Ich muss deutlicher sprechen – Akt 3

Die Tankstelle mit ihrem komischen Tankwartservice. Ich tanke selbst, weil ich es nicht einsehen mag, zu den überhöhten Spritpreisen (oh stets verlässliche und wundersame Erhöhung vor den Feiertagen), zusätzlich noch einen Euro an den Tankwart geben soll, nur weil es mir peinlich ist gefragt zu werden, ob die Hilfe des Tankwarts mir nicht einen Euro wert sei. Der Tankwart spritzt herbei, kaum das ich aus dem Auto bin und möchte wissen, ob er mir helfen darf. Er zieht sich sofort zurück als er sieht, dass ich auch mit der Zapfpistole umgehen kann. Während der Sprit läuft, pirscht er sich nochmal heran und macht einen auf Info, weil man gerade einen Sonderposten Scheibenklar für die Autowischanlage im Angebot hätte. Ja, ich weiß dass meine Scheiben dreckig sind, denke ich mir, will aber sein Angebot nicht. Er zieht sich wieder zurück, der Sprit hört nicht auf zu laufen, bei ~60 Euro macht es endlich klack. *grrr* An der Kasse steht wieder der Mensch, der von seiner Erscheinung aus gesehen schon beeindruckt, ca. 1.90m groß, Schulter 1.90m breit , Bauch 1.90m. “Die Zapfsäule 2 bitte” und lege die Bonuskarte auf den Tisch, sowie ich die Kreditkarte bereits schon zur Hälfte in den Kartenleser eingesteckt habe. Er gibt frei und wir rechnen ab. Beim Ausdrucken des Beleges fragt er, ob es noch etwas sein darf, Kaffee, Tee oder ein Brötchen? Ich will aber nicht, nur tanken, zahlen und wieder weg fahren. Freiheit. Sie hätten auch noch Schokolade im Angebot und auch andere leckere Süßigkeiten. *argh* Halts Maul Mensch,ich werde sonst noch kirre. Immer noch verweigere ich böswillig die Kooperation und beeile mich lieber meine Karten wieder zurück in die Börse zu fummeln. Freiheit. Doch mal wieder typisch, wenn es schnell gehen muss hängt es. Auch die heutige Zeitung verschmähe ich und natürlich auch das Sonderangebot Scheibenklar. Endlich stecken die Karten und lasse ihn in seiner Überlegung, was er mir als nächstes anpreisen möchte ohne weitere Worte zurück.

Ein Nein ist ein Nein ist ein Nein. Die wollen mich alle (Akt 1 / Akt 2) wahnsinnig machen. Dabei weiß ich genau, der Kunde wird so lange penetriert, bis der letztlich nur um seiner Ruhe willen doch endlich etwas kauft. Aber nicht mit mir, mit mir nicht. Widerstand! Freiheit! endlich.

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Ich muss deutlicher sprechen – Akt 2

Der lokale Kleinsupermarkt hat Sonderangebote, darunter 6er Pack Pepsi (ja ich bin das, der das gerne trinkt). Nach der Bank laufe ich in den Laden und suche die Ecke mit den Getränken. Auch hier bin ich eher selten, insofern muss ich mich etwas etwas orientieren, bis ich fündig werde. In der Auslage stehen tatsächlich 2 Flaschen Pepsi Light ausgezeichnet mit dem Angebotspreis, toll. Doch wollte zwei oder drei 6er Packs haben. Natürlich ist weit und breit keine Angestellte zu sehen, ich muss eine Exkursion durch den Laden starten. Auf meinen Wegen entdecke ich auch endlich die Wattestäbchen, die ich letzthin erfolglos gesucht habe. Im Gemüse finde ich dann aber eine Angestellte, die auch sehr zeitnah durch eine Tür mit Plastikvorhängen verschwindet, nachdem ich ihr den Prospekt in meiner Hand gezeigt habe und sagen will, was ich möchte. Im davoneilen ruft sie mir noch zu, ich möge doch bitte einen Moment warten, Sie hole es mir. Da ich nach meinen Begriffen ihr noch gar nicht richtig gesagt habe was ich möchte, bin ich sehr gespannt was sie mir gleich holen wird. Sie kommt mit einem 6er Pack Cola Zero, immerhin – nahe dran. Ich erdreiste mich zu sagen, dass ich Pepsi haben möchte, nach Möglichkeit zwei oder drei 6er Packs. Sie stellt seufzend die Cola ab und schaut mich nicht unfreundlich, aber leicht gehetzt an. Sorry sage ich, sie wäre schließlich gleich davon geeilt und ich rufe gewöhnlich nicht quer durch einen Laden hinter jemandem her. Ok, sie bemerkt ihren Fehler und fragt noch einmal was ich wolle. Pepsi Light, sage ich, zwei oder drei 6er Packs bitte, immer noch. Ich bin froh alles fehlerfrei und nach meinem Dafürhalten nun auch verständlich gesagt zu haben. Ihr Elan ist dennoch dahin, sie schlurft eher zurück ins angrenzende Lager. Nach wenigen Minuten kommt ein Azubi (Namensschild) mit drei 6er Packs Pepsi zurück und stellt sie stolz in meinen Wagen. Wirklich toller Service, wenn es die gewünschte Pepsi Light gewesen wäre. Ihm fällt das Frühstück aus dem Gesicht, während er sich die 6er Packs wieder nimmt und davon eiert. Minuten später bekomme ich meine Pepsi Light, aber nur einen 6er Pack, weil keine mehr da wären. Sie steht vor mir, den Azubi im Schlepptau und sieht mich irgendwie streitlustig außer Atem an. Ob Sie mir noch irgendwie helfen könnte? Der Ton impliziert meine Antwort und ich sage zu mir ‘ein 6er Pack ist genug, besser als nichts’. Ich will gar nicht wissen, ob und wann nochmal Nachschub kommt. Nur raus hier.

