Zeichen und Wunder

Um 07.00 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt, Terminal 1 – Abflughalle. Es wuselt hier dermaßen, es sind für meinen Geschmack um diese Uhrzeit eindeutig zu viele Menschen hier um mich herum. Aber was hilft es, so besetze ich einen Checkin-Automaten und bringe ihn dazu, mir meine Tickets auszudrucken. Dann mache ich mich genügsam auf den Weg zum Gate, schlendere am Duty-Free durch (die Gattin mag nichts und ich finde nichts). Am Gate angekommen trinke ich noch entspannt einen Kaffee und greife  in die Tasche, um die verbleibende Wartezeit mit Musik zu versüßen. Insgeheim freue ich mich schon auf die 3 Folgen Friends (Staffel 02), die ich mir vorgenommen habe während des Fluges zu schauen. Nur greife ich nicht den iPod, sondern ins Leere, kein iPod – nichts – niente – nada.

Der Schreck boxt mir brutal in den Bauch, der Magen darunter krampft sich auch direkt brav zusammen. Noch nie habe ich etwas verloren, selbst einen Schlüssel noch nicht. Halt doch, stimmt nicht, einmal als junger Bursche habe ich einen 20 D-Mark Schein verschlampt. Der Kaffee schmeckt plötzlich überhaupt nicht mehr, ich habe mich zum dritten Mal in der kleinen Umhängetasche vergraben und finde ihn doch erneut wieder nicht. Na toll, in 5 Minuten ist Boarding, die Verlustanzeige und Aufnahme der Sachlage kosten ohne Zweifel >30 Minuten, ich bekomme das jetzt also nicht hin. Ich rufe die Gattin an und schildere ihr meinen Verlust. Boah, was bin ich sauer auf mich, da passe ich einmal für 2 Minuten nicht 100%-ig richtig auf und in dieser kurzen Zeitspanne zieht mir ein Drecksack meinen iPod mitsamt Kopfhörer aus der Tasche. Inbrünstig hoffe ich, dass dem Kerl irgend etwas richtig widerliches, mit möglichst viel Schmerzen widerfahren möge und doch bin ich selbst der eigentliche Trottel. Sie ruft sogleich im Fundbüro/Polizei an und versucht alles weitere zu regeln, während ich in Richtung Berlin fliege.

Es wurde alles aufgenommen und ich solle/könne bitte 3-7 Tage warten, wie sie mir nach der Landung in Berlin schildert. 3-7 Tage sind Folter und Schande zugleich. Kurz ertappe ich mich vor den Arkaden am Potsdamer Platz dabei, meinen Frust in einen umgehende Neukauf ertränken zu wollen. Parallel dazu entwickle ich so etwas Aggressionen wider mich selbst. Es hilft jedoch nichts, die Reisemusik ist futsch, der Pod ist futsch, alles ist futsch. Ich bin der Idiot des Tages. Von wegen, mir passiert es nicht, dass einer lange Finger machen kann. Siehst du doch, du Lusche. Selbsthäme ist nicht sicher nicht hilfreich, aber effizient genug um den Adrenalinspiegel nicht sinken zu lassen. Beim Gedanken, dass ein fremder Mensch mit seinen diebischen und verdreckten Händen, meinen iPod festhält, sich an meiner Musik zu schaffen macht seine schwarzen Fingernägel die polierte und seidig glatte Oberfläche berühren *argh* ich könnte mich ….

Der Tag ist zum Glück äußerst betriebsam und auch sehr interessant, ich vermisse meine Musik und das vertraute Gefühl ihn bei mir zu haben dennoch. So bin ich den Geräuschen des Alltags schutzlos und ungefiltert ausgesetzt. Schlimm wie sehr man daran gewöhnt ist, sich bei Bedarf einfach abkapseln zu können.

Gegen Abend findet sich gottlob doch noch Zeit, sich mit einem lieben Freund zu treffen und noch später am Abend eine beeindruckende Demonstration der Kombination PS3 => 40″ Plasma-TV => Teufel 7.1 Soundanlage zu erleben. Ein erschütterndes Erlebnis, ich will auch so was, frage aber erst gar nicht, weil ich es sowieso nicht darf, das weiß ich jetzt schon. Auch weil das weit über 100 Jahre alte Mauerwerk unserer Behausung diese massiv geballten Schallwellen nicht ohne Schaden überstehen kann und auch auch wegen des Basswürfels, der unserem kleinen Herd rein von den Abmessungen gesehen durchaus den Schneid abkaufen könnte.

Die Gattin hatte zwischenzeitlich von einer Nachricht berichtet, dass ich mich morgen (also heute) doch bitte im Fundbüro auf dem Flughafen einfinden möchte. Der Rückflug war zu spät um noch etwas ausrichten zu können. Als ich heute morgen dann pünktlich um 8.00 Uhr vor deren Tür stand, wollte ich es 3 Minuten später nicht glauben, doch es geschehen wirklich noch Zeichen und Wunder:

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