Rudelquarzen

Ab morgen noch 3 Tage mit den Öffentlichen pendeln, dann am Donnerstag hat mich mein kleines Schwarzes wieder und mein Testpendeln ist vorerst beendet.

Zeit für ein vorläufiges Fazit? Ne, ich weiß noch nicht. Gestern auf der Fahrt ins Schwimmbad eröffnete die Gattin das Thema, wie mir das Fahren mit Bussen und Bahnen letztlich gefallen würde. Nicht das wir abends nicht reden, oder Sie es nicht sowieso wüsste, es war eher so eine Summenfrage, so alles in allem gemeint. Ich habe ihr dann ein paar ihr bisher unbekannte Anekdoten erzählt, was sie sicht- und hörbar amüsierte. Ob es an der Art und Weise meines Erzählens lag oder es einfach nur komisch war? Hier kann ich das alles (noch) nicht in Worte fassen, dass muss ggf. erst noch etwas reifen. Aber eines, eines wird mir zu 100% garantiert absolut abgehen, das Rudelquarzen.

Die bundesdeutschen Bahnhöfe sind irgendwann zur rauchfreien Zone erklärt worden. Wer nun glaubt, dies geschah aus gesundheitspolitischen Gründen oder weil die Bahn daran interessiert ist ihre Kundschaft zu hegen, damit sie ihr (also der Bahn) länger treu bleibt, ist schief gewickelt. Das mit dem treu bleiben ist im Sinne deren Monopols zudem eine ganz andere Sache. Meiner Meinung nach hat man mit dem großflächigen Rauchverbot sehr effektiv vermieden, dass jeder Simpel seine ausgelutschten Kippen weiter im Bahnhof und/oder auf den Gleisen verteilt, anstatt sie in die Aschenbecher zu drücken. Ist ja auch viel cooler den Glimmstängel so einfach wegzuschnippen, James Bond und Jerry Cotton machen das ja auch so. Und da regt sich niemand auf.

Damit aber auch die rauchende Kundschaft zufrieden ist, hat man auf jedem Gleis ein gelbes Rechteck aufgemalt (meist am Anfnag des Bahnsteigs), mit einem Aschenbecher in der Mitte und einem „hier rauchen erlaubt“ Schild drauf. Dort stehen nun die Raucher ähnlich einer Herde Büffel beisammen, hübsch in den Grenzen des im Schnitt 5 x 3 Meter großen, gelben Rauchergatters und quarzen was das Zeug hält. Geht man daran vorbei, ist der Duft nach Rauch und Rauch teilweise atemraubend. Vor allem wenn es schön stickig und warm ist. Also nur schnell vorbei dort.

Wie oft erlebte ich morgens des vergangenen Monats, dass Menschen kaum aus dem Bus gestiegen, in den Bahnhof hechteten, sich flugs eine Ecke des Rechtecks auf dem Bahnsteig sicherten, um schnell vor Abfahrt des Zuges noch eine, zwei oder gar drei Kippen durch zu ziehen. Ich ging immer schnell an dem Rudel vorbei, hin und wieder einen schnellen Blick riskierend aber immer die Luft anhaltend. Die Art und Weise mit welcher Inbrunst und Wucht an den Kippen gezogen wird ist (aus der Nichtraucherperspektive) schon befremdlich. Mir macht das nichts, ich war 15 Jahre selbst Raucher und betrachte mich als tolerant, solange man mir nicht den Rauch ins Gesicht bläst oder mich sonstwie zwingt daran teilzuhaben. Die Gattin raucht übrigens auch. Das Üble für mich ist, dass wenn Zigaretten in einer derart kurzen Zeit durchgezerrt werden, einem für einen gewisse Zeit ein ekliger und übler Geruch nach Rauch und Nikotin anhaftet. Diese Schnellraucher dunsten es quasi aus der Haut, es hat sich eine widerliche Geruchswolke um sie gebildet, es strömt aus der Kleidung, aus den Haaren, aus allem. *schauder* Und jedes Mal wenn ich es absolut nicht gebrauchen kann, weil ich geruchsmäßig sensibel drauf bin (fragt nicht), hockt sich so eine Wolke neben mich. Wenn man sich in in einer Raucherkneipe einen vollen Aschenbecher hockt, riecht es sicher auch nicht anders. Als ich noch selbst Raucher war mochte ich es schon nicht, nur ist es einem erst dann aufgefallen, wenn die Person sehr dicht zu einem kam. Als nunmehr 9-jähriger Nichtraucher hat sich daran nicht wirklich etwas geändert, dicht muss nicht mehr sein. Ich bin sowieso irgendwie geruchsempfindlicher geworden.

Ich ging dann bisher meist auf einen anderen Platz, weil ich es einfach nicht aushielt mich derart beräuchern zu lassen. Jedes Mal fragte ich mich, warum ich nicht höflich den Stinker sich einen anderen Platz suchen lasse. Und jedesmal kann ich mir keine Antwort geben. Vielleicht weil es einfach zu viele Raucher gibt und meine Bemerkung, wenn ich an den Falschen gerate (was mir dann auch sicher widerfährt) nur einen sinnlosen FlameWar erzeugen würde. Wenn es sinnlos scheint, macht ein Konflikt auch keinen Sinn. Oder in bin dann einfach nur feige, das kann auch sein.

