Bastelstunde – Backup für ein Medien-NAS

Meine Medien (Filme, Musik etc.) liegen auf einem QNAP NAS (TS-419 P II – 4 Bay, 2.73TB im RAID 1, was eine Nettokapazität von 8,06TB ergibt). Die Macs, iPads und Linux hier im Haus verbinden sich bei Bedarf via WLan/LAN auf SMB-Freigaben und holen sich was sie brauchen, Windows darf das nicht, weil es nur noch ein Rechner für Steam ist. Backups machte ich bis dato via manueller SyncJobs auf externe Platten, die ich danach verräumte.

Das funktioniert, dann wird man zu faul, vergisst es, macht es trotz Vorsatz doch wieder nicht und plötzlich hat man ein 4 Monate altes Backup. Das geht so nicht, denn in dem medien-NAS steckt eine Unmenge Geld und Arbeit. Das muss geändert werden. Backups gehören weitestgehend automatisiert und ausgelagert.

1. Backup der Muisc-Libary
Alle Musikdaten (iTunes) liegen auf meinem MacBook und werden via CronJob und rsync regelmäßig im WLan aufs NAS gespiegelt. Die TimeCapsule eignet sich hierzu leider nicht, die ist zu klein. Eine neue 3TB zu kaufen wäre eine Möglichkeit, aber was mache ich dann mit den Videos? QNAP bringt diverse Backup- und Synctools gleich mit, man muss Sie nur zweckmäßig einsetzen.

Das Medien-NAS kopiert somit die komplette bereits gespiegelt iTunes-Library vom MacBook mitsamt Nebendaten einmal die Woche des Nächtens auf einen separaten Dropbox-Account. Als Privatmensch kann man dort 1TB mieten, das kostet nur 99€ im Jahr. Man kann auch mehr kaufen, jedoch nur als Pro-Account mit einer Mindestabnahme von 5 Lizenzen. Jeder dieser Lizenzen kostet 10€ im Monat, also 50€, oder 600€ im Jahr. Die 5 Stück muss man nehmen, ob man sie braucht oder nicht. Google kommt mit 10TB, jedoch für 99€ im Monat, das sind 1.188€ im Jahr. *gulp Es gibt noch andere Anbieter auf dem Markt, meist im europäischen Ausland. Dort kann man als Privatmensch einen Account von 10TB oder mehr Cloudspeicher für 10-20€ im Monat anmieten, doch im Kleingeduckten steht dann, dass die Accounts nur mit 10mBit Anbindung versehen sind, oder sonstige Nutzungseinschränkungen besitzen. Bei 10mBit läge die maximale Datenrate bei ~1,1MB/s, realistisch sind 800kb/s. Alleine die Videos auf dem NAS würden auf diese Weise über 30 Tage brauchen bis das initiale Backup fertig wäre. Für diese Zeit wäre mein Internetanschluss aber maximal ausgelastet. Das ist inakzeptabel und auch nicht funktional. Amazon und sein CloudLösung zog ich auch in Betracht, habe aber die Berechnung der möglichen Kosten nicht auf die Reihe bekommen. Da bin ich zu blöd für und habe es dann gelassen. 

2. Backup der Videothek – was ich letztlich gemacht habe
Über eBay erwarb ich ein kleines QNAP NAS (TS-219 P II – 2bay) ohne Platten, eine 3TB und 2TB lagen noch im Schrank. QNAP erlaubt gottlob verschiedene RAID-Modi, darunter auch JOBD. Damit werden die Platten im NAS zu einem logischen Verbund zusammengefasst und die Kapazitäten nahezu aufsummiert. Da es ‘nur’ ein Backup sein soll, benötige ich keine Redundanz. Somit hätte ich ca.5TB an Backup-Kapazität, reichlich für meine Zwecke.

Da ich kein LAN-Kabel durch Haus ziehen kann und nicht will, WLan zu weit weg ist, bleibt nur noch Power-LAN als alternatives Tool der Wahl. Power-LAN leitet mittels spezieller Adapter den Netzwerktraffic durch das hausinterne Stromnetz. Ich habe keine Erfahrung damit, also erstmal musste ich mich kundig lesen. Das deutsche Unternehmen Devolo ist wohl der bekannteste Anbieter dieser Adapter, andere Hersteller aus dem chinesischen Raum siegen im Preisvergleich, stürzen aber in Punkte Qualität und Zuverlässigkeit gnadenlos ab. Gekauft habe ich dann Devolo 550 Lan StarterKit. Etwas Sorge hatte ich nach der Lektüre wegen der doch stellenweise sehr alten Elektroinstallation im Haus, doch wenn ich Steckdosen mit den neuen Kabeln nutze, sollte es gehen. So habe ich mich die ganze Woche schon drauf gefreut meinen Plan endlich live zu testen. 

Nachdem alles aufgebaut und konfiguriert ist (ist mit etwas Wissen um QNAP und Netzwerk nicht wirklich schwer) habe ich als erstes den Datendurchsatz und die Stabilität am Power-LAN getestet.

