang durch die City habe ich mich ein ums andere Mal gefragt, wie groß wohl der Marktanteil von Adidas an dicken weißen/grauen/schwarzen Jogging-Hosen im Segment der halbstarken pubertierende Jungs, vorzugsweise mit Migranten-Hintergrund und ultra-Undercut, der gerade mal kurz vor dem Iro halt macht, sein mag. 

Was ist das, dass diese Jungs (keine Mädchen) glauben lässt, es wäre cool ständig so zu tun, als sie just gerade aus dem Studio kommen? Irgendwie mag es ja cool sein, doch wegen der stellenweise schneidenden Kälte gleich 2 Jogging-Hosen übereinander anzuziehen nur um weiter cool zu bleiben, ist schon ziemlich vorbei. Obwohl, in dem Alter ist die Vernunft nicht sonderlich ausgeprägt, da bin ich ja von der besten jungen Tochter von allen (z.B. bauchfreie Winterkleidung und ähnliche Merkwürdigkeiten bei heftigsten Minusgraden) ja abgehärtetÄhnliches Getue muss es mit den Sport-Ballet-Turnschläppchen auf sich haben. Je dünner die Sohle und (ganz wichtig) je wenige Schnürsenkel sichtbar, umso wichtiger und angesehener ist der Träger in der Gruppe. Und der darf dann beim gehen auch am meisten im Gang wippen, das gehört scheinbar so, das muss vermutlich so. Aber da machen sich die anfangs erwähnten lockeren Hosen dann wieder bezahlt. macht also schon Sinn so.

In einer Art uniformen Verhalten tragen sie auch immer Sweatshirts mit Mützen dran. Und sie haben sie auf. Alle. Erstaunlich. Früher in der Schule galt es als völlig daneben, also wenn man die Mütze von Anorak (scheußliches Wort) aufzog. Also bitte ja, man hatte damals schon dem Regen oder anderen Wettern zu trotzen. Wie die Jungs die Feuchtigkeit ihn ihren Baumwollsachen ertragen, nötigt mir auch indes schon Respekt ab. Unsere Anoraks waren schliesslich aus Plastik, die das Wasser brav aufnahmen und nicht abperlen liessen, so wie die Werbung das ja versprach. Vielleicht deswegen trägt der schlaue junge Mann in dieser Montur gleich 2 oder 3 von diesen „Hooties“ übereinander, einer davon wird schon trocken blieben. Auch hier wieder, es macht einen gewissen Sinn.

Dann fing einer der Fünf das Spucken an, also nicht geradeaus und jemanden an, sondern immer nur ein klitzekleines Bisschen auf die Strasse, ständig, mal links, mal rechts, wo er stand oder ging, er tänzelte 2-3 Schritte, redete dabei mit seinem Nachbarn, er spuckte links, dann wieder 2-3 Schritte und spucken rechts, dann ein angedeuteter Kreis um einen Anderen herum und in die Mitte spucken. Die Anderen fühlten sich dadurch animiert oder provoziert und taten ihm plötzlich nach. Markierten die ihr Revier?

Sehr verwirrend das alles. Ich saß also in einem Café, bei meinem zweiten Espresso und fühlte mich angesichts dieser geballten Eindrücke schon irgendwie recht alt und konservativ, so in Jeans und Lederjacke ohne Kapuze drunter. Vielleicht sollte ich mir auch so einen Hootie zulegen. Den Gedanken führte ich nicht zu Ende, das muss ich mit der Gattin besprechen, wenn sie wieder da ist. Den dritten Espresso, auf den ich eigentlich doch Lust hatte lies ich dann aus, zuviel Koffeein muss ja auch nicht sein. 

