Baumarktstalker

Diese riesigen Baumärkte, die überall aus dem Boden schießen, sind mir ein Graus. Zu groß und eine alles erschlagende Fülle. Am meisten sind mir häufig die freundlichen Berater aufgestoßen. Katalogvorleser habe ich das Gros bisher nennen müssen. Nein, ich bin keiner dieser Alles-Besserwisser, ich frage wenn ich was nicht weiß oder verstehe und wenn ich den Eindruck habe, mein Gegenüber ist sich seiner Sache sicher, neige ich dazu ihm vorerst zu glauben. Dennoch halte ich meinen Menschen- und Sachverstand dennoch wachsam, wenn ich jemanden um Hilfe frage. Wie auch immer, die Berater sind mehr oder weniger enthusiastisch bemüht, dennoch oft schnell hilflos wenn es zu speziell wird, aber in der Regel hilfsbereit, freundlich und nett. Mehr braucht es für mich auch nicht.

Nun musste ich heute mal in einen dieser Reisendinger, weil die Company 2 neue Schukosteckdoseneinsätze mit Deckel braucht. Jemand hat es geschafft, seine Stecker so heraus zu ziehen, dass die Deckel abgerissen wurden. Beide natürlich. Das sagt man dann auch nicht, sondern drapiert die Deckel so geschickt, damit man es nicht sieht. *argh* Ist fast wie früher mit den aufgedeckten Naschzeugverstecken von Muttern. Na egal, ich weiß was ich brauche, ich habe das schließlich vor 25 Jahren (*gulp*) gelernt. Widerwillig betrete ich also die bombastische Halle, suche nach der  Regalgruppe, dann Warengruppe, selektiere die passenden Teile, fertig – 2 Minuten. Sauber ausgeschildert – Respekt.  Beim herausgehen treffe ich ich den Abteilungs-Verkäufer.

Er: Kann ich helfen?

Ich: (sehe ich so hilflos aus?) Nein danke, ich hab was ich brauche.  (Er peilt die beiden Schukos in meiner Hand an.)

Er: Diese Modelle sind nicht spritzwassertauglich.

Ich: Danke für den Hinweis, die kommen in einen Trockenbereich. Ich brauche sie daher nicht spritzwassergeschützt. (Ich bin etwas verstört, ob der massiv zur Schau gestellten Aufmerksamkeit – schon erstaunlich um die Uhrzeit, es ist schließlich schon 19.00 Uhr.)

Er: Die Meisten kaufen diese Modelle anstelle der Spritzwassergeschützten, weil sie deutlich billiger sind. (Minisprechpause) Was haben Sie denn vor?

Ich: (stutze) Ich will defekte Schukosteckdosen ersetzen, sonst nichts. Ich bin vom Fach. Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Dabei drehe ich mich um und will ‘seine’ Ecke verlassen.)

Er: Denken Sie bitte an die VDE-Prüfung des Schutzleiters.

Ich: (drehe mich doch zu ihm um – er fuchst mich irgendwie, sei einfach still Ruediger und geh weiter – mein Schnabel ist jedoch entschieden anderer Meinung ) Es handelt sich um eine Neuanlage mit FI-Schutzschalter. Und selbst wenn nicht, den Austausch von Schukosteckdosen für Trockenräume kann man einfach so machen, vorausgesetzt die Kabel sind in Ordnung und die Wanddose sitzt noch fest. Bei Altanlagen mit klassicher Nullung besteht zudem immer noch Bestandsschutz, sprich man muss in einem Reparaturfalle wie diesem hier eben nicht die gesamte Hausinstallation überholen. Das wäre dann ja wohl etwas zuviel des Ganzen. (Ich wähne mich deutlich vorne, habe ich doch eindeutig und fehlerfrei diverse Fachbegriffe verwendet – gelernt ist gelernt, auch wenn es schon so lange her ist – ich kann mein Bein höher heben als Du. So, nun schleich dich.)

Er: Ja eben, genau das muss geprüft werden.

Ich: (zögere kurz – er will mich foppen –  vermutlich hört er das 100 mal am Tag ‘ich bin vom Fach’ – kenne ich ja auch ‘wissen Sie ich arbeite nun schon etlichen Jahren mit PCs, schon seit Windows 3.11 und kenne mich gut aus, was bitte heißt ‘copy-and-paste’ eigentlich genau? – verdammt ich gehe einfach weiter – ich habe keine Lust auf sein getrolle) Ja ist gut, danke.

Er: Denken Sie dran, nicht im Feuchtraum.

Ich: (etwas angefressen) Ich sagte bereits wofür ich die brauche. Danke. (Bloß raus hier.)

Er: Schon gut, keine Ursache.

Ich: (mehr oder weniger baff und zur Kasse eilend)

[Bild © RainerSturm / www.pixelio.de]

4 Kommentare

  1. Komisch, wenn ich einen Verkäufer zu Gesicht bekommen will, muß ich ihm hinterher laufen und von hinten anfallen, daß er stehn bleibt. Meist ist er dann nicht zuständig und schickt mir einen Kollegen, der aber auch eine halbe Stunde auf sich warten läßt.

  2. Ehrlich gesagt, ich schlender gerne durch Baumärkte. Doch die Erfahrung mit Verkäufer und Konsorten können bestätigt werden. Entweder sind sie schneller als der Wind weg oder werden pampig, weil man ja als Kunde null Ahnung hat. Da fällt mir immer der Obi-Spot ein, indem diese riesigen Wollmäuse durch den Laden rollen und keiner zu finden ist. ;-)

  3. @ri
    Durch Baumärkte zu schlendern habe ich bisher als “Shopping-Tripp” noch nicht wahrgenommen. ;)

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