Imogen Heap in der Batschkapp

Wann habe ich schon mal erlebt, dass der Star eines anstehenden Konzertes als erstes und pünktlich(!) auf die Bühne kommt, das Publikum als erstes begrüßt, dabei eine Vorgruppe ankündigt und auch schon wieder abtritt? Wann habe ich es dann auch schon mal erlebt, dass der selbe Star nach der Vorgruppe erneut auf die Bühne kommt, wieder mit dem Publikum plaudert, dabei wiederum eine Vorgruppe ankündigt und wieder abgeht? Antwort: Noch nie, außer gestern. Und jedes Mal war sie umgezogen [stellte das rebhuhn mit Kennerblick fest].

Briten können ja so oder so sein, sie ist eine von der Sorte, mit einer sehr guten und verständlichen Aussprache. Auf der Bühne bewegt sie sich, als wenn sie zu Hause im Wohnzimmer stünde und dort etwas aufführe. Ein klein wenig verschroben ist sie ja schon, das ist dann wohl die extra britische Note. Lustig und irgendwie nett quirlig, angenehm aufgedreht ist sie aber auch. Die Person kommt auch ohne Musik höchst sympathisch rüber.

[youtube]NPeACeVyF4w[/youtube]

[Imogen Heap – Just for now (a capella with audience support – live)]

Sie erzählte viel, sehr viel sogar, plauderte permanent zwischen den Stücken mit uns, erzählt Geschichten zur Entstehung der Lieder oder plappert auch mal irgendwelchen Unfug. Das alles auf eine ziemlich unwiderstehliche Art und Weise, ihre(!) ganz besondere Art und Weise. Spätestens jetzt musste man von der Frau begeistert sein, auch wenn ihre Haare [Yes, I am doing my hair myself. really.] einem Vogelnest [© rebhuhn] ordentlich Konkurrenz machen würde. Sie trägt es [das Vogelnest]mit Stolz und weil sie es ist, passt es auch zu ihr.

Aufgrund der räumlichen Verhältnisse auf der Bühne, kommt es manchmal zu kleinen Konfusionen auf der Bühne, doch kaum ist die Musik dran, ist sie sehr konzentriert und fokussiert, brilliant im Timing. Also fast, ein Mal hat sie den Einsatz verpasst und diesen Patzer schon fast schamhaft weg geplappert und nichtig gelächelt. Wir haben es ihr mit Freuden verziehen. Es sollte noch erwähnt werden, dass die beiden Vorgruppen (Geesh (3 Personen) und Ben Christopher) auch ihre Band repräsentierten.

[youtube]Txedzax6zj0[/youtube]

[Imogen Heap – Hide and Seek (live)]

Viele Stücke wurden von live eingespielten Samples begleitet, sie bastelte mit vielerlei Hilfsmittel kunstvolle Loops, baute sie live aus oder um, es war irre zu beobachten was die Frau musikalisch alles in der Lage ist umzusetzen. Die Auswahl der Hilfmittel und Instrumente ist mindestens ebenso vielfältig wie außergewöhnlich, Mikrophon vor der Geige oder Bratsche, Tibetglöckchen, ein Essensgong, ein Stoffvögelchen mit elektronischem Stimmchen, eine Wasserglasorgel, so ein Stahlstangenstrichdings, Mikrophone an den Handgelenken [in die sie hinein pustete und gleichzeitig brummte], Trommeln, ein Plastikschlauch den die über dem Kopf schwang, eine Blechspirale , Keyboard(s), ein Harmonium usw. Wenn der ‚Hintergrund‘ dann fertig war und wir Zug um Zug die Entstehung verfolgen konnten, war der Gesamteindruck so selbstverständlich, so vertraut und harmonisch, es hätte einfach nicht anders sein können.

Ähnlich wie Raab es macht, schnitt sie teilwise den brausenden Applaus per sachter Geste ab, weil sie [sinngemäß] es mehr liebe zu spielen als uns zu viel klatschen zu lassen [@rebhuhn: richtig so?]. Auch wieder irgendwie typisch. Es gab auch Zugaben, doch sie fände es reichlich dumm so zu tun zuerst zu gehen, dann uns klatschen zu lassen, dann doch wieder zu kommen usw. Also blieb sie auf der Bühne und sagte uns, dass nun die Zugaben kämen und dann wäre Schluss. Sie hat es 2,5 Stunden auf der Bühne ausgehalten, kaum irgendwo still sitzend oder stehend, irgendwie immer in Bewegung.

Ach bevor ich es noch vergesse zu erwähnen: Das rebhuhn, dass ich vor dem Konzert in Wiesbaden aufgesammelt und danach wieder dort angesetzt hatte, kann mit den Fingern pfeifen und das so richtig laut. Die erste Frau die ich treffe, die so etwas kann. Und schnell wie ein Maschinengewehr reden kann sie übrigens auch. Ach ja. 😀

Ein wunderbarer Abend, mit leiser, phantasievoller, stimmungsvoller, wunderbarer, rockiger, tragender, begeisternder Indi-Pop-Musik, einer amüsanter und sympathischer Moderation und im rebhuhn eine ebenso sympathische wie amüsante Begleitung. Ich habe es mehr als nur genossen. Wir saßen am Ende noch ein paar Minuten im Auto, bis wir zurück nach Wiesbaden zu OLGA [=rebhuhns Auto] gefahren sind, das soeben gehörte und erlebte musste erst noch etwas sacken.

P.S. zu rebhuhns Konzert-Review bitte hier entlang.