Beschimpfung des Tages

Ich hoffe Du verreckst.
 

Anlässlich einer augenscheinlich stark erregten Dame in der Mainzer Altstadt, die fest der Meinung war wir hätten ihr den Parkplatz genommen. Ob wir uns vorgedrängelt tatsächlich haben? Nun, ich glaube nicht, sie stand 10 Meter weiter und telefonierte in aller Seelenruhe außen an ihr Auto gelehnt, erst als Sie uns auf den freiwerdenden Parkplatz zusteuern sah, stieg sie flink ein, setzte den Rückwärtsgang und blinkte. Allerdings in der falschen Richtung, doch das kann ja mal passieren. 

Außerdem sei sie schliesslich Anwohnerin und die hätten immerhin ein Vorrecht auf die öffentlichen Parkplätze. Nun, erwiderte ich, von einem Vorrecht (*hihi nice try) könne nicht die Rede sein, dazu war nicht zu ersehen, dass sie einen Parkplatz sucht oder den just freiwerdenden Parkplatz für sich beansprucht und last-not-least: wer zuerst kommt parkt auch zuerst. Das diese meine Einstellung jetzt nicht zwingend de-eskalierend wirkt ist mir klar, insofern habe ich mir die Beschimpfung sicherlich verdient. Außerdem auch gelernt, das ein simpler Parkplatzstreit unglaubliche Mengen an überflüssigem Fremd-Adrenalin ausschütten kann.

komischer Mensch

Er steht leicht unsicher neben mir, als ich beim Thai an der Theke meine Bestellung zum Mitnehmen aufgeben will. Ein gedrungner Mann mit einem glatten Gesicht, dem man sein Alter nur mit Mühe ansieht, eine blaue BaseCap auf dem Kopf. Die blonden Augenbrauen stehen im direkten Kontrast zu seinen tief-blau-schwarzen Haaren (miese Färbung). Ich schätze ich ihn auf Ende 50/Anfang 60, so in der Richtung. Seine linke Hand hält den Tresen fest, die Rechte weiß noch nicht so recht, ob sie in eine seiner Hosentaschen will, oder doch der linken Hand helfen muss. Er hat augenscheinlich ordentlich getankt, ziemlich sogar, ist aber scheinbar friedlich. Seine Augen kullern ein wenig, weil die Bedienungen geschäftig mit Teller und Gläsern an ihm vorbei wuseln. Es ist mir lustig mit anzusehen, wie er mit einer knappen Sekunde Verzögerung jeder vorbeieilenden Person hinterhersieht und dabei erfolgreich sein Gleichgewicht arangiert. Wenn die Hand nicht am Tresen wäre, sähe es sicher nicht so aus.

Meine Hose klingelt, ich ziehe das Phone aus der Tasche, die Bedienung hinterm Tresen sieht es und spricht nicht mich an, sondern den kleinen Mann. Der schafft es einigermaßen flüssig seine Bestellung um etwas Essbares aufzugeben, während ich meine WhatsApp beantworte. Er sieht es und fragt mich, was das immer für ein Geschiss ist, also das mit den iPhones und so. Ich verstehe die Frage nicht so recht, will eigentlich auch gar nicht und zucke nur neutral mit den Schultern. “Ne, ehrlich“ meint er, „was ist das immer für ein Geschiss mit dem Scheiss.“ Er lässt keinen Zweifel daran, dass er nun eine Antwort haben will. *sigh

Es telefoniert„, sage ich, „es kann schreiben und noch ein paar Sachen mehr. So halt“. Der Satz macht im Kontext zwar keinen Sinn, aber das merkt er sowieso nicht mehr. „Ah so“, sagt er angelegentlich und lässt seine andere Hand nun doch in die Tasche gleiten. „Und sonst”, will von mir noch wissen. „Alles prima“ meine ich, „toller Tag heute„. Er nickt oder wackelt, so genau kann ich das nicht bestimmen. Er schaut mir aufs Ohr, oder das Kinn oder die Schulter. %Gesprächspause%

Sein Kopf schafft es irgendwie in die Richtung der Tür zu wackeln, wo gegenüber die beste Tochter von allen auf einem Sims sitzt und sich eine Kippe dreht. Sie wäre ein bisschen jung für mich und grinst anzüglich. “Ne“ sage ich, “Tochter“. Er nickt. „Und wieso raucht sie?” will er wissen. “Das frage ich mich auch„, meine ich. Er verzieht den Mund zu einem Grinsen. Mein Essen kommt schon und ich will schnell zahlen. Er schaut mühsam nach unten, wo meine Hand am BookBook nach einem Geldschein fummelt. „Und wie ist das jetzt mit dem iPhone so„, will er wieder wissen. “Gut“ sage ich, „keine Klagen“. Das reicht ihm, er dreht sich zur Theke und beachtet mich nicht weiter. Schnell weg.

Menschen die mich sprachlos machen

Es gibt wenige, die Welt des Wissens jedoch gehört ab heute dazu. 

Merci liebe Welt, ich freue mich sehr, ganz besonders seit ich die verzweifelt wütende Suche in meinen Mails nach einer passenden Bestellung zu dem überraschend zugestellten Artikel eingestellt habe und auch die beste Tochter von allen nicht mehr im Kreuzverhör habe.   Sie sind toll, toll ,toll. *hugs

 

Meinen Enkeln

kann ich irgendwann erzählen, das ich damals dabei war, als beim Aldi in Wiesbaden Bierstadt die 3. Kasse geöffnet wurde und sich deswegen die Menschen in wilder Panik gegenseitig über den Haufen rannten. Ich wurde unfreiwilliger Zeuge eines verzweifelten Handgemenges zweier kinderloser Frauen, die sich zum Wohle ihrer ungeborenen Kinder näher ans rettende Band schleppten. Als das Chaos eskalierte waren wir schon auf der sicheren Seite. Der Schutzengel war bei uns.

Menschen die sich selbst nicht mögen

Von einer wildfremden Person „Scheiß Jogger“ in den Rücken hysterisch geschrien zu bekommen erfordert Aufmerksamkeit. Habe ich die Person beim Vorbeilaufen gestreift oder sonst irgendwie beeinträchtigt? Auf die Entfernung von ca. 3m beim passieren wohl kaum vorstellbar und doch unterbreche ich und frage warum sie diese Beleidigung mir denn in den Rücken schreit. Weil ich ein Jogger wäre und alle Jogger halt Scheiße sind. Ob ich ein Problem damit hätte? Aha. Das ist ja schon mal ein Statement. Mich interessiert es leidlich, fühle mich aber ob der aggressiven Art doch auch etwas ‚angefasst‘. Ich hätte kein Problem damit, weil mir die Meinung nicht sonderlich viel bedeutet, letztlich können sie Scheiße finden was sie wolle. Vielleicht tut es ja auch ein Spiegelbild, anstatt in der Öffentlichkeit herum zu pöbeln. In Anbetracht dessen, das wir uns just gerade für knapp 5 Sekunden ‚kennen‘ fände ich die Schlussfolgerung stark verführt und sie möge sich doch bitte in ihrem eigenen Interesse zusammenreißen. Ich wüsste nicht wovon ich rede, meinte die Person, wischt sich die Tränen aus den Augen und geht in anderer Richtung weiter. Völlig rat- und hilflos bleibe ich noch einen Moment stehen.