drum froh ich bin

Zwangsweise schlendere ich zum Optiker, der mich mit wissendem Grinsen begrüsst, wir hatten am Vortag um mein Dilemma telefoniert. Er hätte es mir gleich gesagt das diese Aufsätze nichts taugen. Ich bestätige kleinlaut. Er nimmt die Bruchteile in Empfang, schiebt sie wortlos in seine Schublade am Schreibtisch und schaut mich frech an. “Was machen wir?” Er spricht nicht über Geld. Er ist nett, doch noch eine Brille kaufen mag ich auch nicht. Eine Sonnenbrille mit Stärke hätte ich aber schon gerne und bräuchte zudem auch eine. Wir reden und frotzeln uns gegenseitig ein wenig um Uhren und Autos, Urlaub und so weiter, bis ich ihn frage wie er dazu stünde, wenn er ein Brillengestell von mir bekäme und nur die Gläser beschaffen soll. Er hätte kein Problem damit, käme aber auf das Gestell an.

Am Vortag steckte ich meine uralt Ray-Ban aus den späten 90-igern in den Rucksack. Bis zu dem Zeitpunkt habe ich mich nie wirklich gefragt, warum ich ausrechnet die Sonnenbrille nicht entsorgt habe. Hier war ich plötzlich froh drum mich an sie erinnert zu haben. Sie lag die ganzen Jahre in der Brillenlade, die vornehmlich die Gattin mit ihren abgelegten Gestellen bevölkert. Er nimmt die Brille in Empfang und staunt. Au, sagt er, mit dem enthusiastischen Ton eines Optikers, der seine Job gerne macht, eine schöne alte Ray-Ban, gut gearbeitet, gute Scharniere, kein billiger China-Plastik-Scheiss dran, ein paar normale Tragemacken, aber nichts schlimmes. Die würde er mir sehr gerne wieder richten und auch Gläser mit meiner Stärke einbauen, das ginge prima, sie wäre wie dafür gemacht. Wir werden uns auch preislich einig, den Versuch mit dem Aufsatz lässt er erneut grinsend in der Schublade. 

Und da ist sie wieder, meine alte Recycling Brille:

Rayban

Ich mag meinen Optiker.