Bauchladennervgedöns

Ohne Briefmarken oder Möglichkeiten sich welche auszudrucken muss man leider dorthin wo es welche gibt. Kommt man jedoch nur um läppische 5 Minuten nach der offiziellen Öffnungszeit in die örtliche Postagentur hat man Pech, so ist da nun mal. Ob nun die Besatzung im Postdress rauchend vor dem Laden steht oder nicht, ist auch nicht weiter wichtig. Auch Pause muss sein, sehe ich selbst nichts anderes. Ich jedoch hätte entweder die Kutte ausgezogen, oder wäre woanders rauchen gegangen, oder wäre über meinen Schatten gesprungen und hätte die Marke halt noch schnell verkauft. Ich bin aber nicht sie, also muss ich geläutert (komme das nächste Mal gefälligst pünktlich!) in die Hauptpost. Das bringt meinen Zeitplan leicht durcheinander, weil ich es nicht leiden kann grundlos zu spät zu einer zu kommen. Die und ich wollen nach der Schule einen Fast-Food-Thai in der Innenstadt ausprobieren.

Die ‘Hauptpost’ hat man seinerzeit so geschickt platziert, dass man quasi nur per pedes zu ihr gelangt. Parkplätze in der Nähe gibt es nur dann, wenn Anwohner zuvor verstorben sind, oder man sich mittels unvertretbarer Gewalt kurzerhand einen Stellplatz kapert, doch das ist eine andere Geschichte. Nach einem kurzen Fußmarsch (~5 Min) betritt man dann die mit allerlei Tand in schiefen Pappregalen bestückte Schalterhalle. Doch bevor man das tun darf was man in der üblicherweise tut, muss man sich an einer massiven Prospektverteilerin vorbei schälen. Die versucht einem durchaus vehement ein buntes Papier aufzuwängen. Ich will aber nicht, ich brauch Briefmarken, sonst nichts und außerdem bin ich in Zeitdruck. Das “Nein Danke” fällt einen Tuc zu harsch aus, wofür ich mich direkt wieder entschuldige und sie mir wohl aus Dankbarkeit erneut den Zettel an die Jacke heften will. Ich will aber immer noch nicht, zumal auf dem Weg zum Servicepoint (scheiß Unternehmensberater mit ihrem dämlichen Denglisch-Fetisch) kein Mülleimer ist, in den man den Kram gleich entsorgen könnte, sonst hätte ich ihn ihr ja abgenommen. So lasse ich sie mit einem gezwungen freundlichen Lächeln stehen und gehe weiter, um mich letztlich endlich am Servicepoint in die kurze Schlange einzureihen.

Alle Schalter sind besetzt und so schaue ich mich um, vermeide jedoch den Blickkontakt mit der sich sachte heranpirschenden Prospektverteilerin. Denn die hat scheinbar erkannt, dass die hier Wartenden nicht flüchten können. Man wird mit blödsinniger Postwerbung aus einem direkt vor dem Servicepoint aufgebauten Flachbildschirm zwangsbeschallt. Der iPod liegt im Auto, wo sonst. Kommt man also nicht drum herum. Schaut man geradeaus ist dort das Gezappel, schaut man um sich steht überall Nippes und Zeugs herum, war keiner in einer Post sucht oder braucht. Auf deutsch: Falle. Sie traut sich nicht so richtig und ich habe Glück, ich bin dran und darf endlich sagen, dass ich Briefmarken brauche.

Er kruschelt in einer seiner Schubladen vor sich und fragt beiläufig, ob ich denn auch ein Griokonto hätte. “Briefmarken guter Mann” sage ich “sonst nichts. Ich stehe mit meinem Wagen arg ungünstig und mag mich daher weder nett unterhalten, noch Erfahrungen austauschen. Ich möchte was viele in der Post möchten, in meinem Fall ‘Briefmarken’ und sonst nichts.” Er nickt und ich fühle mich als Gewinner. Wir wickeln weiter unser Postgeschäft ab, ich zahle und er lässt sich verdächtig viel Zeit mit dem Wechselgeld. Vermutlich damit er fragen kann, ob ich schon Yello-Strom hätte? *argh – in Gedanken flippe ich gleich aus* “Nein” sage ich, “ich will auch keinen Strom. Ich wollte Briefmarken und Post aufgeben und nun warte ich auf mein Wechselgeld. Kein Strom, kein Konto, hier ist die Post. Die Post kümmert sich um die Post und um sonst nichts.” Er sagt nicht, sondern legt still und ohne Blickkontakt mein Wechselgeld auf den Tresen. Ich fische die Münzen zusammen, während mir fast einer der 8(!) Prospektaufsteller, die durchaus handwerklich geschickt rund um den Schalter postiert sind, umfällt. Einen schönen Tag noch. Ja danke, Ihnen auch.

