ach und sonst

Die letzte Woche war höllisch und kraftraubend, wir haben eine ~ 80 Stundenwoche durchgezogen und das Ding erfolgreich zum Abschluss gebracht. Wobei ganz fertig sind wir sicher noch nicht, aber fertig genug um gestern beruhigt nach Hause fahren zu können. Der Rest ist Prozesse glätten, User fein-schulen, usw. nichts davon kann ein Showstopper werden.

Das viele englische Sprechen hat sich unglaublich gut angefühlt, ich habe es so dermaßen vermisst. Auch wenn ich einiges verlernt/vergessen hatte, so lies es sich recht schnell wieder reaktivieren. Sogar eine Ganztagspräsentation in englisch konnte ich zum Schluss abhalten und die lies sich auch einigermaßen gut absolvieren.

Heute morgen habe ich im heimischen Bett wegen der _ungewohnten_ Geräuschkulisse zuerst etwas gefremdelt. Gegen 7 Uhr haben die Menschen vom Hotel die Bürgersteige vor dem Hotel mit Wasser gesäubert, ein Ding was hier vermutlich zur Anzeige führen würde. Dieses Rauschen und die anderen Hintergrundgeräusche (Spätheimkehrer, Müllwagen, die Türen von dem Nachbarzimmer, Hundebellen, Radklingeln, die Möwe (mit deren Hilfe ich dem early Bird den Finger gezeigt habe)) haben gefehlt.

Ich finde Helsinki und Finnland sauteuer, doch unglaublich toll und spannend. Die Sprache klingt trotz der fremden Laute, Betonung und Buchstabenkombinationen dennoch so etwas wie _vertaut_.  Wird es langsam gesprochen ist es eine Ohrenweide. So vertraut, dass ich mehrmals ein Taxi zur richtigen Adresse (Ola.rinluo.ma 11 und oder Ann.ank.atu) beordern konnte und ich mich nach meinem Gefühl in der Betonung der Straßennamen sehr finnisch geben konnte.

Ob es das Land/die Stadt zum Urlaub taugt weiß ich nicht, es wird ggf. auf einen Versuch ankommen müssen. Ich bin jetzt sehr entspannt und freue mich drauf in 2 Wochen meinen ersten echten Urlaub seit 10 Monaten antreten zu können. I’m beef, like „well done“  – so to speak.

Ein Schritt hinterm Zielstrich

Vorgestern lies es sich der finnische Chef ob des positiven Abschluss des Projekts nicht nehmen uns auszuführen. Er brachte uns zu einem Restaurant, auf einer kleinen Insel ein Stück vor Helsinki die nur per Boot erreicht und wieder verlassen werden kann. Alle 15 Minuten tuckert eine kleine Holzfähre um Gäste zu holen oder zu bringen.

Eine kleine erzählerische Rundfahrt während der Wartezeit um Helsinki inklusive, spannende Sache das. Ein sehr lauer Sommerabend schön warm und gemütlich auf der Haut, eine leichte Meeresbrise, die Sonne entscheidet sich lange nicht, ob sie untergehen oder lieber noch etwas sichtbar möchte, ein Ort zum versinken im Ausblick, dem Meer, dem Knarren des uralten Holz auf der Treppe, dem leisen Quietschen von Metall vom Bootshaus, diesem runden rauen Felsen auf denen auf wundersame Weise stellenweise Pflanzen wachsen, den Möwen über dem Dach und den persönlichen Stimmungen die das alles in Summe verursacht.

Das Restaurant ist ein Traum und von der ganz besonderen Sorte. Um mit seinem Nachbarn reden zu können muss man sich überdeutlich zur Seite lehnen, weil man so viel Platz hat, der nächste Nachbartisch ist 3 Meter weit weg, die Servietten sind aus schwerem Stoff und doch weich wie Seide, Kerzen flackern am vertikal gekippten Fenster, die Karte ist ein 2 seitiges handgeschriebenes(?) Kunstwerk, die Stühle sind kleine Sessel, alles drum herum ist Holz riecht und klingt auch so wenn der Wind etwas auffrischt.

