Navi oder kein Navi

(sinngemäße Wiedergabe eines kürzlich geführten Telefonats)

Er ist ein weitläufig Bekannter mit hin und wieder massiven Mitteilungsbedürfnis, besonders wenn er sein veralteter Rechner mal wieder nicht so will wie er und erwartet von mir hofft geholfen zu bekommen. Dank Remote-Tools wie Real-VNC kann ich sein Windows 2000 auch unter Linux von zu Hause aus bearbeiten. Es gab Bedarf eines Kurzbesuchs meinerseits, weil zusätzlicher RAM eingebaut werden sollte. Nur gibt es den nicht mehr im Handel und ich habe noch einen passenden 128MB Riegel auf dem Speicher. Also weg mit dem Ding.

Sein technisches Verständnis ist mit der Bedienung einer Mikrowelle eigentlich schon ausgeschöpft, er ist dabei ein sehr netter Kerl und kann richtig gut backen.

Er: Komm doch bitte vorbei wegen dem Arbeitsspeicher. Dann könntest Du den auch gleich einbauen. Ich kann das doch nicht. Und ich zeige Dir meine neue Wohnung. Frischer Kuchen ist auch da.

(er weiß womit er mich locken kann)

Ich: Dem kann ich ja wohl kaum widerstehen. Gib mir doch bitte Deine neue Adresse.

(er übermittelt die Daten)

Er: Kennst Du das?

Ich: Nö, aber das bekomme ich schon hin. Bin ja nicht blind.

Er: Was höre ich, hast Du Dir auch so ein Discounter-Navi angeschafft?

Ich: Nie im leben hänge ich mir so ein Ding an die Scheibe. Ist zwar bequem, doch kostet das deutlich mehr als …

Er: Wie willst Du denn das sonst finden?

Ich: Wie ich immer. Ich schaue in meinen Stadtplan.

Er: Stadtplan?

Ich: Stadtplan!

Er: Du meinst aus Papier oder hast Du das den mobTux mit UMTS ausgerüstet?

Ich: Ganz altmodisch aus Papier. Das geht immer noch prima.

Er: Kannst Du das denn?

Ich: Was gibt es da zu können? Ich kann lesen und habe Orientierungssinn. Damit habe ich noch alles gefunden was ich suchte.

Er: Echt jetzt?

Ich: Ja sicher.

Er: Ich könnte das nicht mehr, ohne mein Navi im Auto.

Ich: Warum?

Er: Ich kann keine Karten lesen und steh irgendwie auf die Navi-Stimme.

Ich: ‘…keine Karten lesen’… sieht mir eher nach DevotFetisch aus.

Er: (lacht) Quatsch.

Ich: Wie hast Du das vorher gemacht?

Er: Bus gefahren.

Ich: *öhm* Also ich bin gegen 19.00 Uhr da.

Er: Na, ich denke mal es wird später.

Ich: Nein, wird es nicht.

Er: Leih Dir lieber ein Navi.

Ich: Kommt nicht in Frage.

*klick*

Er hat mich trotz seiner Defizite technologisch überholt, auch weil ich mal wieder den Dickkopf entscheiden lasse. Ich will so ein Ding einfach nicht haben, das mag auch daran liegen das ich mir außer von der Göttergattin nicht gerne sagen lassen, wo es lang geht. wink

[Bild © unbekannt]

Ich amüsiere mich bis dato immer über alle, die im Kleinwagen sitzend die Scheiben voller technologischem Extra-Zubehör vom Discounter zugepflastert haben. Auf der Pendlerautobahn ist es ganz schlimm. Warum Pendler wie auch ich jeden Tag die gleiche Strecke fahren und dennoch immer das Navi an der Windschutzscheibe pappt und auch noch läuft, mag ich nicht verstehen. Auf der anderen Seite hat man dafür bezahlt also soll es auch laufen. Oder man kontrolliert so, dass die Straße sich nicht verschoben hat, das Navi also noch aktuell ist. Technik schön und gut, aber nicht für alles und überall. Da bin und bleibe ich bockig.

