Szenen einer Ehe

Sie (gähnend): Brötchen?

Er: vor Dir, schon geschnitten.

Wortlos und ohne(!) Dankeswort greift sie fahrig (weil schläfrig) danach, legt es vor sich hin und fischt mit dem Messer die Marmelade aus dem Glas.

Sie (jammernd): Ich habe gar keine Butter auf dem Brötchen.

Er: Kann vorkommen.

Sie: Gibt mir Dein Messer! (gähnend) Bitte.

Er: Da ist aber schon die Butter für mein Brötchen drauf.

Sie (gähnend): Kann vorkommen.

Er hilft selbstlos aus.

Szenen einer Ehe

Sie: Ich mag doch keine Sesam-Brötchen.

Er: Es sind auch andere da.

Er *Brötchen aufschneidet, auf die Teller verbringt und Kaffeeautomat bedient

Sie *Brötchen mit Butter beschmiert

Er *Kaffee zum Tisch trägt und sich setzt

Er: Wo ist die Oben-Sesam-Brötchen-Hälfte?

Sie *kaut und angelegentlich zur in der Nähe liegenden Werbepost schielt

Er: Hallo?

Sie *zuckt die Schulten und kaut weiter

Er: Du magst doch keine Sesam-Brötchen. Ist noch keine Minute her…

Sie: Nur unten nicht, oben schon.

Er *hmpf

Er: Und vermutlich auch nur, wenn sie schon geschnitten sind.

Sie *grinst und beisst neues Stück ab

Wortschöpfung des Tages

Minimalst-Brotausnutzung

Zu verwenden nach der geschickten und kunstvollen Belegung eines möglichst kleinen Brotendstücks (hierzulande auch gerne Knörzchen genannt // wichtige Nebeninfo hierzu: die Gattin liebt diese Brotendstücke gar sehr) mit einer um das mehrfache größeren Scheibe Brotsalami, die aus Gründen des Geschmackes und des Anstandes als unteilbar deklariert wird. Die Kunst der Belegung eines solchen Knörzchens mit eben der vorher erwähnten übergroßen Scheibe Brotsalami liegt darin den originär notwendigenPlatzbedarf der Brotsalami durch die Erzeugung von sogenannten Liegeschleifen nachhaltig zu minimieren.

Es ist zudem durchaus angemessen und gehört zum ‚guten Ton bei Tisch‘, nach der erfolgten Operation und unmittelbar vor dem Biss sein Kunstwerk angemessen zu würdigen und sich ggf. auch von anwesenden Frühstückgesellschaft ob der zur Schau gebotenen Fähigkeiten bewundern zu lassen.

aufpassen

Aus Gründen fällt das Frühstück am heimischen Tisch aus und ich warte bis ich im Büro bin. Während ich in der Büroküche stehe und zwei frische Brötchen mit dem Philadelphia-Milka Teufelsgemisch zubereite, blubbert der Kaffeeautomat an der Seite und baut meinen Milchkaffee zusammen, der Erste heute. Plötzlich steht er neben mir und fängt an zu reden, Lieferung….blubber…Verzögerung….bla…Beleg….blub… Ich unterbreche ihn und frage, was er glaubt, dass ich gerade mache. Brötchen schmieren sag er völlig korrekt. Ich gestehe ihm 10 Punkte zu. Und was glaubt er beabsichtige ich mit den fertigen Brötchen und dem fertigen Kaffee zu tun. Vermutlich frühstücken, stellt er wiederum völlig korrekt fest. Weiter 10 Punkte kommen auf sein Konto. Zum Abschluss frage ich, was er glaube ich während des Frühstücks und/oder dessen Zubereitung nicht ausführen kann? Er stutzt, also helfe ich. Am Schirm sitzen und Belegauskunft geben, zumal man selbst sowohl über alle Programme, sowie auch über die Kenntnisse verfüge diese Auskunft selbst einzuholen, anstelle gestressten und frühstückshungrigen Admins zur heiligen Zeit mit derartigen Banalitäten aus der Konzentration zu reißen, nur weil sie eben da stehen.