Damalsbiszumabwinkenhörenmusik-08

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[Bruce Hornsby & the range – every little kiss]

Der Mann mit seiner Musik hat dafür gesorgt, dass ich eine ganze Zeit in den 80i-gern ernsthaft versuchte Klavier zu lernen, mangels Geld musste ich es damals frühzeitig aufgeben, der Lehrer war einfach zu teuer.

Meine beste gute Freundin B. zog in ihre erste eigene Wohnung, unter Zustimmung der Eltern und mit allem was dazu gehört. Der Vater rief mich mitten im eigentlich stattfinden Umzug an und bat mich _zufällig_ mal bei ihr vorbei zu fahren, ihm selbst wurde es verboten und bei mir sagt sie bestimmt nichts. Ich war schon anderweitig gebunden, sonst hätte ich sowieso geholfen, doch den Hilferuf konnte ich nicht ignorieren. Bis dahin wusste ich auch nichts davon, dass ihr Freund sich verpisst hatte und B. nun alleine im Umzug-Chaos saß. Ich fuhr also los, unterwegs noch beim Italiener vorbei um Nudeln, Pizza und Salat zu besorgen, Cola und Rotwein.

Ich fand sie in der Wohnung ziemlich aufgelöst und überfordert mit noch einigen Kisten, die im Hinterhof standen. Sie sah mich schweigend an, froh mich zu sehen und augenscheinlich am Ende ihrer körperlichen Kräfte. Stumm nahm sie mir das Essen ab und trottete in die Küche, während ich die restlichen Kisten hoch in die Wohnung verbrachte. Sie blieb oben und wir später aßen und redeten später zusammen in der unfertigen Küche, zwischen Kisten und Kasten, im Hintergrund mit Bruce Hornsby auf einem alten mono Kassettenrecorder. Die folgenden 2 Tage waren wir damit beschäftigt die Kisten auszuräumen und die Möbel aufzubauen, der Vater durfte dann letzlich auch noch kommen. Sie war schon ein ziemlicher Dickschädel, der Kassettenrecorder spielt dabei unzählige Male die Hornsby-Cassette und der Freund wurde zum Ex.

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[Bruce Hornsby & the range – The Valley Road]

Damalsbiszumabwinkenhörenmusik-07

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[Gerry Rafferty – Baker Street]

In Mainz, genauer am unteren Ende der Gaugasse, war 1978 ein kleiner Plattenladen in der Größe eines Wohnzimmers. Der Typ drinnen war eher Musiker als Verkäufer, lange Haare, immer einen Kaffee und einen Aschenbecher mit Kippen auf dem Tresen, Hascher und ein Pfundskerl. Er war sehr freundlich zu mir musikbegeistertem Teenager und lies mich immer wieder mal ein paar Stunden am ‚einzigen‘ Probeplattenspieler sitzen um neue und geheime Indi-Platten zu hören.

Das Taschengeld war knapp, die Möglichkeiten sich etwas dazu zu verdienen waren kaum vorhanden. Zeitungen austragen war so ziemlich das Einzige was ging und das war richtig mies bezahlt. Die Alben und Schallplatten waren damals noch orbitant teuer, Alben kosteten 19,90-22,90DM, normale  LPs 14,90DM und Doppel-LPs gar 29,90 DM. Es war die Zeit, in der man mit dem Radio-Cassettenrekorder Sonntags Abend um 18.00 Uhr die SWF3 (heute SWR3) – Hitparade aufzeichnete. Doch da gab es nur Charts und Main-Stream, das wurde mir schnell langweilig und auch deswegen war der Laden einer der Lieblingsplätze in der Stadt, er war auf Indi-Musik spezialisiert, also Sachen die keiner der großen Läden wie Rheinelektra, Karstadt oder Kaufhof hatte. Dort jedenfalls habe ich „Baker Street“ als britischen Import (49,90DM(?)) schon Wochen vorher hören dürfen, bevor es auf den deutschen Markt kam. Was war ich stolz meiner Clique ein lässiges „das kenne ich schon lange“ entgegen schleudern zu können, als es endlich in der Charts auftauche. Das war wirklich wichtig :razz:. IMHO ist „Baker Street“ auch heute noch ganz große Musik.

