das erste Dingsda – Stöckchen

Frau Skriptum pflanzt ein Holz in die Welt. Es geht um „das erste Mal“. Diejenigen die jetzt erwarten über mein erstes Mal(!) zu lesen muss ich jedoch enttäuschen, denn selbiges Erlebnis gehört nicht hier her. Nur soviel sei erwähnt: es war schlimm-schön, oder schön-schlimm, je nachdem, wie wohl bei vielen.

Frau Skriptum bestimmt:

es kann sonst jedes erste Mal benannt werden. Plus/Minus fünf verschiedene sollten es jedoch ungefähr sein. Dabei können meine ersten Male thematisch übernommen aber auch ganz andere beschrieben werden. Jede/r so, wie sie/er es gern möchte.

1. Die erste Mal im Krankenwagen
Wir spielten Fußball im Mainzer Volkspark, eine ganze Horde von Jungs. Wie sonst auch stand ich im Tor, denn mit einem Ball an meinem Fuß konnte ich einfach nicht umgehen (hat sich bis heute auch nicht geändert). Mit 12 Jahren war es eine Schmach immer zu den Letzten zu gehören, die gewählt wurden. “Hauptsache dabei” war auch damals die Devise. Das Spiel tobte weit weg von meinem Kasten, kniend im ungemähten Gras und wurde ich gestochen. Erschrocken sprang ich auf und starrte auf eine breite rote Spur mein Schienbein herunter. Sehen konnte ich nichts, es war nur rot, glänzte und irgendwie pulsierte es am Anfang der roten Bahn. Erst als ich das Knie etwas beugte, öffnete sich ein Spalt direkt neben der Kniescheibe und gab den Blick auf das Innenleben des Knies frei. Filmriss, Krankenwagen, Notarzt. Mein Knie traf auf einen im Gras liegenden altmodischen Getränkedosenverschluß (bei den alten Dosen in den späten 70-igern konnte man den Ring komplett mit der Lasche abziehen) mit einem rasierklingenscharfem Rand. Die Narbe ist ~7 cm lang. [das stammt vom Beitrag über „Narben“ => click]

2. Das erste Fahrrad
Ein riesiges schwarz-rostiges Altherrenrad, nur Felgen und keine Reifen, an vielen Stellen verbogen, Bremsen und Lampe kaputt , Kette weg, schwer und massiv [pic], es hätte auch sicher mühelos eine Weltumradlung überlebt. Das Teil habe ich mir vom Sperrmüll in einer Nachbarstraße geholt und in mühevoller Kleinarbeit im halbdunklen Wäschekeller unseres Mietshauses restauriert. Ständig war ich in Sorge, plötzlich käme der ursprüngliche Eigentümer wieder und verlange es zurück, jetzt nachdem es wieder immer besser aussah und auch funktionierte. Es hat alles in allem etwa 6 Wochen gedauert und die Früchte vieler  Zeitungsausträgerstunden gekostet. Als es endlich fertig war konnte ich endlich ‚professionell‘ auf meiner Zeitungsaustragerunde auftreten und auch die größere Tour annehmen, sprich mehr verdienen. Auf der 5. oder 6. Zeitungsrunde mit dem Rad wurde es in einer berüchtigten Mainzer Siedlung mitsamt Schloss geklaut. Keine Ahnung wie der gemeine Dieb es angestellt hat, vermutlich das Schloss mit einer Zange gekappt. Dankenswerterweise hat der Dieb wenigstens die Satteltaschen mit den ganzen Zeitungen liegen lassen.

3. Die erste selbst gekaufte Schallplatte
Das müsste eine Single [pics] gewesen sein

[youtube]rmJxeysqiAY[/youtube]

[name – titel]

falls youtube nicht läuft => click

gewesen sein. Das erste Album war dann

[youtube]KLpDt4VveTo[/youtube]

[Supertramp – Even in the quitest Moments]

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Beide Platten habe ich heute noch im Schrank stehen.