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Ich muss deutlicher sprechen – Akt 1

Die Gattin schickt mich zu ihrer Bank um Geld zu holen. Ich mag den Laden nicht sonderlich, die sind alle irgendwie so gekünstelt und hyper zuvorkommend, als wenn das die möglichen zukünftigen Einlagen erhöhen würde. Mich nervt das Gehabe nun mal und so meide ich die Filiale zu betreten, oder ich bin Online-Banking-geschädigt. Da wird man nicht belästigt mit “Sind sie interessiert an dies und das”, Nein? Dann vielleicht jenes oder selbiges” Nein? Ach sie wollen nur Geld holen, ja aber vielleicht möchten Sie anschließend doch mal… *argh* Da liegt mir die Frage auf der Zunge” Bitten sagen Sie mir doch endlich welchen Teil von Nein Danke sie nicht verstanden haben, damit ich Ihnen dieser ganz genau erklären kann.” Aber die machen auch nur ihren Job, insofern werde ich stattdessen einsilbiger, das funktioniert auch, dauert nur länger.

Da ich die PIN des Kontos der Gattin immer noch nicht auswendig kenne, lege ich die EC-Karte hin und sage “Bitten zahlen Sie mir doch $Euro von dem Konto aus.” Da ich maximal 2 Mal im Jahr dort bin (weil geschickt – meine Bank ist eine andere) kennt man mich demzufolge nicht und weil es eine überschaubare Filiale ist, wittert man hinterm Schalter sofort einen potentiellen Neukunden *sigh* und das Spiel beginnt. Wir spielen also ‘wir-hören-dem-Kunden-nicht-zu-und-arbeiten-das-einzigartige-unfehlbare-ablaufoptimierte-ergebnisorientierte Verkaufserfolgsgesprächsskript” durch. Weil ich mich dennoch weigere von den tollen Angeboten zu partizipieren und auch gesprächserzeugende Notfragen durch freches Ignorieren einfach ausweiche, fragt sie mich endlich ernsthaft wobei sie mir denn helfen könne. Ich wiederhole meinen Satz von vorhin und sie beginnt dieses Mal sofort zu tippen. “Auf welches Konto möchten Sie denn $Euro einzahlen,” fragt sie ganz beflissen und ignoriert souverän die vor ihr liegenden Kontokarte. “Nicht einzahlen, abheben, immer noch, bitte” erwidere ich deutlich und lächle sie  gefährlich an. Sie wird leicht rot, entschuldigt sich, tippert wieder auf der Tastatur herum und fragt, wie viel ich doch gleich wollte. Ich kann es mir nicht verkneifen und so sage ich, dass weniger dummes Zeug fragen und mehr auf das Hören was der Kunde sagt noch niemandem geschadet hat. Ich wollte bitte endlich $Euro haben. Jetzt. Sie schaut sogleich wieder stur nach unten auf die Tastatur, tippert weiter und frage mich ohne aufzusehen in welcher Stücklung ich den Betrag haben wolle. Mir ist das einerlei und so beginnt kurz darauf die Maschine unter dem Tresen zu rattern. Sie legt mir $Euro vor, zählt und alles ist gut. Wäre da nicht ihre schnelle linke Hand, die aus dem scheinbaren Nichts einen Faltprospekt hervor zaubert, diesen schon aufgeschlagen auf den Tisch über(!) das Geld legt und mich fragt, ob ich denn nicht doch  interessiert … weiter höre ich nicht, ich wische den Infoplunder zur Seite, greife mir mein darunter liegendes Geld, drehe mich auf dem Absatz um und lasse sie mit einem laut vernehmbaren “Danke und auf Wiedersehen” stehen. Ich muss unbedingt die PIN auswendig lernen. Un-be-dingt! *hmpf*

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