Und dann gibst Du den Schlüssel ab

Mitte Juli starb meine Mutter im Krankenhaus nach einer erneut sehr schweren OP, von der sie sich letztlich nicht mehr erholen konnte. Versucht hat sie es sicherlich, auch wenn es vermutlich _nur_ der schiere Dickkopf war, der sie auch in der Bewusstlosigkeit noch am Leben gehalten hat. 

Wir haben recht zeitnah mit der Nachbesorgung (Orga der Beerdigung, Wohnungsauflösung, Kontenauflösung, und und und) begonnen. Auch um sich zu beschäftigen, außerdem wollten wir die Wohnung aus rein wirtschaftlichen Gründen frühzeitig wieder zurück geben können.

Wir haben binnen 5 Wochen die Wohnung komplett geräumt, alles geregelt was zu regeln war, ihre Urne in die Erde gebracht und waren im Gesamten doch auch zufrieden mit uns, dass wir trotz der wenigen Zeit an Wochenenden und Abends alles hinbekommen haben. Man soll nicht glauben, was sich in Jahren in einer Wohnung so alles ansammelt, mal rein von den lieben Erinnerungsstücken abgesehen. Die beste Tochter von allen, die Gattin und auch ich hatten des Öfteren einen Klos im Hals beim räumen, aber half ja nichts.

Wir meldeten die Wohnung dann am 24. 08. gegenüber der Haus und Grund in (Webseite) leer und wollten diese auch zum 01.09. zurückgeben. Die Kommunikation mit diesem Unternehmen ist alles andere als einfach. E-Mails liegen gerne mal 14 Tage, weil die Kollegin nicht da ist und man selbst das Postfach nicht prüfe, man solle doch lieber faxen oder Briefe schreiben, Anrufe laufen ins Leere, weil die Sprechzeiten von 9-12 scheinbar derart überlaufen sind, dass gleich gar keiner mehr dran geht. Aber hilft ja alles nichts, man muss mit denen.

Wenn man denn mal Glück hatte und mit jemanden aus diesem Unternehmen sprechen konnte, war alles sehr kurz und knapp. Von Anteilnahme oder Hilfen keine Spur. Telekom-Hotline, Entega, Rentenkasse, Bank, Apotheke, Hausarzt haben sich sehr ordentlich verhalten, Ihre Anteilnahme zum Ausdruck gebracht und bei dem ganzen nötigen Prozedere wirklich aktiv oder passiv geholfen. Das war wirklich toll und hilfreich, ein anderes Leben auf dem Papier ‘abzuwickeln’ macht man nicht alle Tage und es ist schlicht überwältigend. Doch diese Hausverwaltung hatte besseres zu tun. Anteilnahme im Sinne von Beileidsbekundungen gab es keine, Unterstützung oder gar Hilfen sind Fremdworte. So eröffnete man uns nach schon hoch penetrantem Nachfragen, dass die Wohnung nicht vor dem 01.11. zurück gegeben werden könne. Warum? Weil dann erst die Kündigungsfrist greife. Die Wohnung steht leer, ist besenrein, die Zählerstände sind alle übermittelt und abgerechnet. Was soll diese künstliche Verzögerung, die Wohnung könne doch gleich wieder vermietet werden. Das wäre alles nicht wichtig, die Kündigungsfrist müsse eingehalten werden.

Die Rückfrage bei unserem Rechtsbeistand ergab, dass es nur eine durchaus übliche Handhabung ist im Todesfall das Mietverhältnis vorzeitig zu lösen, sofern die Wohnung wie im Mietvertrag vereinbart übergeben werden könne. Ein Rechtsstreit wäre letztlich sinnlos, weil der Gesetzgeber wird der Hausverwaltung in ihrer Vorgehensweise formal recht geben, moralisch aber meist nicht. Somit haben wir also 3 Monate eine leere und vermietfähige Wohnung bezahlt. Zähneknirschend. Dann haben wir erfahren, dass das Haus selbst verkauft wurde, einen Kontakt zum neuen Hauseigentümer wurde mir verwehrt.

Den neuen Eigentümer habe ich heute kennen gelernt, weil wir die Übergabe endlich vollzogen haben. So erfuhr ich auch, dass alle Wohnungen im Haus renoviert und neu vermietet werden, eben weil das Haus schon etwas älter ist. Er wusste gar nicht, dass unsere Wohnung seit August schon leer stand und er mit der Renovierung schon hätte anfangen können. Hätte er es gewusst, er wäre dankbar gewesen um die gewonnene Zeit. Das hilft uns jetzt allen nicht weiter, aber er wird mit der Hausverwaltung nochmal ernsthaft reden.

Dennoch mache ich hier eine imaginäre Rechnung mit der Hausverwaltung  auf. Irgendwann werden wir uns wieder sehen und ich hoffe inständig, dass mein Hebel dann der Längere sein wird. 

Trotz allem Ärger um diese verwixte Hausverwaltung, es ist heute nun alles erledigt. Die Wohnung ist weg, ich kann nicht mehr hin fahren, muss/darf mich nicht mehr kümmern. Und es fühlt sich irgendwie Scheisse an. Das Letzte was ich von ihr hatte.

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7 Kommentare

  1. Die Bürokratie mancher Institutionen erleichtert das Leben nicht gerade… Gerade in solchen Fällen, würde man sich etwas mehr Entgegenkommen erwarten. Aber leider!
    Ich wünsche Ihnen zumindest jetzt die nötige Ruhe

  2. Das macht Bürokratie sicher nicht, wobei die Menschen dahinter einem eher das Leben schwer machen. Verwaltung muss letztlich sein, ohne würde eine Gesellschaft nicht wirklich gut funktionieren. Das ist aber kein Grund warum missliebige Menschen drauf herumreiten müssen und eben keine Menschlichkeit/Verständnis an den Tag legen wollen. Diese erwähnte Hausverwaltung hat unseren Status gewinnbringend für sich ausgenutzt. Das im Angesicht unseres Verlusts ist verabscheuungswürdig und wird abseits meiner offenen imaginären Rechnung hoffentlich wirklich böses Karma für den Laden erzeugen. // Danke für die Wünsche. Wir halten uns gut. :)

  3. Ach, ich hatte ich mich schon gefragt, ob hinter den Andeutungen bzgl. Entrümpelungen so etwas steckte. Mein Beileid.

  4. Mein herzliches Beileid! Ich hoffe Du hast ein schönes Erinnerungsstück aufgehoben, das den Abschied von der Wohnung Deiner Mutter erleichtert. Es bleiben einem nur schöne Bilder und Gegenstände, an denen das Herz lange hängt.

  5. merci. Das Richtige zu finden was man aufheben mag … eigentlich hätte es alles sein können und auch nichts. Letztlich sind alle möglichen Teile ihres Haushaltes in die Haushalte der Hinterbliebenen gewandert und finden dort mehr oder weniger Verwendung. Das hat schon was…

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