4. Die erste Wohnung
War ein Fehler, ein richtig schwerer Fehler. Die damalige Freundin und ihre Eltern bauten eine Kopie ihrer eigenen Spießerwohnung, um uns dort hinein zu setzen, wie Barbie und Ken in groß. Ich konnte mich nicht mit einer anderen Meinung durchsetzen (einer gegen 3, wie soll das gehen?) und fühlte mich in diesem Ding überhaupt nicht wohl, ständig nur zu Gast, obwohl „zu Hause“. Eine der Situationen in die man bewusst und offenen Auges gerät, sie nicht verhindern kann, man rutscht hinein kommt nicht raus, erst wenn sie zu Ende ist und dann ist es auch schon zu spät. Die einzige Möglichkeit des Protests war meine finanzielle Beteiligung auf ein Minimum zu begrenzen. Natürlich sprangen die Eltern bereitwillig in die Bresche. Mir wird ganz anders, wenn ich daran zurück denke. Zu der Zeit habe ich den Satz „wir meinen es doch nur gut“ wahrlich hassen gelernt, damit bekommt man mich heute noch auf die Palme. Aus anderen Gründen zog ich dann nach 7 Monaten wieder aus.

5. Die erste Kinobesuch
Ich fand Bud Spencer als Kommissar Plattfuss (ich war wohl sehr jung) richtig toll. Ein regulärer Kinobesuch war zu teuer, deswegen war die Mainzer-Ferienkarte, die vieles in den Sommerferien den Schülern zu verbilligten oder zumindest sehr stark vergünstigten Preisen zugestand, sehr willkommen. Da war dann auch der erste Kinogang möglich. Mittags um 12.00 Uhr betrat ich das Kino in Mainz (am Marktplatz, Rex-A) und um 12.10 Uhr war ich wieder draußen. Nur mühsam könnte ich meine Empörung darüber beherrschen, dass das Programm einfach so geändert wurde, denn man zeigte Filme mit einem Urviech, Gozilla oder so. Noch  lange nachdem ich den nächsten Bus nach Hause stieg tobte in mir die Wut über das verschwendete Eintrittsgeld. Erst die Mutter zu Hause klärte mich auf, dass es im Kino immer auch eine Vorschau von 30-45 Minuten gab. Sie fuhr mich sofort wieder hin und ich konnte zumindest noch die restlichen 45 Minuten von Bud Spencer sehen.

6. Das erste Auto
a) Hatte ich schon mal zum Thema. [klick]

7. das erste Mofa
Eine Katastrophe, eine Kreidler Florett, vom Freund geliehen, ich bekam Gas/Bremse nicht auf die Reihe, dicke Beule am Tank, Kratzer am Helm, Freund stinksauer, nie wieder.

8. Der erste Schuss
In der Kaserne bekam ich eine Waffe in die Hand gedrückt. Ein seltsames Gefühl das Ding in der Hand zu haben und zu wissen was man damit alles anrichten kann. Wenn es ohne gegangen wäre, ich hätte nichts dagegen gehabt. Nach intensiver Schulung und Einweisung und einbläuen der Umgangsregeln, ging es zum ersten Mal mit einer Pistole auf den Schießstand, einer SigSauer P6 [pic]. Wir waren alle sehr nervös, drauf bedacht ja keine Regeln zu verletzten, geschweige denn uns sonst irgendwie verkehrt zu verhalten. Es half nichts, das Schießen gehört nun mal dazu, also ran an den Schützstand, Waffe geladen und auf die ca. 5m entfernte Zielscheibe mit Ringen geschossen. 50 – direkt beim ersten Mal, alle 5 Schuss mitten rein. Der Ausbilder machte große Augen, ich noch größere. Der Kamerad in der Nachbarbox (Großmaul mit reichlich Schützenvereinserfahrung, wie er jeden von uns innerhalb des Lehrgangs mehrmals am Tag ungefragt wissen lies) verzockte 3 der 5 Schuss, die restlich 2 gingen in die 5. Der Ausbilder meinte trocken, dass sich die Kugeln dann wohl doch nicht ins Ziel quatschen ließen. *hihi* Fortan sah ich ich den Umgang mit Faustfeuerwaffen als sportliche Herausforderung und irgendwie lag mir das sehr gut, ab 15 Meter Entfernung traf ich aber auch nichts mehr. Jedoch kam mir nie in den Sinn die P6 auch einmal in ernsthafter Absicht ziehen zu müssen. Da war dann nicht schön. Ich kann Waffen dennoch nicht leider.

Wer möchte ist wie immer sehr herzlich eingeladen das Hölzchen mitzunehmen und bei sich zu verschnitzen, würde mich freuen.