Schinken in der Tasche

Katzen haben mit mir nichts im Sinn und ich mit ihnen eigentlich auch nicht. In der Regel sehen wir uns, akzeptieren uns wie wir sind und sorgen in stiller Übereinkunft dafür, dass unsere Wege sich nicht näher als auf meine Armeslänge kreuzen. Ich werde somit nicht behelligt und ich behellige nicht. Das klappt, bis auf letzten Mittwoch. Ein Kater, der mich nun schon 5 Jahre „kennt“ unterschritt plötzlich die gesunde Distanz und wich mir nicht von der Seite. Er setzte sich gar innerhalb der Entfernung meines ausgestreckten Armes und bliebt dort auch noch frech hocken. Nach 5 Minuten intensiven Wartens, wurde ich seinen mit tiefen Augen verursachten starrenden Blick bewusst. „Irgendwo hier muss Schinken liegen und er will den“, das war meine Erklärung. Er wird schon wieder gehen, tat er aber nicht. Der Blick wurde weniger starrend, als vielmehr weich und verlegen (Interpretation), hin und her. So hielt ich meine Hand zufällig über die Lehne, während die andere Hand vorsorglich mit einer gerollten Zeitung ausgerüstet sich bereit hielt, falls nötig verlorenen Respekt und Abstand wieder zurück zu bringen. Nichts geschah, er streifte die Hand mit dem Kopf, einmal, zweimal, dreimal und immer heftiger. Der mutige und sachte Griff an den Hals wurde heftig gurrend und mit wohlwollendem Recken bekundet. Das hielt 10 Minuten, dann trollte er sich, aber nur um seiner Schwester Platz zu machen, die Gleiches mit mir spielte. Muss ich nicht verstehen.