Ohrwürmer der Kindheit

Im Blog der Herzdamengeschichten gibt es einen Gastbeitrag von dasnuf, der auch hier mitunter ziemlich ungute Erinnerungen wieder wachruft.

Jedes Kind hat seine Musik, wir lernten das bei Übernachtungsbesuchen und waren froh über die Abwechslung in der Beschallung, sofern das Gastkind eigene Kassetten mitbrachte. In der Regel sassen sie im Kinderzimmer beisammen, spielten in mehr oder weniger Eintracht und im Hintergrund dudelte der rot-gelb-blaue „my first Sony“ (mit Akkus) vor sich hin. Über Stunden und bis zum ersten Streit habe es bei den Kindern die unausgesprochene Einigkeit, die Cassette nicht zu wechseln, sondern stets umzudrehen. Wir oft haben wie die Kinder dabei ertappt, wie sie spätestens Sonntags dann jedes gehört Wort in einem zeitlich tadellos synchronen Gleichklang mitsprachen oder sangen. Die Kinder hatten ihr Freude daran, wir indes weniger.

An die Grenze des Erträglichen wurden wir bei Urlaubsfahrten gezwängt, wo das Kind beharrlich drauf bestand die eine Cassette oder die Andere zu hören. Es waren keine Namen oder Titel nötig, wir wussten stets was gemeint ist. Da half auch nicht versuchsweise die Vernunft des Kindes zu wecken und an die Verkehrsnachrichten zu erinnern. Es wusste längst, dass das Radio diese automatisch einblenden konnte. Wir lernten dann auch schnell die Cassette wieder zum Ausgangspunkt bei Auftreten der Meldung zurückzuspielen.

Von Detlev Jöcker und seiner „si-sa-singemaus“ habe ich stellenweise sogar geträumt und ich bin auch heute noch überzeugt, dass ich seinerzeit eine veritable Allergie (mit gefühltem Ausschlag!) wegen „1-2-3 im Sauseschritt” entwickelte. Da half auch kein unabsichtliches Verstecken der Kassetten oder die Hoffnung, dass das chaotische Kinderzimmer und die bewusst ausgebliebene Ermahnung zum Aufräumen der Eltern, die Kassetten doch bitte verschlucken möge (bei den Socken funktioniert das schliesslich auch). Wir litten schlimm, aber Hauptsache dem Kind ging es gut.

Heute haben wir einen grob kompatiblen Musikgeschmack. Wir möchten glauben, dass unsere Geduld und Ausharren in der Kinderzeit hierfür verantwortlich ist. Das entschädigte für die Jahre zuvor. Zumindest ein bisschen.

unaufälliger

Der kleine Junge steht nahe am Bein der Mutter, die am Eingang des Discounters auffällig lächelnd und einen Tick zu laut einen Mann begrüßte und sich in gleicher Lautstärke um sein Befinden erkundigte. Der Junge schaute abwechselnd zu dem Mann und wieder zurück zur Mutter. Die beiden Erwachsenen gehen nach einer gewissen Zeit in entgegengesetzten Richtungen davon. Der kleine Junge bleibt stehen und ruft der Mutter zu, wer das denn war. Die Mutter kommt eilig den Schritt wieder zurück, beugt sich zu dem Jungen herunter und zischt ihn leise aber nicht böse an, dass er leise sein soll. Der Junge fragt wiederum sehr laut wieso. Die Mutter schaut hektisch zu dem Mann, mit den sie sich eben noch unterhalten hat, der aber weiter seines Weges geht. Dann zieht sie den Jungen zu sich und sagt leise, das sie es auch nicht wisse. Der Junge schaute verwirrt, man konnte von außen seinen Gedankengang erraten. Er fragt sich warum die Mama dann mit dem Mann geredet hat, wenn sie ihn kennt. Die Mutter fasst den Jungen am Arm, richtet sich auf und zog ihn zum Eingang. Der Junge wiederholt seine Frage, die Mutter antwortet nicht, sondern zischt ihn jetzt etwas weniger freundlich an, er soll still sein und nicht so laut reden. Dann ging die automatische Tür zu, durch die die Beiden gegangen sind und die weiteren Worte verstummten. Der Junge fügte sich widerwillig der Mutter, während er aus der Glasfront im Eingangsbereich nach dem Mann schaute, der mittlerweile seinen Einkaufswagen in den Kofferraum eines Wagen lud.

Beobachtungen

Zwei 6 jährige(?) Kinder die sich im Ballpool mit den bunten Mini-Bällen zuerst zaghaft, dann immer mehr mit unverhohler Gewalt anwerfen. Bis einer angefangen hat zu weinen, Eltern-Aufregung-Zank-Drama. Die Kinder lachen 2 Minuten später wieder miteinander, die Eltern meiden sich.

Eine ‚very busy‘ Buisiness Kasperin, die in voller Kaspermontur am Tresen steht, telefoniert und erhebliche Koordinationsprobleme mit dem Handy, dem Autoschlüssel, der Mitgliedskarte, der Handtasche und der Sporttasche hatte. Nur nicht absetzen, wegen very busy und so.

Africa von Toto im Radio.

Ein Mensch im neuen Fiat 500, der eine dicke Zigarre im Auto raucht und die Fenster geschlossen hat. Wie muss das im Wagen stinken?

Zwei Hunde, die im Gepäckraum eines BMW Kombis hocken, während der Fahrer neben dem Wagen steht und ein Flasche Wasser leert. Ich könnte wetten, dass die Beiden jeden Tropfen nachgesehen haben.