Just

als ich am Tisch sitze, meine Bestellung abgegeben habe und das eBook im Handy zu lesen beginne, setzten sich 2 alte Ehepaare an den Nachbartisch. Man nickt sich grüßend zu und denkt weiter an nichts böses. Kaum sitzen die Damen jedoch beginnt ein Wortschwall zwischen den beiden sich zu entwickeln. Es ist unmöglich sich auf das Buch zu konzentrieren, die Beiden sind so laut und durchdringend in der Tonlage, wie ein schwarzes Loch saugen die Beiden alle Aufmerksamkeit im Umkreis von 5 Meter auf. Dabei stört es sie augenscheinlich kein bisschen, dass die Besetzungen der Nachbartische recht verstört in Richtung des Auges der Wortsturms schauen. Ich verabschiede mich vom eBook, es ist wirklich unmöglich ein Wort zu lesen, zuviel Störfeuer von rechts. Gottlob kommt derweil der Kellner mit der Vorsuppe. Beim Weggehen bestellen und reden die Beiden fast gleichzeitig auf den Kellner ein, mich wundert es sehr, dass er damit problemlos zurechtkommt, er schreibt und scheint alles zu verstehen was die Damen wollen. Der Einfachheit halber bestellen sie für die Herren wohl gleich mit. Die schauen sich derweil betreten um, ausdruckloses Gesicht, genervt, hungrig, unbequem. Die Nachbarschaft wird von den Damen verbal verarbeitet, erst die Ingeborg, dann Helmut, Hartmut, dem Friedrich seine Enkelkinder, Gerlinde, Josef, die vom Laden, die Komische unten vom anderen Laden und und und. Das geht bestimmt 10 Minuten am Stück ohne erkennbare Pause, bis deren Vorsuppe kommt. Es tritt Ruhe ein, die Damen essen, die Herren bekommen entspannte Gesichtszüge. Die Suppe ist fertig und sogleich wird der Rest der Nachbarschaft verarbeitet. Der Schwall verliert plötzlich an Wucht, der Salat kommt und eine Dame meint, sonst gäbe es nichts neues bei ihr. Bei ihr auch nicht, meint die Andere. Man sieht die Herren aufatmen und fassen Mut zum ersten Mal selbst etwas zu sagen. Wenn jetzt nicht auch gleich Ruhe gewesen wäre, hätten sie den Tisch verlassen. Die Damen schauen entrüstet zu ihren Männern und beginnen zu zetern, dass wenn Frau sich eine zeitlang nicht gesehen hat, dass Frau sich unbedingt austauschen muss. Das wäre den Herren egal sagt der Eine, während der Andere zustimmend nickt. Das Gezeter geht weiter, als ein bärbeissiger Bauarbeiter aus der hinteren Ecke der Terrasse rufe, dass jetzt gefälligst Ruhe zu sein hat, es wäre kurz nach Eins und Mittagsruhe, sonst gäbs Ärger. Er kümmert sich sogleich weiter um seinen Teller. Die Damen hatten scheinbar nichts dagegen zu haben, sind gar leicht verdattert, deren Herren blickten verschämt zu Boden und grinsten sich in den Bart. Das Ende war fast besser als eBook lesen.