Damalsbiszumabwinkenhörenmusik-06

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[S.O.S Band – The Finest]

1986 – eine wilde Zeit, keine Disco war vor uns sicher, je weiter sie weg war umso besser. Wir wollten in eine Disco in einer Wellblechhalle auf dem platten Land, irgendwo hinter Limburg, weiß der Geier wo genau. Aoxomoxoa? Kann auch sein, dass ich den Namen verwechsle. Mein immer während der bester S. aller Zeiten, mit dem ich seinerzeit auch die Tour in Bayern gemacht hatte (click), und ich rüschten uns tüchtig auf (was hieß aufrüschen? Wir waren voll auf Schwarz, also schwarze Bundfaltenhosen (im Stil von diesen Leinenhosen aus den US-Filmen – Beispiel), dazu schwarzes Hemd aus Seiden/Leinen, schwarze spitze Schuhe, schwarze Krawatte, Kajal an den Augen und natürlich Gel (must have) in die Haare) und gingen eines Samstags Nachts los. Sicher sahen wir extrem schwul aus, waren es aber nicht.

Wir kannten uns seit Jahren, verstanden uns über weite Strecken hinweg nur mit Blicken. Beste Freunde. Was die Anderen von uns dachten war uns egal, wir hatten viel Spaß, tanzten und hörten die Musik die uns gefiel. Wir waren die dunklen Paradiesvögel unter dem ganzen Haufen anderer, jedoch ziemlich bunter Paradiesvögel. Die 80-iger halt. Auf der Tanzfläche in dem Schuppen lernte er eine augenscheinlich fantastische junge Frau kennen. Nach 2 Stunden intensiven Kontakts drückte er mir seinen Autoschlüssel in die Hand, denn er blieb und ich fuhr alleine mit SOS-Band im Kassettenrecorder nach Hause. Seine Anlage im Auto war fast schon unanständig gut, deutlich besser als meine im Sicrocco und die war schon nicht schlecht. Insofern genoss ich die Heimfahrt, morgens um 6 oder so. Nach 2 Tagen rief er dann endlich wieder an, ich solle ihn doch bitte wieder abholen, natürlich wieder mit der S.O.S. Band.

Damalsbiszumabwinkenhörenmusik-05

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[Alexander O’Neal – A Broken Heart Can Mend]

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[Alexander O’Neal – Sunshine]

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kurze Geschichte dazu:

Mein bester Freund (S.) und ich auf Urlaub in Bayern, muss Ende 80 gewesen sein. Beide hatten wir gerade eine schlimme Zeit hinter uns, also Urlaub mit uns und alleine. Lasst uns die Ruhe, wir fahren alleine weg. Im herrlichsten Wetter düsen wir im Sirocco durch den bayrischen Süden, hinüber in die Schweiz, durch Zell am See, die Silvretta hoch und wieder runter, in die Schweiz und wieder zurück, kreuz und quer gerade wie uns die Lust führte. Wir genossen die Zeit, das gute Essen in den verschiedenen Dorf-Gaststätten am Abend und das leckere Weißbier natürlich auch. Der Scirocco war mit einer recht ordentliche Anlage ausgerüstet, wir hatten massig Kassetten aufgenommen und doch lief nahezu durchgängig Alexander O’Neil (eins/zwei).