10 Kommentare

  1. Wir fahren hin und wieder Mietwagen – die ja allzu gern Navigationsdingsbumse bevorraten. Mein Gatte weiß mitunter nicht, ob er lachen oder weinen soll, wenn ich mit der Navigateuse diskutiere:

    Navi: Nach 200 Metern links, an der nächsten Kreuzung links .. jetzt links.

    Ich – LAUT – (z. B.): Ja, Hergott nochmal, Du dämliche Kuh, hier sitzen weder Schwerhörige noch Vollidioten im Wagen!

    Ich kann mitunter auch noch viel schlimmere Wörter, aber für den Fall, dass hier Kinder mitlesen, habe ich das harmloseste Beispiel gewählt.

  2. @buchstaeblich
    Du unterhältst Dich wie ich auch mit Maschinen und beschimpfst diese. Das ist befriedigend, weil es kommen keine Wiederworte. ;)

    => http://www.fluchen.net :twisted:

  3. Ich habe auch mal mein Auto beschimpft, leider saß meine Frau neben mir. Ich meine Sie dachte im ersten Moment das Sie gemeint war :(

  4. @Ecki
    Sollte ich fragen wie genau Du Dein Auto beschimpfst hast, so dass sich dennoch Deine Frau angesprochen fühlte? :roll:

  5. Ich rede mit Maschinen, Lebensmitteln, Insekten …
    Oft genug kommt vom anderen Ende der Wohnung ein “Hast Du was gesagt?”.
    “Ja, aber zum Brotteig/Gurkensalat/Schraubenzieher/… “. “Ach so.”

    Meine Streitereien mit der Navidame muss ich oft genug vormachen, wenn wir mit Leuten feiern: Gatte steht da drauf, denn er wird als Held gefeiert, weil er sich traut mit mir verheiratet zu sein.

  6. @silencer
    Ich baue schon mal vor: ich sammle Stadtpläne. :)

    @buchstaeblich
    Bemerkenswert. Ich werde indes ermahnt nicht so lästerlich zu fluchen. Da macht das kaum noch Spaß…. ;)

  7. Wir haben kein Navi und sind bis jetzt trotz allem immer am Ziel angekommen. Sehen wir mal von diversen Umwegen ab. :oops:

    Nun hat mein Sonnenschein sich einmal das Navi von seinem Bruder ausgeborgt. Er musste für die abschließende Prüfung nach Osnabrück, war super nervös und hatte keinen Nerv auf das Lesen der Karte. Tja, nun haben wir den Salat. Sind naviverkorkst. Ich muss gestehen, dass uns das Navi auf völlig unbekannten Touren einiges an Spritgeld gespart hat, welches wir sonst durch unnötige Umfahrungen verballert hätten. *räusper* Wir haben noch kein Navi gekauft. Aber wenn wirklich “außergewöhnliche” Touren anstehen, dann fragen wir den Bruder ganz nett und höflich, ob er sein Navi entbehren könnte. :-D

  8. Für Leute, die viel mit dem Auto auf immer neuen Strecken unterwegs sind, ist so ein Gerät sicher ein Segen. Müsste ich mehr mit dem Auto durch die Gegend fahren, würde ich mir sicherlich auch so ein Teil kaufen – aber vorsichtshalber einen guten Autoatlas mitnehmen.

    Lieber fahre ich ja mit der Bahn – die fährt auf Schienen und findet auch so ohne Navi das Ziel … ;-)

  9. @Frau W.
    aha. Ihr werdet weich, gib es ruhig zu. :)

    @flusskiesel
    Ein wahres Wort. Ich hoffe sehr, dass mich die kommende Woche Testpendeln eines ähnlichen Ansatzes dauerhaft überzeugen wird.

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