Miststück

Der Wagen steht und ich steige aus. Kaum stehe ich draußen, höre ich vorne rechts herzzerreissendes Maunzen. Es ist aber kein Tier zu sehen. Schnell gehe ich ums Auto, dachte ich doch ich hätte eine Katze beim einparken erwischt. Auch wenn ich Katzen nicht sonderlich mag, muss ich sie noch lange nicht anfahren. Auf dem Bürgersteig sitzt also eine schwarz-weisse Katze oder Kater, was weiß ich und maunzt sich die Seele aus dem Leib. Ich nähere mich vorsichtig um mich zu vergewissern, ob ich nun erwischt habe oder nicht. Was mache ich wenn ja? Irgendwie schliesse ich es aus, weil so blöd kann die nicht sein, dass sie ein im Schritttempo ankommendes Fahrzeug nicht wahrnimmt und sitzen bleibt. Sie sitzt still schaut mich an und maunzt. Ich gehe runter auf die Knie, ca. 2 Meter von ihr entfernt. Sie steht auf und kommt auf mich zu. Bei mir angekommen streunert sie mir um das rechte Bein, lehnt sich an usw. Ich halte meine Hand mit der Außenseite in ihre Richtung, so wie es auch bei Hunden mache. Sie sieht meine reglose Hand an, holt aus und haut mir mit der Pfote kräftig eine auf die Hand. Sofort dreht sie sich um und verduftet flink in einen Garten. *aua* Blödes Vieh, warte es nur ab, wenn wir uns wiedersehen (und das werden wir), dann gibt es einmal Wasser aus der Spitzpistole oder besser gleich einen ordentlichen Tritt, dann sind wir quitt. *aua*

Schinken in der Tasche

Katzen haben mit mir nichts im Sinn und ich mit ihnen eigentlich auch nicht. In der Regel sehen wir uns, akzeptieren uns wie wir sind und sorgen in stiller Übereinkunft dafür, dass unsere Wege sich nicht näher als auf meine Armeslänge kreuzen. Ich werde somit nicht behelligt und ich behellige nicht. Das klappt, bis auf letzten Mittwoch. Ein Kater, der mich nun schon 5 Jahre „kennt“ unterschritt plötzlich die gesunde Distanz und wich mir nicht von der Seite. Er setzte sich gar innerhalb der Entfernung meines ausgestreckten Armes und bliebt dort auch noch frech hocken. Nach 5 Minuten intensiven Wartens, wurde ich seinen mit tiefen Augen verursachten starrenden Blick bewusst. „Irgendwo hier muss Schinken liegen und er will den“, das war meine Erklärung. Er wird schon wieder gehen, tat er aber nicht. Der Blick wurde weniger starrend, als vielmehr weich und verlegen (Interpretation), hin und her. So hielt ich meine Hand zufällig über die Lehne, während die andere Hand vorsorglich mit einer gerollten Zeitung ausgerüstet sich bereit hielt, falls nötig verlorenen Respekt und Abstand wieder zurück zu bringen. Nichts geschah, er streifte die Hand mit dem Kopf, einmal, zweimal, dreimal und immer heftiger. Der mutige und sachte Griff an den Hals wurde heftig gurrend und mit wohlwollendem Recken bekundet. Das hielt 10 Minuten, dann trollte er sich, aber nur um seiner Schwester Platz zu machen, die Gleiches mit mir spielte. Muss ich nicht verstehen.