[Bild © Stebchen / www.pixelio.de]

einpendeln

Tag eins im Pendelexperiment.

Ich habe keinesfalls vor jeden Tag im Detail hier auszubreiten, das wäre mir dann doch zu blöd. Also alles in allem habe ich heute am ersten Tag nichts zu beklagen. Der Bus, der Zug, die U-Bahn waren alle pünktlich und haben ihrer Bestimmung gemäß das getan, was sie sollten.

Und wie geht es mir? Um es kurz zu machen, mir ist komisch zumute.

Es sind so viele Menschen um mich herum, dass bin ich länger als eine Aufzugsfahrt wirklich nicht mehr gewöhnt. Alles rennt immer irgendwie, schubst und drängelt andere zur Seite. Baldrick hilft mir vortrefflich mich von der aufkeimenden Ungemütlichkeit abzulenken. Das wird noch ein kleiner Kampf werden, bis ich damit wirklich umgehen kann.

Die in Frage kommenden Züge beginnen alle in Wiesbaden, insofern kann ich mir die Plätze aussuchen und es wird erst später voller. Meine Mitpendler sind ziemlich gemischt, viele Schlipse und Anzüge, Köstümchen und Hochhackige. Viele haben mit auch einen Knopf im Ohr, lesen Zeitung, Bücher schlafen weiter, vermutlich übliches Pendlerdasein. Die Gattin hat mir eine Mini-Thermosflasche für Kaffee besorgt, was sehr praktisch ist. Brauche ich mir so nicht den teuren Bahnsteigkaffee zu kaufen. Ich spare wieder. 🙂

Bis auf das ich heute morgen etwas ziellos im Frankfurter Bahnhof herumirrte, weil ich den Zugang zur U-Bahn nicht sofort fand und dann letztlich am falschen Bahnsteig stand *räusper*, ging alles reibungslos und glatt. Beim hinterherschauen habe ich eingeprägt, besser auf die Banhsteigbeschriftung zu achten. Die U-Bahnen fahren gottlob im 5 Minuten Takt. Wegen des ‚Verlaufens‘ war ich dann erst um 8.45 im Office, also ~1 Stunde später als sonst. Kompletter Fahrtweg: 1.75h. Morgen geht es besser.

Der Rückweg war dann schon ein anderes Kaliber. Die Bahn hat ihren Job wieder fehlerfrei getan, ich denke der Spaß mit denen kommt erst später, im ‚Alltag‘. Was jedoch so alles an Passagieren einsteigt, treibt es einem die Sorgenfalten auf die Stirn.

Ich bin jetzt nicht unbedingt schmächtig oder so einfach zur Seite zu drängen, aber mit welcher Vehemenz da versucht wurde mich wegzuschubsen, war schon bemerkenswert. Irgendwann ist mir dann kurz und knackig der Ellenbogen ausgerutscht, dann hat geholfen, aber gut habe ich dabei nicht gefühlt. Sich derart unflätig zu verhalten muss doch nicht sein. Es scheint zudem der Aberglaube zu bestehen, dass wenn die S-Bahn anhält niemand genügend Zeit hat ein- und/oder aussteigen. So was von unhöflichem Gedränge, sich gegenseitigen blockieren und schieben nur um nicht vergessen zu werden … echt peinlich so etwas. Erfreulicherweise leerte sich die S9 recht schnell wieder und ich konnte mir einen Platz suchen. Wenig prickelnd fand ich dann, als sich ein geschätzter 140KG Mann mir gegenüber setzte. Mir war auch warm, aber muss man unbedingt 3 Wochen Sporthalle verströmen?

Ebenso frage ich mich, welcher hinversoffene Dickpfosten auf die Idee kam, Außenlautsprecher an Handys anzubauen. Das braucht echt keiner, zumal die Nutzer der Handys einen Musikgeschmack verbreiten, der ohne weiteres als strafbewehrt deklariert werden darf. Meine Ohrhörer lassen trotz normaler Lautstärke wenig bis gar nichts durch und doch…als ich einen dieser Musikliebhaber in seinem Schwofen vertieft drauf hinweisen wollte, dass sein kratziges Gedudel extrem störe und er es bitte leiser machen möchte, hat ein 1,90 Mann hinter ihm das schon auf sehr viel eindrucksvollere Weise geklärt. Er nimmt dem Verdutzen die Krachschachtel ganz sanft aus der Hand und schaltet es schlicht aus. Ganz ruhig, ohne Hektik und Stress. Dann gibt er es ihm wieder und schaut ihn in die Augen. „Fragen?“ Keinen Ton hat er sonst gesagt, sich nur das Dudelding geholt, es ausgeschaltet und dieses Wort gesprochen. Wie geil. Solche Coolness mag ich. Der Dudelkönig hielt auch brav seine Klappe, nahm sein Handy wieder stumm in Empfang und blieb auch stumm.

