Waschstrassengucken

Die Gattin möchte ihren Wagen gewaschen bekommen, sie selbst bekommt Beklemmungen in der Enge mit all den sich drehenden Waschbürsten und sonstig bedrohlichen Sachen. Während ich also das Vehikel säubern lasse, geht sie zum Aldi nebenan. Angesichts der Schlange an der Waschstraße sollte sie vor mir fertig sein, ist sie aber nicht. So stehe ich nun auf dem Parkplatz, habe Öl und Kühlwasser geprüft und aufgefüllt und warte.

Links parkt ein Mercedes Combi, dessen Fahrer aussteigt und aus dem Kofferraum einen Eimer mit Pflegeprodukten holt. Dort fummelt er eine Zahnbürste und ein Kissen hervor. Er trägt Cordhosen und eine wattierte Weste, den Kopf unter einer Basecap. Sogleich liegt das Kissen auf dem Boden, er auf den Knien und reinigt die Alufelgen sehr akribisch, immer wieder durch das Sprühen mit einer kleinen Flasche begleitet, Zentimeter für Zentimeter. Na ja, wenn es ihm Spaß macht. Außerdem sind die Felgen hässlich.

Eine Mutter mit einem Billig-Geländewagen und 2 Kindern gehen dran, den Innenraum ‚vor‘ der Wäsche zu leeren. Jede Menge Müll holen die da raus, die Kids haben ihren Spaß, die Mutter versucht die Mundwinkel auf Maximallänge nach unten zu ziehen, zwischen drin keift sie die Kids an. Die Mülltonne ist nun halb voll mit Dosen, Fastfood-Verpackungen, Zeitungen und und. Da geht ganz schön was rein in den Wagen und einen Kofferraum hat er auch noch.

Der Mercedes ist nun an der 2.Felge.

Der BMW-Fahrer zankt sich mit dem Endkontrolleur wegen der schlierigen Scheiben. Beiderseitiges Augenrollen, gegenseitiges zeigen, hektisches wischen, als ich wieder hinsehe rauchen beide und sind entspannt.

Der Mercedesfahrer wischt immer noch an der 2. Felge, die eigentlich ebenso blitzblank ist, wie auch die Erste schon war. Was sieht er da nur?

Die Gattin ist da, wir fahren.