Die sollten besser aufhören Tante Emma zu spielen und ihren verdammten Job machen, damit haben sie weiß Gott genug zu tun. Übrigens, keinen Knollen am Schlittchen, ich war gerade noch auf die Minute pünktlich *puh* und der Thai war auch nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Das ging, die Wirtsleute dort sind irgendwie komisch. Wir müssen wohl weiter suchen.

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7 Kommentare

  1. Man kriegt Briefmarken auch per SMS (zum Selberdraufschreiben). Kostet zwar ein bisschen extra, aber manchmal ist es das wert.

  2. @muriel
    Ich soll denen Arbeit abnehmen und dafür auch noch draufzahlen? Das bestimmt nicht. Dann halte ich lieber die Belästigungen der Leute aus. Aufschläge werden von mir nur subventioniert, wenn ein wirklicher Mehrwert vorliegt

    OT: Lösche bitte den thatblog-Cookie in Deinem Browser. Der Schreibfehler in Deiner Mail-Adresse zieht sich sonst noch weiter hin und Du landest immer wieder ungerechtfertigt in meiner Spam-QueueSchleife. :)

  3. Dem guten Mann war es wohl ebenfalls sichtlich unangenehm, diesen Schmuh immer wieder durchzuziehen. Die machen das sicherlich nicht aus Gründen der persönlichen Bereicherung. ;-)

    Kritik wäre da eher bei den hochdotierten Denglisch-Fanatikern angebracht. ^^
    Um diesem Elend aus dem Weg zu gehen, kauf ich meist Briefe, auf denen die Briefmarken schon drauf sind.

  4. Ich fühle mit dir. Hier hat Ende April eine neue Postfiliale aufgemacht und die Mitarbeiter haben gleich das Casting zu Deutschland sucht den Superzeugen Jehovas veranstaltet. Man kam nicht vorbei ohne, dass sie einem etwas aufschwatzen wollten. Das große Problem ist, dass der Briefkasten in das Foyer dieser Filiale integriert worden ist. Jetzt kann man nicht einmal mehr in Ruhe Post einwerfen. :teehee:

  5. @ruediger: Mir war es das auch noch nie wert, aber ich sehe schon einen Mehrwert darin, jederzeit und überall Briefe frankieren zu können, ohne auf Filiale oder Automat angewiesen zu sein…
    OT: Vielen Dank. Eigentlich hatte ich das schon korrigiert… Und jetzt sieht es hier auch alles richtig aus, ohne dass ich was geändert hätte. Sollte da immer noch was falsch sein, schreib mir doch bitte noch mal.

  6. @Coltaine
    Natürlich ist der Schaltermensch der letzte in der Kette, der wird verdonnert weil die Cheffetage rechnet: 5 Mio Kundenkontakte, 5% hören zu, 3% sind interessiert, 0,5% schließen ab. Das sind 1.000 neue Kunden, jeden Tag. Gutes Geschäft, wenig Aufwand.

    @Charlotta
    Die machen etwas falsch und werden es auch dann merken, wenn die Konkurrenz richtig auf dem Markt erscheint und tätig wird.

  7. Zu Hause hatten wir so einen Vertag (kostenlos weil wir nie viel hatten) mit einem lokalen Privatdienst, weil uns das so auf den Nerv ging. Jedes Mal: “Haben Sie schon ein Postbankkonto?” – ich habe zwar immer “Danke, nein.” gesagt, da wurden sie jedoch teils so impertinent nach den Gründen zu fragen. Irgendwann war ich mal so sauer, dass ich dem Onkelchen meinen Studentenausweis vor die Nase gehalten habe und gefragt habe, ob der Besitzer eines solchen wirklich so aussähe als hätte ich monatlich 2000€ Geldeingang.

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