Tagesbeobachtungen

  • Eine junge Frau im Außenbereich eines Cafes, bei gefühlten 5°c Temperatur, ein Babywagen an der Seite, komischer Typ mit am Tisch, Kind quengelt, sie qualmt min. 3 Kippen binnen 10 Minuten, Kinde quengelt, sie macht genervt die Jacke auf, holt die Brust unterm T-Shirt heraus und hält das Kind an, die Kippe legt sie kurz im Aschenbecher ab und raucht entschlossen weiter, während das Kind trinkt.
  • Kerl im Smart bekommt den Wagen in einer 5 m Lücke nicht geparkt.
  • Die Gattin hat heute kurzfristig ein Puzzle mit 18.000 Teilen erwogen, weil das Motiv so toll war.
  • Ich möchte im Leben keine Ordnungskraft sein, die den ruhenden Verkehr überwacht. Die Diskussionen mit Menschen die wegen erwiesenem Falschparken und 15 Euro sich zum Affen machen,  könnte ich auf Dauer nicht aushalten.
  • Ein Schmuckladen mit Ketten, die vornehmlich aus Steinen gefertigt sind, leider ein Laden im Freien, sprich die Ketten sind so was von kalt, frau wollte keinesfalls interessante Stücke anhalten, sondern kaufte quasi aus der Hand heraus. So gelacht.
  • Zwei von vier Chillis als Indikator des Schärfegrades eines Gerichtes sollten seitens desjenigen der die Karte pflegt definitiv überdacht werden.
  • Warum müssen so viele Leute bei gehen essen?
  • Kleinkind malträtiert seine Mutter vor einer Eisdiele, damit es ein Eis bekommt. Die Mutter ergibt sich in ihr Schicksal und kauft ein Eis. Das Kind freut sich zuerst über die Waffel und wirft das Eis heulend auf den Boden, es mag keine Schokolade oben auf haben.
  • Ein Lokal, dass sich auf dem Schild als Zigarrenlounge vorstellt und in dem geraucht werden darf. Ich wüsste in meiner Umgebung wirklich kein Lokal mehr, im dem noch geraucht werden darf.

 

Beobachtungen des Tages

  • Sich beim Seele baumeln beobachten lassen ist nicht schlimm, nur knipsen muss nicht sein.
  • Stumpfhosen Strumpfhosen, Stiefel sind bei Sonne und >25° so Winter 2011/2012.
  • T-Shirts mit Aufdrucken zum Fremdschämen suchen und lästern ist beileibe keine kurzweilige Beschäftigung.
  • Warum tragen so viele Schals? Ist das CheckerCode für „Dude, ich habs drauf und Du nicht?“
  • Wenn kleine Kinder stark husten ist das sicher kein Grund seinen Kaffee stehen zu lassen um zu sehen was da los ist. Wird schon werden.
  • Die Stimme senken, wenn die Sprache der Freundin auf die just zur Schau getragenen Ballerinas aus dem letzten Jahr kommt. Unbezahlbar.
  • Ein Trupp Italiener machte einen Lärm, man konnte die in der Nähe campierenden minderjährige Diven mit Migrantenhintergrund gar nicht richtig verstehen.

don’t do

  • Preisschilder auf den Schuhsohlen, wenn diese schon getragen sind
  • spontane Ehekrisen (nicht wir) in der Warteschlange austragen
  • beim schlendern durch ein Kaufhauses genüsslich seinen HotDog und den Glühwein weiter verzehren
  • Touchscreen Handy und Handschuhe (es ist auch nicht besser einfach fester zu drücken, auch das 10. Mal nicht)
  • die Geheimnummer der EC-Karte bei der Eingabe zwar sehr leise, aber dennoch mitsprechen
  • sich versunken 10 Minuten mit einer neuen Handtasche auf jeder Seite vor einem Spiegel selbst zu betrachten (Entscheidungsfreude sieht anders aus)
  • fremde Christbäume umrempeln und sich nicht weiter drum kümmern
  • PeepToes im Winter und draußen
  • Brustbeutel über der Jacke
  • auf der Rolltreppe zu spucken
  • sich um die letzten akzeptablen Bananen in der Auslage zu streiten