Beschimpfung des Tages

Ich hoffe Du verreckst.
 

Anlässlich einer augenscheinlich stark erregten Dame in der Mainzer Altstadt, die fest der Meinung war wir hätten ihr den Parkplatz genommen. Ob wir uns vorgedrängelt tatsächlich haben? Nun, ich glaube nicht, sie stand 10 Meter weiter und telefonierte in aller Seelenruhe außen an ihr Auto gelehnt, erst als Sie uns auf den freiwerdenden Parkplatz zusteuern sah, stieg sie flink ein, setzte den Rückwärtsgang und blinkte. Allerdings in der falschen Richtung, doch das kann ja mal passieren. 

Außerdem sei sie schliesslich Anwohnerin und die hätten immerhin ein Vorrecht auf die öffentlichen Parkplätze. Nun, erwiderte ich, von einem Vorrecht (*hihi nice try) könne nicht die Rede sein, dazu war nicht zu ersehen, dass sie einen Parkplatz sucht oder den just freiwerdenden Parkplatz für sich beansprucht und last-not-least: wer zuerst kommt parkt auch zuerst. Das diese meine Einstellung jetzt nicht zwingend de-eskalierend wirkt ist mir klar, insofern habe ich mir die Beschimpfung sicherlich verdient. Außerdem auch gelernt, das ein simpler Parkplatzstreit unglaubliche Mengen an überflüssigem Fremd-Adrenalin ausschütten kann.

Frühmorgensfragilität

Immer wieder wird einem die Fragilität unseres Verkehrssystems bewusst, wenn zur morgendlichen rush-hour sich auf einer um die Zeit extra viel befahrenen Straße ein Unfall ereignet. Die Massen an Autos, die sich binnen Sekunden ansammeln, erstaunt jedes Mal aufs Neue. Natürlich sind dann auch alle genervt, weil Stau und auch weil sich die Anfangszeit verschiebt, man also länger machen muss, oder Termine gerade rutschen und und und. Doch helfen weder hupen oder drängeln, um die Wartezeit zu verkürzen, es sei denn man kennt sich aus und fährt querfeldein.

Wir stehen also zu gefühlten Tausend und warten mehr oder weniger freiwillig bis der Knäuel weiter vorne auf der Querstraße sich auflöst und es für alle weiter geht. Zwei Luxusklassenbeweger stehen an einer Kreuzung, der eine ist eigentlich untere Oberklasse (uOK). Er steht mitten im Stau und blockiert dabei die Ausfahrt der echten Oberklasse (eOK) auf die Straße mit dem Stau, uOK kann sich nur minimal nach vorne oder hinten bewegen, was die eOK nicht daran hindert vehement seine Hupeinrichtung zu nutzen. Oh Wunder, denn aufgrund dessen passiert ja gar nichts mit den Stau, nur das noch mehr Hupbegeisterte in das Konzert einstimmen. Das nervt kolossal und dreh deswegen die Musik lauter, ich schließe die Augen und entspanne mich. Ein Kaffee wäre jetzt echt gut. Der Stau querab bewegt sich wieder etwas, es bildet sich eine Lücke direkt vor uOK, die eOK durch aggressives nach vorne Preschen zu nutzen versucht, wäre da nicht uOK, der eine Chance sieht, seinem Ziel um 2 Meter näher zu kommen. Die Kreuzung versinkt in der Blockade dieser beiden Schwachköpfe, die sich nun gegenseitig durch die Fenster anschreien und hupen. Man möchte aussteigen und ihnen die Ohren lang ziehen.

Doch was macht der findige Kleinwagenfahrer, der im Folgestau hinter eOK steht? Er bugsiert sich sehr langsam an eOK vorbei, so dicht, dass eOK kurz innehält um die Gefahr für seinen Außenspiegel einzuschätzen und sich dann weiter seinem Morgensport zu widmen, pöbeln und hupen zu uOK. Der findige Kleinwagenfahrer findet den Weg auf eine Verkehrsinsel, die er flugs überfährt um durch eine kleine Lücke den Stau zu kreuzen, um dann wiederum auf die Gegenfahrbahn zu gelangen, die den alternativen Weg eröffnet. Da es nicht nur einen findigen Kleinwagenfahrer gibt folgen dem Ersten einige Nachahmer und tun ihm gleich. Auch ich bin dabei und just auf Außenspiegelhöhe mit eOK, der kurz vorm Herzinfarkt scheint. Wo der die Energie nur her nimmt, zwischen all dem hupen und pöbeln?  *tststs* Ich gebe ja zu schon arg dicht an seinem Außenspiegel vorbei schleichen zu wollen, es sind vielleicht 2cm (Sorge um die Vorderschürze wegen des hohen Bordsteins der Verkehrsinsel lassen mich quer drauf rollen), doch kann ich noch Augenmaß auch ohne Brille. eOK sieht sich dennoch gezwungen seinen Außenspiegel zu beschützen, er sagt eindeutige Worte durch die Scheiben in meine Richtung, dann wieder nach vorne hupen und links zu mir weiter pöbeln. Ich zeige ihm zur Sicherheit auf welchen seiner Finger er sich schnellstmöglich setzen möchte und damit er es auch wirklich versteht, bleibt der Finger so lange stehen (Serverlenkung sei Dank) bis ich seinen Außenspiegel passiert habe. Alles easy. Auf der Staustrecke hat man die Zeichen der Zeit erkannt und die kleine Lücke zum querab passieren des Staus sogar etwas vergrößert. Ich passe durch und bin weg.