Jeder der 4 Gänge wird von einer anderen Person begleitet, die einem Details dazu erzählt, während die Teller von anderen auf dem Platz drapiert (ganz bestimmt nicht gestellt) werden. Die finnische Aussprache gepaart mit der englischen Sprache ist eine sehr sympathisch klingende Mischung, selbst wenn nicht alles so flüssig und richtig herüber kommt. So springt Frau ins finnische und wird rot als sie es merkt, wiederholt eilig alles in englisch, verhaspelt sich dabei hemmungslos und lacht es letztlich einfach weg, irgendwie wieder typisch finnisch.

Und weil die Herrschaften den Getränken zugesprochen haben und die Strafen der finnischen Polizei auch bei nur minimalem Alkohol extrem gesalzen sind, bin ich später gefahren, in einem fremden Auto in einer fremden Stadt, deren Schilder ich zwar lesen aber nicht verstanden habe. Dabei darf ich feststellen, dass der Finne ein extrem disziplinierter Verkehrsteilnehmer ist und auch, dass die finnischen Straßenschilder (in rot-gelb) besser zu erkennen sind als unsere (weiß-rot). Die Disziplin mag auch am Strafsystem liegen, denn die Zahlungen sind abhängig vom Verdienst des letzten Jahres. Nach Erzählung kommt es so problemlos zustande, dass ein Strafzettel wegen Alkohol mal schnell 1.500 € kosten kann.

SO einfach ist es aber nicht zu fahren, auch weil Helsinki Zentrum zum Großteil noch Kopfsteinpflaster als Straßenbelag hat. Den Weg zur Bierbar habe ich dann doch noch gefunden, auch oder obwohl die Beifahrer alles versuchten mich in die Irre zu führen. Während ich später bei dem Hahn No.5 ausgestiegen bin, haben meine Kollegen dann alleine die Reihe wohl (annähernd?) komplettiert. Der nächste Tag war sowieso nur aufräumen und komplettieren angesagt, da brannte nichts mehr an.

Projektzielgerade

Wir sind weiterhin gut, in der Zeit und auch im Plan. Doch wie überall muss es …. Schluss jetzt. // Wir haben einen großen Platz in Helsinki gefunden, der voll war mit jungen Leuten war, Musik, Kneipen und Leben ‚over-all‘. Sehr tolle Atmosphäre, gutes pseudo-italienischem Essen in einer Systemgastronomie ähnlich dem hiesigen Vopiano oder wie das auch immer heißt. Die Frage der Köchin ob Chilli und Knoblauch haben wir beide zwar bejaht, doch wirklich geschmeckt haben meine Nudeln und seine Pizza weder nach Knoblauch, noch nach Chilli. Wir konnten zumindest draußen sitzen und maulfaul uns einfach vom Leben um uns herum berieseln lassen.

Dazu haben wir einen geilen Pub in Hotelnähe gefunden, mit 14(!) blank polierten kupfernen Zapfhähnen und Holzgriffen auf der Theke, jeder für ein anderes finnisches Fassbier. Müssten wir eigentlich durch arbeiten, zumal im Hinterzimmer richtige Dart (steel) gespielt wird. Jede Menge fremder Flaschen an den Wänden, Bierdeckeln aus aller Welt, bequemen Sitzbänken zum lümmeln und einer ruhigen und gediegenen Atmosphäre begleitet von leiser Rockmusik. Das Ding bei mir zu Hause wäre so was von Stammkneipe.

Der 6. Tag in Folge mit >12 Stunden zehrt, aber hindert nicht an der guten Laune unter uns beiden. Ich habe sehr viel über Neues über unsere System gelernt und doch kommt zuerst das Projekt und erst wenn das fertig ist, …… am Samstag geht es ziemlich sicher heim – hua! 😀

[für mich typisches Helsinki mit Licht / das ist nicht der oben erwähnte Platz]

Für mehr reicht es nicht


Heftige Tage gehen auf die Kondition, wir sind nach nunmehr 5 Tagen und etwas 75 Stunden zu fertig noch auf Entdeckung zu gehen, also nur ‚um‘ die Ecke für ein Kebab Big Mama und 2 kühle Helle draußen auf der Fußgängerzone. Dann noch eine Runde um den Block, einen Grappa bei einer netten Italienerin mitgenommen. Wir sind beide etwas maulfaul, müde und etwas abgekämpft, aber immer noch vor dem gesteckten Zeitplan. Das ist uns wichtig, weil das verschafft uns etwas Puffer vor den Bomben die wir noch befürchten.

Der Lacher des Tages: Ein Tussen-Locher (sry – insider)