Bitte

Die Gattin wünscht in Mainz zu bummeln. Hier nun die Bitte an die Mainzer Ladenbesitzer doch die guten Sachen jetzt nicht sofort wieder wegzuräumen. Wir brauchen wirklich dringend blaue (nicht jedes blau ist auch DAS Blau) flache Schuhe und braune (nicht jedes braun ist auch DAS Braun) Hosen. Endlich. Bitte. Ich kann nicht auf ewig nach den Sachen mitjagen und dabei nie ein Erfolgserlebnis haben. Das demotiviert mich ungemein, die Gattin jedoch stachelt es nur an. Sie sehen das Problem doch nun auch, oder?

Hosenkauf mit Dame

Drama. Entweder es hat zuviel Auswahl und Frau weiß so nicht welche würdig ist anprobiert zu werden, oder die Preise sind mit einem Würfel ermittelt worden (3 Würfe-3Stellen), oder die Passform ist katastrophal. Man fragt sich derweil nach welchen Schnitten genäht wird. So viele schlecht sitzende Hosen bei richtiger Größe kann es doch gar nicht geben. Verzweiflung treibt uns in den nächsten Laden. Ach das ist alles nicht so einfach. Außerdem versucht frau mich ständig zu was lila zu überreden. *grumpf*

3 Hosen

Weil wir gerade beim gereizt sein sind, der Schneider hat insgesamt 8 Fächer zum Aufhängen der Kundenware, die wild und fröhlich durcheinander gemischt werden. Anhand der Nummer auf dem Abgabezettel, will er nun meine 3 gekürzten Hosen finden. Auf die Idee die Sachen irgendwie nummerisch sortiert abzulegen, wird er sicher noch kommen. Also fragt man den Kunden, nachdem man alle Fächer studiert hat, einfach nochmal was er denn abgeliefert hatte. 3 Hosen zum kürzen, grau und anthrazit, Anzugshosen, keine Jeans oder Chinos. Er nickt eifrig und tut so, als wenn er nun wüsste wonach er suchen muss. Er fummelt sich durch die Stange mit den weißen Hemden, dann die Ecke mit den mehrfarbigen Jacken, dann die Reinigungsware (unter Plastik) … 3 Hosen? Ja 3 Hosen sage ich und alle in dunkel, in der Hoffnung ihm damit Unterstützung zu leisten, seine Suche rein farblich besser abzustimmen. Plötzlich brüllt ein Radio in arabisch merkwürdige Klänge, weil Junior in der Ecke sitzend wohl zeigen muss was er alles kann, den Knopf drehen zum Beispiel. Die Schimpftriade des Vaters zeigt keine richtige Wirkung. Er neigte den Kopf zu mir, 3 Hosen? Ja genau *knirsch*, 3 Hosen und alle dunkel. Er neigt sich nach vorne zum Tresen um mir damit zu sagen, er hätte nichts verstanden, weil der Araber im Radio einen nunmehr infernalischen Lärm veranstaltet. Der Papa nun ebenfalls wieder, denn der brüllt seinen Junior den Kopf zur Seite neigend nieder und grinst mich danach blöde an. 3 Hosen? *schnaub* Ja verdammt, 3 Hosen in dunkel. Er fängt wieder von vorne an, weiße Hemden, bunte Jacken, beige Klamotten, meinen Zettel stets gut sichtbar in der Hand, dennoch jedes Kleidungsstücke unabhängig der Farbe oder Art mit meiner Nummer abgleichend. Das Radio geht endlich aus, eine Wohltat. „Was ist jetzt? Ich möchte heute noch was anderes machen,“ sage ich unwirsch. Er gestand mir das durchaus zu, doch er fände die Hosen nicht. Ach was, denke ich mir, das ist jetzt aber schon etwas unerwartet. Junior hat nun sein Handy entdeckt und spielt scheinbar irgendwas, denn es sondert piepsige Arcadetöne ab. Diese Töne wiederum sind erneut recht laut und zudem sehr bohrend. Vielleicht hat der Junge auch ein Problem mit der Wahrnehmung seiner Umgebung, oder die nun erneut einsetzende Brüllerei seines Vaters hat schon bei früheren Vorkommnissen dieser Art die Hörschwelle gesenkt?  Wir werden es nicht erfahren, denn ich bin wieder dran, 3 Hosen? Ja, es reicht jetzt. Ich will meine Hosen jetzt sofort oder 200€ auf die Hand, damit ich mir neue Hosen kaufen kann. Dann ist es an mir dem Junior meine Lautstärke entgegen zu halten, denn die Arcadetöne stechen mich böse und ich kann auch laut. Der Fremdgescholtene zuckt zusammen und schaltet sein Handy mit Blick auf den gleichfalls verdutzten Vater sofort ab. Der Vater schaut mich an, ich sage ihm noch einmal, dass ich jetzt meine 3 Hosen will,  jetzt sofort und auf der Stelle oder er mir 200€ geben soll. Die Waffen scheinen halb gezogen, als die Frau vom letzten Mal aus den Katakomben des Ladens nach vorne kommt. Sie erkennt mich scheinbar und greift in das Fach mit den dunklen Hosen. Sie findet meine 3 nach zwei Wischern auf der Hängeschiene, legt sie auf den Tisch und sagt etwas in ihre Sprache zu mir. Sie wartet aber nicht auf meine Antwort, sondern dreht den Kopf und faucht den Junior an. Der springt wie von der Tarantel gestochen auf und verschwindet nach hinten. Dann widmet sie sich wortgewaltig und fuchtelig an den Mann, der sich zuerst etwas streckt und somit Widerstand signalisiert, dann jedoch an seine Nähmaschine geht und mich keines weiteren Blickes würdigt. Sie schaut mich an, hebt beschwörend die Hände in den Himmel und entschuldigt sich mit in ihrem leicht fehlerhaften Deutsch, jedoch in einem durchaus sympathisch verlegenen Dialekt. Ich habe meine 3 Hosen, gekürzt, mehr wollte ich doch gar nicht.