Zwangsgespräch

Uns drängt es zu einer Pizza und einem Salat, von dem vor kurzem wieder entdeckten alten Pizzabäcker. Ich bin etwas zu früh zum abholen, so werde ich von einem anderen Wartenden in ein Gespräch über den örtlichen Fussballverein verwickelt. Wobei Gespräch ist zu viel gesagt, Monolog trifft es eher. Er versucht mich wortgewaltig mit seinem geballten Wissen um alle möglichen Insights des Vereins zu beeindrucken und je teilnahmsloser ich diesbezüglich werde, um so mehr bemüht er sich mit stechenden Blick und aufmunternden Kopfnicken doch endlich eine anerkennende Reaktion von mir zu bekommen. Um ihm die Last etwa zu nehmen drehe ich mich von ihm weg und beschäftige mich mit dem Smartphone. Juckt ihn aber nicht sonderlich, spricht er halt einfach lauter. Der Blick des Pizzabäckers und meiner treffen sich und nahezu gleichzeitig rollen wir unauffällig mit den Augen. Kurz drauf lachen wir uns an, während der Fachmann die zig Millionen Euro, die dem Verein aufgrund offensichtlich gravierender Transferfehler nicht in die Kassen gespült wurden, fortlaufend wehmütig bejammert. Auch wenn ich eigentlich erst als zweiter dran bin, meine Pizza ist auf wundersame Weise schneller fertig und er schickt mich damit wieder nach Hause.

Erlebnis des Tages

Zwei männliche Menschen (>50 Jahre) stehen etwas abseits auf einem Supermarktparkplatz und sind beide augenscheinlich sehr engagiert eine Diskussion miteinander zu führen. Es ist nicht sonderlich laut, doch die gegenseitigen wilden Gestiken deuten darauf hin, dass es hier so richtig zur Sache geht. Neugierig wie in bin mache ich einen Umweg bei denen vorbei und lausche wie die Beiden einander zu überzeugen versuchen, dass der BVB deutlich verdienter Meister geworden ist, als es die Bayern jemals hätten sein können, bzw umgekehrt … oder so ähnlich. Es werden Argumente gewechselt, Begründungen die jede minderjährige Sandkastenbesatzung von den am Rande wartenden Müttern umgehend eingesammelt würde, weil keine warten will bis etwas passiert. Und ja, ich war länger in der Nähe als notwendig, ich wollte sehen ob zufällig eine Erziehungsberechtigte diese beiden Schwachköpfe voneinander trennt, bevor … na ja …. noch einer zu weinen beginnt.