Wir waren sehr ländlich unterwegs, die Musik lauter als üblich, Fenster auf, Sonne, Kippen und Bier (für den Beifahrer), alles easy. Plötzlich ein Stau, wobei wir das einzige Auto waren, der Rest waren riesige Kühe, mit Eutern wie Fesselballons und Hörner und gigantisch großen Glocken um den Hals. Ein Getöse, man hörte die eigene Musik fast gar nicht mehr. S. zögerte nicht lange und zog den Verstärker noch etwas auf. Direkt im Anschluss drehten sich 2 Kühe aus deren letzter Reihe nahezu gleichzeitig zu uns herum. Sie schauten uns mit ihren großen Augen an, gingen jedoch keinen Schritt mehr. Die massigen Körper begannen sich langsam zu drehen, ich bekam Panik und schrie S. an, er solle sofort rückwärts fahren. Keinesfalls wollte ich den Beiden meinen(!) Scirocco zum Fraß vorwerfen, S. verstand nichts und drehte die Musik wieder leiser. In dem Moment brüllten beide Kühe ein gigantisches „Muh“ in unsere Richtung, drehten ihre Körper wieder gerade und trotten weiter dem Rest der Herde hinterher. Wir brauchten ein paar Minuten, bis wir den Lachflash beendet hatten und weiterfahren konnten, der Herde im gebührenden Abstand hinterher, die Musik dann aber schön leise.

Damalsbiszumabwinkenhörenmusik-04

[youtube]Q5_sklDs1bU[/youtube]

[Al Stewart – Time Passages]

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Sie durfte das erste Mal mit elterlichem Segen und mir in eine Disco. Wobei Disco ist etwas zuviel des Guten, ein Sportverein in einer Mainzer Vorstadt hatte ein Sportfest und veranstaltete in der Turnhalle ein „tanzen zu zeitgenössischer Musik“. Kein Scheiß jetzt, so stand es tatsächlich auf den Ankündigungsplakaten. Ihr Vater bestellte mich ein bat mich vorbeizukommen um seine Tochter abzuholen und auch dafür Sorge zu tragen, dass es nicht später als 20.00 Uhr (als ich sie abholte verglich ich deren Küchenuhr mit meiner – was fand ich mich clever –  hah!11elf) würde und das seine Tochter immer Abstand zu den Lautsprechern hielt. Nicht das sie ihr Gehör beschädigen würde, das wäre unverzeihlich. Es war 1979 und es war streng, aber ich durfte nicht maulen, immerhin konnten wir gemeinsam in den Abendstunden ausgehen. Ihr Vater wollte natürlich auch wissen, was denn für Musik bei einer Disco so gespielt würde, doch wohl hoffentlich nicht so Zeuge wie bei diesem Ilja Richter. Das war etwas kompliziert, weil zu der Zeit es so einiges an Hottentottengedudel [sic!] gab, was definitiv nicht elternkompatibel war. Wie z.B. Chic mit le freak , M-Pop mit pop-musik, Ami Steward mit knock on wood, The Knack mit my sharona und und und. Was tut man nicht alles nur um zu gefallen, also nahm ich meine zu dem Zeitpunkt absolute Lieblingsplatte von Al Steward, Time Passages auf Kassette auf und gab sie dem Vater mit der Bemerkung, dass ‚meine‘ Discos solche Sachen spielen würden. Ich mag ja schließlich ebenso wie er absolut keine laute Musik, wegen dem Gehör und so. *ähm* Es war ’ne Notlüge, außerdem war es für einen guten Zweck. Die Musik fand in seinen Ohren letztlich wohlwollende Gnade, so durfte ich sie endgültig abholen und gemeinsam mit ihr und der Straßenbahn zu dem Sportfest fahren.

Der Charme der Halle war keiner, ein paar bunte Ballons und Girlanden, gleißende Beleuchtung und mäßig laute Musik. Wenn man nicht allzu laut auf dem Holzboden stampfte, konnte man sie gut hören. Als die „Aufpasser“ dann endlich weg waren, wurde das Licht gedrosselt und der Verstärker durfte wie er konnte. Wir hörten also all die „verbotenen“ Sachen, tanzten, achteten nicht auf den Abstand zu den Boxen, sondern nur auf unseren Spaß. Die Aufpasser hatten genug mit sich und dem Fassbier zu tun. Eigentlich hätte ich sogar damit gerechnet, dass der Vater zur Überraschungsinspektion nachkommt, passierte aber nicht. *puh* Pünktlich um 19.59 Uhr klingelten wir wieder bei ihr zu Hause und alles ward gut.