Anna Ternheim in der Batschkapp

Auf sie war ich sehr gespant. Beim letzten Besuch der Batschkapp sah ich die Vorankündigung und habe mir spontan vorgenommen die Frau live anzuhören.

Mittlerweile kenne ich den Weg zur Batschkapp auch mit dem Schlittchen gut genug und doch habe ich mich gestern doch wieder verschätzt. 30 Minuten vor Einlass schon da zu sein ist definitiv zu früh für diesen speziellen Veranstaltungsort. Dementsprechend konnte ich einen guten Platz, relativ weit vorne und rechts außen, ‚unter ‚ den Boxen ergatten. Zudem auch ein nettes Plätzchen ohne Gefahr, von den sonst vorbeilaufenden Bierbecherträgern angerempelt zu werden, die dann vielleicht aus spontaner Sympathie heraus ihr Gesöff auf oder unter mir verteilen könnten. Bisher ist es nicht passiert, aber es kostet Mühe auf meine Umgebung entsprechend aufzupassen. Leider war die Bühne sehr schlecht ausgeleuchtet um überhaupt einigermaßen Photos machen zu können. Dafür hat laut.de besser Bilder aus anderen Konzerten online.

Der Open-Act war „The Tiny“, ein echt skurriles Duo. Ein Vortrag so teilnahmslos wie auch kurzweilig. Eine Frau mit sehr prägnanter Stimme am Keyboard, ein schlacksiger Kerl am Kontrabass, Streichsäge (kein Scheiß) und Xylophon. 4 schnell vorgetragene und komische, weil hoch-depressive Lieder, keine Vorstellung oder sonstige Worte. Eine kurze Hand heben zur Begrüßung und der spätere Spruch: „If you would give us your money later, we will give you CDs“. Ich fand den Auftritt verwirrend, sehr sogar.

the tiny

Anna kam dann nach einer kurzen Umbaupause gegen 22.00 Uhr mit Ihrer Band, die (oh Schreck) auch die Beiden vom Open-Act als Mitglieder hatte. Das nennt man wohl Zweitverwertung. Egal, es gab überwiegend tolle Musik und auch etwas Stimmung im Saal. Ihre Richtung sind die eher ruhigen, traurigen und ‚vorsichtigen‘ Stücke,  obwohl sie auch flott spielen kann. Insofern habe ich nicht erwartet, dass es hoch hergehen wird. Live Musik ist einfach klasse, wenn Sie gekonnt vorgetragen wird und das kann sie allemal.

Anna Ternheim Konzertanfnag in der Batschkapp

Anna selbst kommt sehr zurückhaltend, schon fast schüchtern rüber. Sie hob ebenfalls nur kurz die Hand zur Begrüßung, kaum Stage-Talk, nur hin und wieder sehr kurze Hinweise zu den Liedern. Der ganze Auftritt wirkte sehr kühl und distanziert, sie und die Band vollständig auf die Musik konzentriert. Sie lebt ihre Lieder mitunter sichtbar auf die Bühne aus, oder sie kann gut schauspielern. Nach einer Stunde sollte schon Schluss sein, dann erst taute sie etwas auf, lachte herzlich ins Publikum hinein und wurde auch in Ihrer Körpersprache lockerer. Wir klatschten sie noch 3 Mal heraus und ja, sie wurde wirklich jedes Mal lockerer. Sehr schön war in der 2. Zugabe, dass sie sich mit der Keyboardspielerin an den vorderen Rand der Bühne stellte, weitab jedes Mikrophones oder Verstärkers und nur mit Gitarre ein Lied ‚aus-der-Hand‘ vortrug. Unplugged – ein sehr feines und gefühlvoll vorgetragenes Stück. Das alleine war es schon wert dort gewesen zu sein, auf diese Art Musik zu präsentieren stehe ich total.

Die Bühnenaufteilung fand ich etwas merkwürdig, links waren die Harmonien in Person der Background-Sängerin, des (nun) Cello-Streichsägen-Xylophon-Spielers, im Center vorne Anna, Center hinten das Keyboard und Xylophon, rechts dann Drums und der eBass-Kontrabass. Die Beiden rechts haben es sich teilweise richtig gut gegeben, so dass der Rest der Bühne etwas unterging. Das tat der Musik jedoch nur marginal einen Abbruch.

Mein Fazit des Konzerts ist durchweg positiv. Sie hat das gemacht, was ich erwartet habe: tolle und anspruchsvolle Musik. Die kleinen Ausflüge ins Progressive hätten nicht sein müssen, aber gut. Nach meiner Auffassung könnte sie etwas auf das Publikum zugehen, dann würde auch leichter ein kleiner Funke überspringen und sie selbst könnte sich beim Auftritt entspannen, oder so wie es war ist ihre Art. Sie ist dennoch der Typ Mensch, den man vom ansehen, aufgrund des Lächelns und der allgemeinen Präsenz gerne kennen lernen möchte. Bereut habe ich es demnach nicht, aber ein zweites Konzert ist kein Muss für mich.

Ihre neue Platte habe ich noch nicht, da muss ich erst hinein hören. Die beiden Anderen (1/2) sind im Stil des Konzerts und bestimmt keine Alltagskost, dennoch hörenswert. Mehr zu Anna Ternheim auf laut.de .