Datendurchsatz mit Devolo-Powerlan im Altbau:
innerhalb der Wohnung (nur Altverkabelung): 12-18MB/s leider nicht sonderlich stabil
innerhalb der Wohnung (nur Neuverkabelung): ~25MB/s sehr stabil
NAS im Keller (Neukabel – aus dem DG und 2 Etagen dazwischen) ~13MB/s sehr stabil – check, das reicht mir.

Für das initiale Backup stelle ich das NAS wieder in die Wohnung und später kommt es in den Keller, ein Fliegennetz drüber damit keine Tierchen hinein krabbeln können, eine kleine USV um Spannungsschwankungen auszugleichen und fertig.

Leider ist eine der Platten aus meinem Schrank doch defekt, die muss ich noch tauschen. In einem Jahr wird der vorab bezahlte Dropbox-Account aufgelöst und alles wird runter in den Keller gesichert. Ich habe mir quasi mein eigenen kleines Backup-Rechenzentrum gebaut.  

Kosten:
NAS TS-219 P II: ebay-kleinanzeigen 110€
Devolo Power-Lan: Amazon 80€
WD 3TB Neu-Platte: Amazon 110€
USV: Amazon 80€
Zeitaufwand: 2-4 Stunden

Die QNAP NAS sind bei der Netzwerkkonfiguration manchmal ziemlich zickig, da darf man nicht die Geduld verlieren. Wer Fragen hat oder Hilfe beim eigenen Aufbau einer zweckmäßigen NAS-Backuplösung braucht, darf sich gerne in den Kommentaren melden.

fehlgeschlagene RAID Prüfung

Aus unbekannten Gründen ist mein NAS gestern Abend stehen geblieben. Sauber herunterfahren wollte es sich auch nicht, also blieb mir nur den Stecker zu ziehen. Das jedoch ist bei einem RAID (ich fahre ein RAID5 mit 4 Platten) eine weniger gute Idee, weil damit unter Umständen sich im Schreibvorgang befindliche Dateien noch unerledigt im RAID-Controller befinden können. Mir blieb aber augenscheinlich nichts anderes übrig.

Der manuelle Neustart des NAS mündete in der erwarteten Meldung auf der Verwaltungsoberfläche, dass das Dateisystem möglicherweise ‘unclean’ sein könnte und man eine Prüfung des RAID laufen lassen sollte. In der Verwaltungsoberfläche NAS gibt es dafür eine Funktion.

Vor der Prüfung schaltet man zur Sicherheit alle auf dem NAS laufenden Tools und Services ab, damit es während der Prüfung nicht zu neuen Schreibvorgängen kommen kann, das könnte weitere unerwünschte Nebeneffekte mit sich ziehen. Nach etwa 5 Minuten jedoch meldete sich das NAS mit dem lapidarem Fehler:

[RAID5 Disk Volume: Drive 1 2 3 4] Examination failed(Cannot unmount disk by utilReque).

Mehr nicht. Panik ist erst einmal nicht von Nöten, doch ist es rätselhaft warum genau die Prüfung fehlschlägt. Wenn man etwas Linux beherrscht weiss man, dass der Unmount einer Platte immer dann fehlschlägt, wenn noch ein Dienst auf die Platte zugreift, oder ein Schreibvorgang just gerade stattfindet, die Platte wird als “busy” gekennzeichnet. Ich vermutete also einen weiterhin im Hintergrund laufenden Service, der den Unmount des RAIDs verursacht. Nur welcher?

Da die Verwaltungsoberfläche des QNAP NAS hier nicht mehr hilfreich ist, wechselte ich auf die Konsole (ssh admin@%IP_DES_NAS Linux und Mac User können das mit Boardmitteln machen, Windows-Nutzer müssen sich puttY installieren) und dort weiter zu suchen. Auf dem NAS läuft ein angepasstes Linux, also helfen die üblichen Kommandos sich die einzelnen Prozesse und Dienste anzusehen. Mithilfe des Kommandos “top” konnte ich einen immer noch laufenden FTP-Dienst ausmachen. Der lies sich zwar ‘killen’ doch startet der immer wieder. Tante Google brachte letztlich die Lösung:

Bildschirmfoto 2014 09 23 um 08 42 22

(quelle: http://www.mrbuckykat.com)

Danach lief die Überprüfung des RAID fehlerfrei durch, es wurden alle ‘offene’ Schreibvorgänge abgeschlossen, das DateiSystem gesäubert und alles ist wieder fein. 

In dem Zusammenhang: Es hätte auch schief gehen und das Dateisystem des RAID hätte einen irreparablen Defekt davontragen können. In einem solchen Desaster muss man das RAID neu aufbauen und alle Dateien auf dem NAS gehen verloren.

Daher gilt: Ein RAID-System sorgt nur für eine verbesserte Ausfallsicherheit/Verfügbarkeit von Daten, es ersetzt kein Backup!