Also Herr Nokia, Frau Sony-Ecrisson usw, bauen sie bitte die Außenlautsprecher von ihren Handys wieder aus. Das tut nicht Not.

Kompletter Fahrtweg bis vor die heimische Haustür: 1.25h – geht doch (ich wusste ja nun, wo alles ist. *räusper*)

tausche Karte gegen TÜV

Die Fahrkarte fürs Testpendeln ist aufgrund der kranken Göttergattin, die der Betreuung bedurfte leider ungenutzt verfallen. Wie ich soeben durch Zufall erfahre, hätte ich lustigerweise meine Zeitfahrkarte auch zurück geben können, unter Anrechnung eines Abzugs vom 25% des Kartenpreises pro Tag, beginnend vom 1.Tag der Gültigkeit. Das wusste ich nicht und RMV schreibt es auch nicht, oder besser ich habe es nicht gefunden. Steht vermutlich wieder im Kleingedruckten, irgendwo hinter 14-fach verschachtelten Sätzen versteckt.

Warum muss das Kleingedruckte eigentlich immer Kleingedruckt sein? Weil es sonst nicht Kleingedrucktes heißen könnte, logisch. Aber warum? Wieso kann man das nicht normal groß schreiben und drauf pochen, das der Kunde dessen wertvollstes man im Sinn hat, dies auch liest? Ein Großteil dessen verstehen sicher nur juristisch ausgebildete Leute und die Masse an normal gebildeten steigt kaum durch. Und weil dann die Kunden die ganzen Vertragsangeln, Nutzungsbeschränkungen und andere fiesen Sachen leichter lesen könnten, die vielerorts dort rein gepackt werden.

Ähnliches gilt für die EULA die man abnickt, will man Software installieren. Wer liest denn da drinnen nach, womit er sich überhaupt einverstanden erklärt? Ehrlich? Ich auch nicht mehr. So kann man als ‚ehrliches‘ Unternehmen dann getrost sagen, „es stand ja da, sie hätten es nur lesen müssen“. Irgendwie unwohl fühlt man sich doch unwohl dabei es nicht zu lesen. *grübel*

[klick auf das Bild zum vergrößern]

Das kleine Schwarze ist also wieder fit und das Loch im Geldbeutel zwar spürbar, aber nicht ohne Boden. Allerdings fürs angepeilte Spielzeug reicht es nun leider nicht mehr. Also warte ich.

kein Testpendeln

Das Testpendeln muss auf kommende Woche verschoben werden. Die Gattin hat sich eine übel schmerzhafte Augenverletzung zugezogen und kann quasi kaum etwas alleine machen, tägliche Arztbesuche inklusive.

Geständnis: Ich neige zu oberflächlich pessimistisch hysterischen Anfällen, wenn es um meine beiden Mädels geht. Auch wenn man es mir nicht unbedingt anmerkt. Was hilft es wenn man sieht, dass ich mir tierische Sorgen mache, mein Herz in der Hose eine Runde nach der anderen Volley ohne Ball spielt und überhaupt … es geht ihr gut – es geht ihr gut – es geht ihr gut.

[Bild © OpaRolf / www.pixelio.de]

Gottlob habe ich einen Chef der Verständnis für meine Situation hat und mir Homeoffice gönnt, sowie auch mein Team, was mich unterstützt. Merci.

umpendeln

Das kleine Schwarze kommt also am 30.06. für 1-2 Tage in die Werkstatt. Ab dem 01.07. werde ich für den Rest der Arbeitswoche dann dem Abenteuer ich pendle testweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln begegnen. So richtig wohl ist mir aber nicht dabei, wirklich und wahrhaftig.

Anyway, ich werde mich ver’iPod’den, ohne Scheu schnurstracks in die Hölle der griesgrämigen Morgenmuffel schreiten und jedem Paroli bieten, der es wagt diese einzufordern. Wohlweislich dessen, dass ich selbst einer dieser Muffel bin werde, weil ich um die Uhrzeit so viele Menschen um mich herum beileibe nicht gewohnt bin. Der Vorteil alleine im Auto sitzend in den Tag zu kommen ist für mich im Laufe der Zeit auch wegen der scheußlichen Pendlergeschichten meiner Kollegen zum hoch geschätzten Luxus geworden. Angesichts der stetig steigenden Spirtpreise allerdings einer der überdacht werden will muss.

Ich mag also austesten wie es anginge und es sich anfühlt, wenn ich auf die tägliche Fahrerei mit dem kleinen Schwarzen verzichte und regelmäßig mit den Öffentlichen pendeln würde. Aus Sicht eines erfahrenen und im Laufe der Zeit auch leider immer wieder zunehmend genervten Pendlers genügt eine Woche wohl kaum, um sich ein umfassendes Bild zu verschaffen, aber für den Anfang wird es das tun. Mehr bin ich vorerst nicht bereits zu tun.