laut einkaufen

Üblicherweise gehen wir zu zweit für den Wocheneinkauf. Da die Gattin heuer jedoch außerhäusig weilt, darf ich alleine. Dazu muss ich ausführen, dass ich beim Einkaufen irgendwie immer latent genervt bin. Nicht von der Gattin, sondern vom Personal, den Promotern und sonstigen Menschen, die mich ungefragt anquatschen um mir irgendeinen Scheiss an den Hals halten, für den ich vielleicht und möglicherweise Interesse haben könnte. Das kann ich partout nicht leiden, das macht mich zuerst mürrisch, nach 4. Vorfall werde ich ungemütlich und versuche durch von weitem sichtbare Zornesfalten auf der Stirn beim werbenden Gegenüber nachaltigen Eindruck zu schinden. Das klappt aber nur mäßig, ein Schild zum Umhängen mit dem Schriftzug „brauche/will ich nicht, danke für Ihre Mühe – viel Erfolg noch“ hat mir die Gattin untersagt, ich soll das aushalten, sie könne es ja auch. Ungerechtigkeit. überall.

Heute also darf ich alleine und so blitzt es mir doch einfach Kopfhörer auszusetzen und Musik laufen zu lassen. Das klappt hervorragend, ich habe meine Ruhe, die aufdringlichen Werber lächeln mir sogar an, weil ich breit grinsend und sachte wippend durch die Gänge laufe. Herrlich. Ab und zu versucht einer dennoch sein Glück und stellt sich mir in den Weg. Doch die Musik ist so laut, dass ich nichts von denen hören kann und nur Fischsprache sehe. Der Werber gibt auf und sucht sich andere Opfer. WIN! Ich habe es so genossen, das Einkaufen und die Musik, eigentlich bin ich extra sogar etwas länger durch die Gänge gelaufen, weil die neue CD von Vertical Horizon ist wirklich klasse. Schmissig, tolle Gitarren, Melodien und überhaupt, laut und toll…


Vertical Horizon – Broken by you

Ein Schritt hinterm Zielstrich

Vorgestern lies es sich der finnische Chef ob des positiven Abschluss des Projekts nicht nehmen uns auszuführen. Er brachte uns zu einem Restaurant, auf einer kleinen Insel ein Stück vor Helsinki die nur per Boot erreicht und wieder verlassen werden kann. Alle 15 Minuten tuckert eine kleine Holzfähre um Gäste zu holen oder zu bringen.

Eine kleine erzählerische Rundfahrt während der Wartezeit um Helsinki inklusive, spannende Sache das. Ein sehr lauer Sommerabend schön warm und gemütlich auf der Haut, eine leichte Meeresbrise, die Sonne entscheidet sich lange nicht, ob sie untergehen oder lieber noch etwas sichtbar möchte, ein Ort zum versinken im Ausblick, dem Meer, dem Knarren des uralten Holz auf der Treppe, dem leisen Quietschen von Metall vom Bootshaus, diesem runden rauen Felsen auf denen auf wundersame Weise stellenweise Pflanzen wachsen, den Möwen über dem Dach und den persönlichen Stimmungen die das alles in Summe verursacht.

Das Restaurant ist ein Traum und von der ganz besonderen Sorte. Um mit seinem Nachbarn reden zu können muss man sich überdeutlich zur Seite lehnen, weil man so viel Platz hat, der nächste Nachbartisch ist 3 Meter weit weg, die Servietten sind aus schwerem Stoff und doch weich wie Seide, Kerzen flackern am vertikal gekippten Fenster, die Karte ist ein 2 seitiges handgeschriebenes(?) Kunstwerk, die Stühle sind kleine Sessel, alles drum herum ist Holz riecht und klingt auch so wenn der Wind etwas auffrischt.

Jeder der 4 Gänge wird von einer anderen Person begleitet, die einem Details dazu erzählt, während die Teller von anderen auf dem Platz drapiert (ganz bestimmt nicht gestellt) werden. Die finnische Aussprache gepaart mit der englischen Sprache ist eine sehr sympathisch klingende Mischung, selbst wenn nicht alles so flüssig und richtig herüber kommt. So springt Frau ins finnische und wird rot als sie es merkt, wiederholt eilig alles in englisch, verhaspelt sich dabei hemmungslos und lacht es letztlich einfach weg, irgendwie wieder typisch finnisch.

Und weil die Herrschaften den Getränken zugesprochen haben und die Strafen der finnischen Polizei auch bei nur minimalem Alkohol extrem gesalzen sind, bin ich später gefahren, in einem fremden Auto in einer fremden Stadt, deren Schilder ich zwar lesen aber nicht verstanden habe. Dabei darf ich feststellen, dass der Finne ein extrem disziplinierter Verkehrsteilnehmer ist und auch, dass die finnischen Straßenschilder (in rot-gelb) besser zu erkennen sind als unsere (weiß-rot). Die Disziplin mag auch am Strafsystem liegen, denn die Zahlungen sind abhängig vom Verdienst des letzten Jahres. Nach Erzählung kommt es so problemlos zustande, dass ein Strafzettel wegen Alkohol mal schnell 1.500 € kosten kann.

SO einfach ist es aber nicht zu fahren, auch weil Helsinki Zentrum zum Großteil noch Kopfsteinpflaster als Straßenbelag hat. Den Weg zur Bierbar habe ich dann doch noch gefunden, auch oder obwohl die Beifahrer alles versuchten mich in die Irre zu führen. Während ich später bei dem Hahn No.5 ausgestiegen bin, haben meine Kollegen dann alleine die Reihe wohl (annähernd?) komplettiert. Der nächste Tag war sowieso nur aufräumen und komplettieren angesagt, da brannte nichts mehr an.